Starköchin Sarah Wiener: "Wir essen totes, sterilisiertes Kunstessen"

forum Nachhaltig Wirtschaften 3/2013: Die Food-Industrie

München, 4. September 2013. "Das ist unsere Nahrungsrealität: Wir essen weitgehend totes, sterilisiertes und stark verarbeitetes Kunstessen", sagt Starköchin Sarah Wiener in der aktuellen forum Nachhaltig Wirtschaften. Fett- und glutamathaltige Geschmacksexplosionen traktierten die Synapsen unseres Gehirns. Diese Attacken auf die Geschmacksnerven machten die Menschen "unbefriedigt und fett". Für Wiener habe Essen aus der Dose nichts mit Genuss zu tun. Massive Kritik übt sie auch an der industriellen Tierhaltung. Schweine würden mit Antibiotika traktiert und ihre Zähne abgekniffen, damit sie nicht aus Stress ihre Artgenossen kannibalisierten. "Wer mag dieses Kotelett freiwillig essen?"

Für Sarah Wiener ist die Folge einer Ernährung, die auf künstlichen Aromastoffen basiert, der Verlust des Geschmacksgedächtnisses. Wiener will daher selbst "möglichst regionale und nachhaltige" Nahrungsmittel anbieten und durch ihr Vorbild als bewusste Gastro-Unternehmerin das Wirtschaftssystem von innen heraus verändern.

"Das ist unsere Nahrungsrealität: Wir essen weitgehend totes, sterilisiertes und stark verarbeitetes Kunstessen", sagt Starköchin Sarah Wiener
Foto: © Sarah Wiener GmbH
Um die Zukunft der Ernährung geht es auch im Streitgespräch zwischen Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung und Wirtschaftsjournalist Winand von Petersdorff (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). Für von Petersdorff fehle der wissenschaftliche Nachweis, dass Grüne Gentechnik schädlich sei. Vielmehr sei "die Sattheit der Westeuropäer" der Grund dafür, dass man dieser Technologie feindlich gegenüberstehe. Unmüßig wiederum betont, dass die Ergebnisse der Gentechnikforschung gemessen an den ökologischen und sozialen Risiken "erbärmlich" seien.

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