Technik | Energie, 08.09.2011
Die Helden der Erneuerbaren
"Wir machen's einfach!"
Thomas Prudlo ist seit zwei Jahrzehnten für die Energiewende unterwegs.
Mit der Green City Energy-Initiative hat er vor Kurzem den Award des Sustainability Congress gewonnen. forum-Redakteurin Tina Teucher sprach mit dem Bürgerbeweger über Verhaltensänderung, Autarkie und die Zukunft der Energie.
Wie ist der Green City e.V. entstanden?
Wie die meisten Initiativen ganz klein. 1990 saßen sechs Leute an einem Wohnzimmertisch und hatten die fantastische und zugegebenermaßen etwas vermessene Idee, München bis zum Jahr 2000 autofrei zu machen. Das passt zur Grundidee von Green City: Think big, nimm Deine Ziele richtig ernst und setze sie hoch, das gibt Dir Kraft und bleib dabei positiv gemäß dem Motto "wir machen's einfach". Das ist natürlich doppeldeutig: Wir handeln statt zu reden und wir machen es den Leuten einfach, indem wir Brücken bauen und zeigen, wie man z.B. die Energiewende gestalten kann.
Dieser Ansatz baut auf einer Erkenntnis in der Verhaltensforschung auf, nach der eine Verhaltensänderung nicht nur über eine Änderung der Einstellung funktioniert, sondern auch umgekehrt: Eine Verhaltensänderung führt nämlich auch zur Veränderung der Einstellung. Leute investieren in erneuerbare Energien und plötzlich sind sie gar nicht mehr für Atomkraft, weil sie einfach anfangen zu denken. Es geht uns also nicht zuerst um den Ideologiewandel, sondern um identitätsstiftende Erlebnisse. Wenn Menschen einmal ihr Geld, Herzblut und Engagement ökologisch eingebracht haben, dann werden sie das auch verteidigen.
Was gab den Anstoß für die Green City Energy GmbH?
1998 bauten wir den ersten großen Solarpark als Bürgerbeteiligungsmodell in München - damals eine echte Pionierleistung und die weltweit größte Bürgerbeteiligungsanlage mit 250 kW. Darüber schmunzelt man heute vielleicht, aber für uns war es damals riesig: 140 Münchner Bürger brachten in vier Wochen spontan ein Projektvolumen von 3,5 Millionen DM zusammen. Nachdem wir viele solche Solarparks realisiert hatten, wurde 2005 die Green City Energy GmbH auf Anraten des Finanzamts als eigenständige aber hundertprozentige Tochtergesellschaft des Vereins ausgegründet.
Wie lautet Ihre Zielsetzung?
Die Energiewende. Das heißt vor allem: dezentral. Bauen wir Desertec und große Offshore Wind-Anlagen? Das würde bedeuten, dass wieder nur die großen Firmen die Energieversorgung dominieren. Davon wollen wir weg. Wie Wasser und Erde gehört Strom zu den Grundbedürfnissen und muss daher demokratisch in der Zivilgesellschaft verankert werden.
Ich bin auf dem Land groß geworden, komme vom Bauernhof. Jeder, der mal einen Acker bestellt hat, weiß was ein Kilo Kartoffeln wert ist und denkt beim Ausbuddeln: "Das muss mindestens zehn Euro wert sein!". Er wird sich auf dem Gemüsemarkt nicht über einen Kilopreis von 1,99 Euro aufregen. Und wenn ich selber mal Geld investiert und eine Anlage aufgebaut habe, die damit verbundenen Risiken kenne, dann habe ich ein anderes Gefühl dafür.
Ihre positive Vision für 2050?
Ein dematerialisierter Lebensstil: Werte wie Nähe, Geborgenheit, geistige Freiheit zählen, wir gewinnen das Spielerische zurück und kommen raus aus dem schnelllebigen Hamsterrad, das sich mit Nachhaltigkeit nicht verträgt. Wir brauchen weniger Strom und der speist sich aus dezentraleren Strukturen. Die Rekommunalisierung wird sich fortsetzen. Denn beim Thema Autarkie bekommen alle Menschen leuchtende Augen: Unabhängig sein! Von Stromkonzernen, von Schurkenstaaten und frei von Ohnmachtsgefühlen - da wollen wir hin!
Mit der Green City Energy-Initiative hat er vor Kurzem den Award des Sustainability Congress gewonnen. forum-Redakteurin Tina Teucher sprach mit dem Bürgerbeweger über Verhaltensänderung, Autarkie und die Zukunft der Energie.
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Thomas Prudlo, Gewinner des Sustainability Congress Awards |
Wie die meisten Initiativen ganz klein. 1990 saßen sechs Leute an einem Wohnzimmertisch und hatten die fantastische und zugegebenermaßen etwas vermessene Idee, München bis zum Jahr 2000 autofrei zu machen. Das passt zur Grundidee von Green City: Think big, nimm Deine Ziele richtig ernst und setze sie hoch, das gibt Dir Kraft und bleib dabei positiv gemäß dem Motto "wir machen's einfach". Das ist natürlich doppeldeutig: Wir handeln statt zu reden und wir machen es den Leuten einfach, indem wir Brücken bauen und zeigen, wie man z.B. die Energiewende gestalten kann.
Dieser Ansatz baut auf einer Erkenntnis in der Verhaltensforschung auf, nach der eine Verhaltensänderung nicht nur über eine Änderung der Einstellung funktioniert, sondern auch umgekehrt: Eine Verhaltensänderung führt nämlich auch zur Veränderung der Einstellung. Leute investieren in erneuerbare Energien und plötzlich sind sie gar nicht mehr für Atomkraft, weil sie einfach anfangen zu denken. Es geht uns also nicht zuerst um den Ideologiewandel, sondern um identitätsstiftende Erlebnisse. Wenn Menschen einmal ihr Geld, Herzblut und Engagement ökologisch eingebracht haben, dann werden sie das auch verteidigen.
Was gab den Anstoß für die Green City Energy GmbH?
1998 bauten wir den ersten großen Solarpark als Bürgerbeteiligungsmodell in München - damals eine echte Pionierleistung und die weltweit größte Bürgerbeteiligungsanlage mit 250 kW. Darüber schmunzelt man heute vielleicht, aber für uns war es damals riesig: 140 Münchner Bürger brachten in vier Wochen spontan ein Projektvolumen von 3,5 Millionen DM zusammen. Nachdem wir viele solche Solarparks realisiert hatten, wurde 2005 die Green City Energy GmbH auf Anraten des Finanzamts als eigenständige aber hundertprozentige Tochtergesellschaft des Vereins ausgegründet.
Wie lautet Ihre Zielsetzung?
Die Energiewende. Das heißt vor allem: dezentral. Bauen wir Desertec und große Offshore Wind-Anlagen? Das würde bedeuten, dass wieder nur die großen Firmen die Energieversorgung dominieren. Davon wollen wir weg. Wie Wasser und Erde gehört Strom zu den Grundbedürfnissen und muss daher demokratisch in der Zivilgesellschaft verankert werden.
Ich bin auf dem Land groß geworden, komme vom Bauernhof. Jeder, der mal einen Acker bestellt hat, weiß was ein Kilo Kartoffeln wert ist und denkt beim Ausbuddeln: "Das muss mindestens zehn Euro wert sein!". Er wird sich auf dem Gemüsemarkt nicht über einen Kilopreis von 1,99 Euro aufregen. Und wenn ich selber mal Geld investiert und eine Anlage aufgebaut habe, die damit verbundenen Risiken kenne, dann habe ich ein anderes Gefühl dafür.
Ihre positive Vision für 2050?
Ein dematerialisierter Lebensstil: Werte wie Nähe, Geborgenheit, geistige Freiheit zählen, wir gewinnen das Spielerische zurück und kommen raus aus dem schnelllebigen Hamsterrad, das sich mit Nachhaltigkeit nicht verträgt. Wir brauchen weniger Strom und der speist sich aus dezentraleren Strukturen. Die Rekommunalisierung wird sich fortsetzen. Denn beim Thema Autarkie bekommen alle Menschen leuchtende Augen: Unabhängig sein! Von Stromkonzernen, von Schurkenstaaten und frei von Ohnmachtsgefühlen - da wollen wir hin!
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2011 - Schöne Aussichten erschienen.
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