#VerantwortungJetzt! - Die Krise als Chance für den Wandel

Kommentar zu Kopenhagen

Ist etwas faul im Staate Dänemark?

Halbzeit bei der Klimakonferenz in Kopenhagen. Welche Parteien melden sich zu Wort, welche Forderungen kommen in der scheinbar festgefahrenen Situation auf? Forum-Korrespondent Prof. Dr. Maximilian Gege von B.A.U.M. e.V. berichtet über seine Eindrücke von den Klimaverhandlungen.

Ich bin seit wenigen Stunden hier im bella-Konferenz-Centrum. Maximale Kapazität: 15.000 Menschen - circa 34.000 (!) sind hier, davon wohl circa 3.000 Journalisten. 194 Länder sind mit 8.035 registrierten Teilnehmern vertreten. So ist alles ziemlich überfüllt - die Anzahl der Nationalitäten faszinierend.

Die Erwartungen sind - besonders von den Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Indonesien u.v.a. sehr hoch - politisch ist alles noch in intensiven Verhandlungen - das wichtigste dürfte sich hinter den Kulissen abspielen. In den großen Plenen und Sitzungen kommen die einzelnen Länder zu Wort, d.h. in kurzen Statements.

China scheint sich als "Leader" der Schwellenländer zu profilieren - dies zeigt sich u.a. daran, dass die Länderrepräsentanten bei ihren Statements mehrfach auf die zuvor geäußerten Positionen Chinas verweisen.

Fest steht: Es wird erbitterte Diskussionen um ein völkerrechtlich bindendes Abkommen zur CO2-Reduktion geben. Und genauso strittig sind die Zahlungen, die die "armen Länder" von den Industrieländern erwarten. Und es geht, wie auf den letzten Konferenzen, um spitzfindige Formulierungen, d.h. deren konkrete Auswirkungen.

Die besten Papiere zu den ersten Tagen COP 15 stammen vom Third World Network und Eco, der Hamlet zitiert: Something really WAS rotten in Denmark. Der dänische ratifizierte 1. Vorschlag ist ziemlich kritisiert worden - er muss enorm nachgebessert werden, wenn dies überhaupt möglich ist.

Die Positionen der - sagen wir mal 2 Parteien - rich and poor countries - werden in den nächsten Tagen noch mächtig aufeinander prallen.

Sowohl B. Obama als auch A. Merkel und die EU können sich eigentlich einen Misserfolg nicht leisten. Und auch der Umweltminister Röttgen hat ja eindeutig klargemacht, dass nur konkrete und wirklich verbindliche Ziele als "Erfolg" bewertet werden können.

Es wird auch kolportiert, dass ab nächsten Mittwoch, d.h. in der alles entscheidenden Schlussrunde, die Observer/NGOs/Presse nur in Quoten an den Konferenzen direkt teilnehmen können. Wenn überhaupt!

Die Diskussionen/Vorträge/Panels neben den offiziellen Konferenzen sind z.T. sehr informativ. Aber für mich kann ich klar feststellen: in vielen Ländern dieser Welt fehlt es nicht nur an Finanzen, sondern ganz entscheidend am Know-how. Wenn ich die hier vorgetragenen Beispiele zu Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Ressourcenmanagement, nachhaltiges Bauen / Renovieren, green office, nachhaltiger Konsum usw. bewerte, wird klar, dass wir das enorm breite und fundierte deutsch Netzwerk und Know-how (wie z.B. von B.A.U.M. e.V.) dringendst international verbreiten müssen - die Zeit war glaube ich noch nie so günstig dafür wie heute - und die dramatische Situation erfordert dies ja geradezu. Auch die Industrie - global player - waren noch nie so offen und an Lösungen interessiert wie heute.

Die Welt steht tatsächlich an einem Wendepunkt und vor einem Paradigmenwechsel. Alle Entscheidungen - politische Vorgaben von COP 15, seien es
- 40 Prozent CO2-Reduktion in Deutschland
- 30 Prozent CO2-Reduktion in der EU bis 2020
- oder gar 80-95 Prozent in den Industriestaaten bis 2050
haben dramatische Auswirkungen auf unsere Lebensstile, Mobilität, Bauen und Wohnen, Produktionsprozesse, Energie- und Ressourcenverwendung u.v.a.
Und sie müssen letztlich durch Menschen umgesetzt werden,
- im privaten Haushalt
- im Büro, Produktion, Fabrik, Dienstleister
- in der öffentlichen Verwaltung, Schule, Unis, Kitas, Kirche usw.

Auf die nächsten Verhandlungstage und ihre Ergebnisse kann man weiter gespannt sein - denn immer mehr verschaffen sich auch die sonst "Unerhörten" Gehör, sei es durch Proteste in Kopenhagen, sei es durch Verhandlungsboykott oder Vorschläge zur Verschiebung des CO2-Reduktions-Referenzjahres.

Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Umwelt | Klima, 15.12.2009
     
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