Gesunde Böden können Hitzewellen deutlich abschwächen

Neuer Save-Soil-Bericht zeigt, wie Böden als natürliche Klimaanlage wirken können

Während eine extreme Hitzewelle Europa erfasst, kommt ein neuer Bericht von Save Soil zu dem Ergebnis, dass geschädigte Böden die Hitze verstärken. Zugleich warnt die Organisation davor, dass die Vereinten Nationen ihr einziges Arbeitsprogramm zu Böden und Landwirtschaft auslaufen lassen könnten.

© khw80, pixabay.com
Während sich die sogenannte Hitzeglocke nach Osten verlagert und die Temperaturen in Mittel- und Süddeutschland auf 32 bis 39 Grad Celsius steigen lässt, macht ein neuer Bericht von Save Soil darauf aufmerksam, dass das leistungsfähigste Kühlsystem unseres Planeten direkt unter unseren Füßen zerstört wird.

Wie gesunde Böden die Umgebung kühlen
Dem Bericht zufolge wird die Temperatur der Erde nicht allein durch die Atmosphäre reguliert. Vielmehr spielt die belebte Landoberfläche eine entscheidende Rolle. Wasser bestimmt seit Milliarden von Jahren rund 95 Prozent der Wärmedynamik der Erde. Gesunde Böden wirken dabei als „Bodenkohlenstoffschwamm" und sorgen durch Evapotranspiration, also die Verdunstung von Wasser aus Böden und Pflanzen, für Kühlung.

Trocknen Böden aus und verlieren sie ihre natürlichen Funktionen, bricht diese Kühlwirkung weg. Die Sonnenenergie wird dann unmittelbar in Oberflächenwärme umgewandelt. Der Bericht verweist auf Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC, wonach allein der Verlust von Böden und Vegetation die lokalen Temperaturen unabhängig von Treibhausgasen um bis zu vier Grad Celsius erhöhen kann.

Trockene, ausgelaugte Böden verstärken und verlängern dem Bericht zufolge zudem stabile Hochdrucklagen und Hitzeglocken. Diese unterdrücken Niederschläge und schließen die Wärme über längere Zeit ein. Genau dieses Wetterphänomen sei derzeit über Europa zu beobachten.

Das deutsche Bundes-Bodenschutzgesetz stammt aus dem Jahr 1998 und konzentriert sich vor allem auf belastete Flächen, nicht auf den Klimaschutz. Die Bundesregierung hat bereits eingeräumt, dass das Gesetz nicht ausreichend auf die Folgen des Klimawandels ausgerichtet ist, und arbeitet an einer Reform. Gleichzeitig gelten 60 bis 70 Prozent der europäischen Böden als nicht gesund. Die dadurch entstehenden Kosten für die Europäische Union belaufen sich auf mindestens 50 Milliarden Euro pro Jahr.

„Dieser Bericht zeigt, dass Böden im Kampf gegen den Klimawandel kein Randthema sind, sondern eine zentrale Rolle spielen. Bis zu 95 Prozent des Wärmehaushalts der Erde werden durch den Wasserkreislauf reguliert, und gesunde Böden treiben diesen Kreislauf an. Geschädigte, unbedeckte Flächen können bis zu vier Grad heißer sein als belebte Böden. Sie tragen dazu bei, dass sich diese Hitzeglocke länger hält. Seit dreißig Jahren konzentrieren wir uns auf die von uns verursachte Erwärmung und haben dabei das Kühlsystem, das wir zerstört haben, nahezu vollständig vernachlässigt", sagt Rico Rau, Policy Analyst bei Save Soil und Mitautor des Berichts.

Mehr Wasserspeicherung, weniger Hitze
Die Schäden seien umkehrbar, und das vergleichsweise schnell. Jede Erhöhung des organischen Anteils im Boden um einen Prozentpunkt ermöglicht es einem Hektar Boden, zusätzlich 250.000 Liter Wasser zu speichern.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Wiederherstellung von Böden und Vegetation eine natürliche Kühlleistung von etwa drei Watt pro Quadratmeter reaktivieren könnte. Das wäre dreimal mehr als die Erwärmungswirkung der vom Menschen verursachten Treibhausgase und würde ausreichen, um das derzeitige Energieungleichgewicht von 0,9 Watt pro Quadratmeter auszugleichen, das die globale Erwärmung antreibt.

Der Wiederaufbau des Bodenkohlenstoffschwamms komme dem Bau von Millionen kleiner Staudämme unter unseren Füßen gleich, heißt es in dem Bericht.

Bodenschutz als Aufgabe der Klimapolitik
Die Ergebnisse werden zu einem entscheidenden politischen Zeitpunkt veröffentlicht. Bei den UN-Klimaverhandlungen in Bonn in diesem Monat, der SB64, wurden bei den Themen Böden und Landwirtschaft keine substanziellen Fortschritte erzielt. Gleichzeitig soll das einzige formelle UN-Arbeitsprogramm, das sich mit diesen Themen befasst, das „Sharm el-Sheikh Joint Work on Agriculture", auf der COP31 im November in Antalya auslaufen.

„Deutschland verfügt über die wissenschaftlichen Erkenntnisse und den politischen Einfluss, um hier eine Führungsrolle zu übernehmen. Dennoch gab es bei den Verhandlungen in Bonn in diesem Monat bei den Themen Böden und Landwirtschaft keinerlei Fortschritte. Zugleich droht das einzige UN-Arbeitsprogramm in diesem Bereich auf der COP31 auszulaufen. Die Argumente dafür, Böden als Teil der Klimainfrastruktur zu betrachten, waren noch nie so überzeugend", sagt Praveena Sridhar, Chief Scientific and Policy Officer bei Save Soil.

Der Bericht mit dem Titel „The Soil Carbon Sponge: Restoring Earth’s Hydrological Cooling System for Climate Stability" erläutert die Mechanismen, die Bodengesundheit, Wasserkreislauf und Oberflächentemperaturen miteinander verbinden.

Save Soil fordert, die Wiederherstellung von Böden als zentrale Infrastruktur zur Anpassung an den Klimawandel zu behandeln. Deutschland und die Europäische Union sollten sich zudem dafür einsetzen, dass die Themen Böden und Landwirtschaft auch auf der COP31 und darüber hinaus dauerhaft in den UN-Klimaverhandlungen verankert bleiben.

Über Save Soil
Save Soil, Parnter von forum, ist eine globale Bewegung, die von Conscious Planet ins Leben gerufen wurde, um der rapiden Degradation landwirtschaftlicher Böden entgegenzuwirken. In den letzten drei Jahrzehnten hat Save Soil eine ganzheitliche Strategie zur Bodenrevitalisierung durch skalierbare, von Landwirten getragene Projekte, politische Interessenvertretung und öffentliche Aufklärungskampagnen verfolgt. Die Bewegung arbeitet weltweit mit Regierungen zusammen, um die Bodenpolitik zu gestalten, und unterstützt über 250.000 Landwirte in Indien beim Übergang zu regenerativen Praktiken. Save Soil wird unter anderem von UNEP, der FAO, UNCCD, dem Welternährungsprogramm (WFP) und der IUCN unterstützt. Berichte über Save Soil erschienen bereits in BBC News, Forbes, The Guardian, Politico, Reuters, Al Jazeera.


     
        
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