Technik | Energie, 29.06.2026
Strompreisbilanz der Hitzewelle
"Photovoltaik hält die Preise unten – solange die Sonne scheint. Was danach passiert, entscheidet der Speicher."
Hitzewelle, steigender Kühlbedarf, maximale Last: Nach klassischer Marktlogik hätte der Strompreis in Deutschland in der aktuellen Lage stark steigen müssen. Gaskraftwerke stehen in solchen Situationen bereit – zu Preisen von 600 bis 800 Euro pro Megawattstunde. „Doch der Markt schrieb eine andere Geschichte", sagt Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group. „Tagsüber blieb der Day-Ahead-Preis weit unter 100 Euro." Der Grund: Die Photovoltaik übernahm viel Last, bevor die Gaskraftwerke überhaupt gebraucht wurden.
Mit rund 30 Prozent Anteil am deutschen Strommix lieferte Photovoltaik im Juni 2026 einen neuen Rekord – und hielt den Preis flach. „Wer morgens und den Tag über einkaufte, zahlte Solarpreise, keine Gaspreise", so Lemcke-Braselmann. „Nach Lehrbuch hätte es zu einer Preisspirale nach oben kommen müssen – doch die fiel aus." Erst am Abend, als die Sonne unterging und der Kühlbedarf trotzdem hoch blieb, schnellten die Preise auf 600 bis 800 Euro. „Doch das nicht wegen hoher Brennstoffkosten, sondern weil Gaskraftwerke ihre gesamten Start-Stopp-Fixkosten von rund 400 Euro pro Megawatt auf sehr kurze Zeit umlegen mussten", sagt Lemcke-Braselmann. „Je mehr Solar tagsüber liefert, desto kürzer läuft die Gasturbine abends – und desto teurer wird der Gasstrom."Das ist das eigentlich Wichtige der Hitzewelle: „Zwei Preisregime existieren jetzt nebeneinander", so Lemcke-Braselmann. „Tags liefert PV für deutlich unter 100 Euro, abends springt Gas ein und treibt den Preis auf mehr als 600 Euro." Dieser Unterschied ist strukturell – und er wächst mit jedem weiteren Solarpanel. Genau in diesem Spread liegt der wirtschaftliche Hebel für Batteriespeicher. „Ein Speicher, der tagsüber günstigen Solarstrom aufnimmt und abends in das teure Fenster entlädt, monetarisiert exakt diesen Preisunterschied", sagt Lemcke-Braselmann. „Die Capture Rate von Solaranlagen lag nach vorläufigen Berechnungen im Juni bereits bei rund 60 Prozent. Mit Speicher ließe sie sich weiter verbessern, weil der Strom nicht mehr zu Niedrigpreisen ins Netz fließt, sondern gezielt in die Abendspitze verschoben wird." Gleichzeitig würde der Speicher teure Gaskraftwerke weiter verdrängen: Weniger Gaseinspeisung bedeutet niedrigere Abendpreise für Verbraucher.
Die Rechnung ist einfach: Ohne Speicher kostet eine Megawattstunde Spitzenstrom am Abend 600 bis 800 Euro. Mit ausreichend Speicherkapazität ließe sich ein großer Teil dieser Spitze kappen. Europa muss seine Speicherkapazität bis 2030 von derzeit 77 Gigawattstunden auf rund 750 Gigawattstunden verzehnfachen – Deutschland steht dabei an vorderster Front. „Die Hitzewelle war ein Praxistest", sagt Lemcke-Braselmann. „Das Ergebnis: Photovoltaik hält die Preise unten – solange die Sonne scheint. Was danach passiert, entscheidet der Speicher."
Kontakt: aream Group SE | info@aream.de | www.aream.de
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