Indigene Demonstrierende verknüpfen italienische Lederindustrie mit der Zerstörung der Wälder ihrer unkontaktierten Verwandten

Anführer der Ayoreo aus Paraguay protestieren in Mailand gegen die Lederindustrie

Zwei Anführer der Ayoreo Totobiegosode aus dem paraguayischen Chaco – Porai Picanerai und Darajidi Rosalino Picanerai – reisten letzte Woche erstmals nach Italien, um auf die Verbindung von Lederimporten und der Zerstörung ihres angestammten Regenwaldes aufmerksam zu machen.

Demonstrierende vor der Gebäude des italienischen Gerberverbandes. © Pietro FANTIDie beiden Totobiegosode protestierten gemeinsam mit Survival International und Unterstützenden am Freitag vor dem italienischen Gerberverband UNIC.

Italien ist das weltweit wichtigste Abnehmerland für paraguayisches Leder. Es bezieht mehr als die Hälfte der globalen Lederexporte Paraguays und 99 % der für die EU bestimmten Lieferungen. Viele Gerbereien in Paraguay arbeiten mit Viehzuchtbetrieben, die Land der Ayoreo Totobiegosode illegal besetzen und entwalden.

Recherchen von Survival International und Earthsight ergaben, dass Leder, das auf illegalen Rinderfarmen innerhalb des Territoriums der unkontaktierten indigenen Ayoreo Totobiegosode in Paraguay produziert wird, von europäischen Lederherstellern gekauft wird.

Ein Treffen mit den Ayoreo lehnte der Verband der italienischen Gerber ab, was diese scharf kritisierten. Generaldirektorin Fulvia Bacchi nahm jedoch ein Schreiben der Protestierenden entgegen.

Die indigene Delegation wurde jedoch vom Vatikan, vom italienischen Außenministerium sowie vom Menschenrechtsausschuss des italienischen Parlaments empfangen.

Der parlamentarische Ausschuss sagte im Anschluss an das Treffen zu, den Appell der Ayoreo zu unterstützen.


Das Gebiet der Ayoreo Totobiegosode liegt in der paraguayischen Chaco-Region, wo die Abholzungsrate höher ist als irgendwo sonst auf der Welt.

Ein Protest gegen den anhaltenden Einkauf von Leder aus Paraguay durch die italienische Lederindustrie. Das Leder stammt möglicherweise aus dem Gebiet der Ayoreo. © Pietro FANTI Der Besuch in Italien erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt: Die Europäische Kommission wird bis Ende April die EU-Verordnung gegen Entwaldung (EUDR – European Deforestation-free Regulation) überprüfen. Die italienische Gerbindustrie übt – auch über die italienische Regierung – Druck aus, Leder aus der Liste der regulierten Produkte zu streichen, die entlang der Lieferkette vollständig rückverfolgbar sein müssen.

Porai Picanerai wandte sich an europäische Verbraucher*innen: „Bitte stellen Sie sicher, dass das Leder, das Sie kaufen, nicht aus gerodeten indigenen Gebieten stammt. Wenn die Menschen hier in Europa wüssten, dass unser Volk (unsere unkontaktierten Verwandten) aufgrund der Abholzung bald sterben könnte, würden sie – sofern sie anständig sind – kein paraguayisches Leder kaufen wollen."

Darajidi Rosalino Picanerai sagte: „In unserem Gebiet gibt es massive Abholzung, und wir sowie unsere isolierten Brüder und Schwestern brauchen den Wald zum Überleben. Wir sind gekommen, um Hilfe zu erbitten, weil uns in unserem Land niemand zuhört. Der gesamte Chaco ist von Abholzung und Rinderzucht für Fleisch und Leder durchzogen. Wir haben erfahren, dass Ihr Land, Italien, dieses Leder kauft. Wir bitten Sie: Kaufen Sie dieses Leder nicht, solange die indigenen Gebiete nicht in indigener Hand sind."

Francesca Casella, Direktorin von Survival International Italien, erklärte: „Dies ist keine Kampagne gegen Leder an sich, sondern gegen die vollständige Zerstörung der Wälder indigener Völker. Survival International fordert die italienischen Gerbereien auf, den Import von Leder einzustellen, das aus von indigenen Gemeinden geraubten Land stammt. Die Branche muss moralische Verantwortung für eine Lieferkette übernehmen, die die Umwelt zerstört und den Ayoreo Totobiegosode ihr Land raubt.

Es geht um mehr als ein Prinzip. Für die Ayoreo-Gruppen und ihre unkontaktierten Verwandten ist es eine Frage von Leben und Tod."

Kontakt: Survival International, Niklas Ennen | presse@survivalinternational.de | www.survivalinternational.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Köln
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Wissenschaft & Forschung

Artemis und Orion
Christoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Aufbruch in Santa Marta

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Agroforst als Schlüssel für Wasserhaushalt, Klimaanpassung und die Zukunft der Landwirtschaft

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Indigene Demonstrierende verknüpfen italienische Lederindustrie mit der Zerstörung der Wälder ihrer unkontaktierten Verwandten

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Circular Economy stärkt Wettbewerbsfähigkeit

  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • circulee GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • 66 seconds for the future
  • WWF Deutschland
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • TÜV SÜD Akademie
  • SUSTAYNR GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • NOW Partners Foundation
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • ZamWirken e.V.
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen