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Technik | Energie, 13.04.2026

Zu teuer, zu langsam, zu riskant: Atomkraft hat keine Zukunft

32 Verbände fordern konsequente Energiewende ohne Atomkraft

40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und 15 Jahre nach Fukushima warnen 32 Umwelt- und Sozialverbände sowie Anti-Atom-Initiativen vor einer politischen Scheindebatte über Atomkraft. Sie fordern eine konsequente Energiewende auf Basis erneuerbarer Energien.

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, der folgenschwerste Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie ereignete sich am 26. April 1986 im Reaktor-Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Nach der Katastrophe wurde über den beschädigten Reaktor ein vorübergehender Schutzmantel aus Beton und Stahl errichtet, bekannt als „SarkophagDie letzten Jahre haben verdeutlicht, dass die Energiewende kein reines Umwelt- und Klimaschutzprojekt ist. Für Menschen in Europa geht es um Energiesicherheit, stabile Preise und die Unabhängigkeit von autoritären Regimen. „Das Abschalten der letzten Atomkraftwerke in Deutschland vor drei Jahren war ein wichtiger Schritt", erklären die unterzeichnenden Organisationen übereinstimmend. Sie halten fest, dass die Technologie Abhängigkeit und enorme Umweltschäden mit sich bringt, und das ohne gesellschaftlichen Nutzen. „Atomenergie ist ein Irrweg und kein Heilsbringer. Atomkraft ist zu teuer, zu langsam und viel zu riskant, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen", so die Organisationen.

„Mini-Atomkraftwerke” sind ein unrealistisches Ablenkungsmanöver
„Atomkraftwerke sind kein Garant für Versorgungssicherheit, sondern selbst anfällig für Krisen. Klimabedingte Extremwetterlagen können ihren Betrieb einschränken und machen das System verwundbar. Die Folgen von nuklearen Unfällen wie in Tschernobyl und Fukushima sind bis heute spürbar”, sagt Hauke Doerk, Referent für Radioaktivität am Umweltinstitut München.

Auch die sogenannten Mini-Atomkraftwerke oder Small Modular Reactors (SMR), die unter anderem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gerne beschwören, werden keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Trotz jahrzehntelanger Ankündigungen und hoher Investitionen in Milliardenhöhe ist ein Durchbruch nicht absehbar. Die Diskussionen um Mini-Atomkraftwerke sind ein gefährliches Ablenkungsmanöver: SMR sind hochriskant, schaffen neue Abhängigkeiten von Uranimporten und sind sehr teuer. Sie binden Investitionen, die wir für wirksamen Klimaschutz brauchen", sagt Doerk.

Atomkraft bremst den Klimaschutz
Anstatt die aktuellen Energieprobleme zu lösen, verzögert Atomkraft den Umbau hin zu einem tatsächlich nachhaltigen Energiesystem. „Atomkraftwerke sind unflexibel und blockieren Netze sowie notwendige klimaschützende Investitionen. Was wir jetzt brauchen, ist ein schneller naturverträglicher Ausbau erneuerbarer Energien – nicht neue Großprojekte mit jahrzehntelangen Bauzeiten und ungewissem Ausgang", sagt Juliane Dickel, Leiterin Atom- und Energiepolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Erneuerbare Energien sind günstig, schnell verfügbar und werden weltweit massiv zugebaut. Ein Energiesystem auf Basis von 100 Prozent erneuerbaren Energien ist machbar. Atomkraft gehört nicht zur Lösung, sondern ist ein tödliches Relikt ohne Zukunft", betont Dickel.

Verbände fordern vollständigen Atomausstieg
Trotz des historischen AKW-Aus vor drei Jahren bleibt Deutschland Teil des nuklearen Problems: Die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen liefern weiterhin den nuklearen Treibstoff an AKW im Ausland. Das Verbändebündnis fordert daher die sofortige Stillegung der Uranfabriken. Es dürfen keine europäischen Mittel mehr in die Förderung von Atomkraft investiert werden, sondern müssen konsequent in erneuerbare Energien, Speicher und Netze fließen.

Weitere Informationen:

Kontakt: Umweltinstitut München e.V., Dr. Hauke Doerk | hd@umweltinstitut.org | www.umweltinstitut.org



     
        
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