Das neue „Recht auf Reparatur“
Ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft und Resilienz
Mit dem neuen „Recht auf Reparatur" setzt Deutschland
eine EU-Richtlinie um, die einen Paradigmenwechsel einleiten soll: Produkte
länger nutzen, Ressourcen schonen, Kreisläufe schließen. Hersteller werden damit
künftig verpflichtet, Geräte wie Waschmaschinen, Smartphones oder Kühlschränke
zu einem „angemessenen Preis" zu reparieren, Ersatzteile bereitzustellen
und Reparaturen nicht mehr technisch zu erschweren. Ich bin begeistert! Aber: Bereits
2024 haben wir im Artikel Reparieren
geht über Verlieren darauf hingewiesen, dass Reparatur nur dann
skaliert, wenn sie ökonomisch und praktisch sinnvoll ist. Wer rettet wann und warum Geräte?
Die Deutsche Umwelthilfe spricht deshalb von einer „verpassten Chance". DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz kritisiert: „Hohe Kosten sind […] die größte Hürde". Und das stimmt: So lange ein bundesweiter Reparaturbonus (nach Vorbild von z.B. Sachsen, Österreich oder ehemals Thüringen) fehlt – und damit ein zentraler Hebel, um Reparatur für die breite Bevölkerung attraktiv zu machen – wird das „Recht auf Reparatur" nur bedingt greifen. Bereits die Kosten für die An- und Abfahrt eines Monteurs verhindern ja oft schon die Reparatur…
In Österreich dagegen startete dagegen bereits am 12. Januar 2026 landesweit die novellierte Geräte-Retter-Prämie mit einer maximalen Förderhöhe je Bon mit 130 Euro. Die Prämie kann von Privatpersonen mit Wohnsitz in Österreich für Reparaturen von Elektro- und Elektronikgeräten beantragt werden, die üblicherweise in privaten Haushalten verwendet werden. Dazu zählen unter anderem Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffeemaschinen. Als Österreicherin finde ich das natürlich doppelt gut!
Und es wirkt doch…
Der IT-Refurbisher afb social & green IT bewertet die Entscheidung für das "Recht auf Reparatur" als "klares Zeichen für Kreislaufwirtschaft und gegen die Wegwerfgesellschaft". CEO Daniel Büchle betont, das Gesetz stärke "Resilienz von Lieferketten, reduziert die Abhängigkeit von Rohstoffen und hält Wertschöpfung in Europa".
Und damit macht er aus meiner Sicht einen oft unterschätzten
Punkt sichtbar: Kreislaufwirtschaft ist nicht nur Umweltpolitik – sie
ist ein Resilienzfaktor. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit,
gestörter Lieferketten und wachsender Rohstoffabhängigkeiten entscheidet sich
hier die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaftsräumen. Für Unternehmen bedeutet das:
- Produktdesign wird zum Wettbewerbsfaktor (reparierbar, modular, langlebig)
- After-Sales wird strategisch relevant (Ersatzteile, Services, Transparenz)
- Neue Geschäftsmodelle entstehen (von Refurbishment bis „Product-as-a-Service") – siehe dazu unseren Beitrag XaaS.
In der wirtschaftlichen Umsetzung entscheidet sich also, ob aus einem politischen Signal echte Transformation wird, oder ob das Gesetz hinter seinem Anspruch zurückbleibt.
Für mich ist deshalb klar: Das Thema gewinnt gerade angesichts der angespannten Weltlage definitiv weiter an Bedeutung. Das unterstützen wir mit einer ersten Sonderausgabe Circular Economy (PDF zum Download) von forum future economy und weiteren Schwerpunkten zur Kreislaufwirtschaft in den Branchen Bauwirtschaft und Elektronik. Auch unsere junge Community YOUNG forum bereitet dazu gerade einen neuen Themen-Schwerpunkt vor.
Ich lade deshalb Unternehmen, Initiativen und Vordenker:innen ein, diese Transformation aktiv mitzugestalten und sich einzubringen! Wenn Sie Interesse haben, an einer der Sonderausgaben oder am YOUNG forum-Themenbereich mitzuwirken, schreiben Sie mir gerne!
Ich bin überzeugt: Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft entsteht nicht nur durch Gesetze, sondern durch Innovationen, neue Systeme und vor allem gemeinsames Handeln und Umsetzen!
Johanna Schwarz ist Redakteurin bei forum und betreut unter anderem die Themenschwerpunkte Kreislaufwirtschaft, Gesellschaft & Soziales sowie Solutions & Start-ups.Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an kommentar@forum-csr.net.
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