Bernward Geier
Gesellschaft | Politik, 01.12.2025
Frieden kultivieren
Krieg rechtzeitig verhindern
Kriege zerstören nicht nur Leben, sondern auch Lebensgrundlagen – und sie befeuern ein absurdes Wirtschaftssystem, das Tod in Profite verwandelt. forum zeigt, wie tief die ökonomischen, ökologischen und menschlichen Kosten militärischer Eskalation reichen – und warum Frieden die klügere Investition ist.
Anfang November forderte US-Präsident Donald Trump den sofortigen Beginn neuer Atomwaffentests. Angeblich, weil auch China und Russland dies täten. Diese Ankündigung ist ein Salto rückwärts von der seit über zwei Jahrzehnten geltenden Praxis der USA, keine Atomwaffentests mehr vorzunehmen. Es ist auch ein Schlag gegen den Vertrag zum Stopp dieser Tests, den bis dato außer Nord-Korea alle Atommächte einhalten.Besorgniserregend sind in diesem Zusammenhang auch der Gesundheitszustand des US-Präsidenten, sein ausgeprägter Narzissmus und seine Unberechenbarkeit. Aber genau dieser Mann hat den Schlüssel zum Koffer, der einen potenziellen dritten und dann wohl auch letzten Weltkrieg auslösen kann.
Ähnliche Gefahren drohen von Wladimir Putin, dem koreanischen Diktator Kim Jong-un oder auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Diese Bedrohung durch das perverse Arsenal der „Massenvernichtungswaffe Atombombe" ist flankiert von einer starken Expansion der konventionellen globalen Rüstungsproduktion. Die Fakten beziehungsweise Zahlen sind nicht nur für einen Pazifisten skandalös.
„Die Hoffnung, die Zunahme der Rüstungsproduktion könne das Wirtschaftswachstum ankurbeln, ist volkswirtschaftlich zu kurz gedacht.”
Todeszahlen sprechen für sich
Der Erste Weltkrieg kostete schätzungsweise 17 Millionen Menschen das Leben, davon rund zehn Millionen Soldaten. Im Zweiten Weltkrieg wurden über 60 Millionen Menschen getötet. Die meisten Opfer gab es dabei in der Sowjetunion, mit 27 Millionen Menschen. Aber es geht nicht nur um Soldaten. Die Zahl der zivilen Opfer und damit die Tötung völlig unbeteiligter Menschen wird seit dem 19. Jahrhundert immer höher, kulminierte im Zweiten Weltkrieg und erreicht nach Kriegen in Korea, Vietnam und Afghanistan nun in Gaza und im Sudan einen weiteren skandalösen Höhepunkt.
Wer soll das bezahlen?
Die Aufgabe eines Wirtschaftsmagazins ist es, ökonomische Zahlen sprechen zu lassen: 2024 wurden laut dem renommierten Friedensforschungsinstitut SIPRI weltweit 2,5 Billionen Euro für Militär und Rüstung ausgegeben. Den größten Anteil daran haben die USA mit 867 Milliarden Euro. Erstaunlich ist, dass das seit Jahren im Dauerkrieg befindliche Russland gemäß SIPRI „nur" 130 Milliarden Euro ausgab.
Die USA haben somit ein fast siebenfaches Rüstungsbudget im Vergleich zu Russland. Bei der Steigerungsrate für die Aufrüstung liegt Deutschland nach Russland mit 28 Prozent weltweit auf dem zweithöchsten Platz. Mittlerweile fließen hierzulande fast 78 Milliarden Euro jährlich in die Aufrüstung. Dennoch ist unser Land nach Ansicht von Politik, Militär und Medien nicht kriegstüchtig...
Soll die Rüstungsindustrie etwa eine Rolle in der Lösung wirtschaftlicher Probleme einnehmen durch „Wachstum schaffen mit Waffen"? Die Gefahr: Wenige Anbieter und die rasant steigende Nachfrage nach Waffen treiben die Preise hoch. Das ermöglicht hohe Profite für Shareholder, fördert Misswirtschaft und Korruption und wird getragen durch die Steuerzahler.
Wo bleiben die Alternativen?
Die Aufmerksamkeit der Medien wird dominiert von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine, dem völkermordenden Krieg im Gaza und der Kriegskatastrophe im Sudan, die von der UNO als derzeit schlimmste humanitäre Katastrophe weltweit eingeschätzt wird. Hier müssten investigative und ökonomische Fragen geklärt werden: WOHER kommen dort eigentlich die Waffen? Von WEM werden diese WIE und WOVON bezahlt?
Doch nicht nur die ökonomischen Hintergründe der Kriege werden in den Medien unzureichend und einseitig beleuchtet. Es gibt auch kaum Platz für das Thema „Frieden schaffen OHNE Waffen". Es fehlen Berichte über Konzepte, Erfahrungen und Aktionen für gewaltfreie Lösungsansätze. Die Unausgewogenheit in den Debatten ist offensichtlich: Wie viele professionelle Friedensforscher:innen, -expert:innen, oder auch Pazifist:innen werden in die unzähligen Talkshows zum Thema Krieg eingeladen? Wo sind in den Diskussionen die Gegenstimmen zu den scheinbar alternativlos den Krieg propagierenden Militärexpert:innen, Politiker:innen und Journalist:innen? Ich sehe hier ein unverständliches Missverhältnis, das ein schlechtes Licht auf die zur neutralen Berichterstattung verpflichteten Medien wirft. Ist es die Sorge um die Quoten oder gar eine Lust, Angst zu schüren, die hier das Handeln diktiert?
Dabei gibt es beeindruckende und erfolgreiche Beispiele, wie man Frieden ohne Waffen schaffen kann – vor allem dann, wenn man damit bereits in Friedenszeiten beginnt. Man stelle sich nur vor, Indien hätte sich militärisch gegen den hochgerüsteten englischen Besatzer gewehrt und nicht durch den von Ghandi bis 1947 geführten gewaltlosen und erfolgreichen Widerstand.
Krieg rechtzeitig verhindern
Kriege können nur geführt werden, weil Tod bringende Waffen produziert und dabei Milliardenprofite gemacht werden. Wann wird die Rüstungsindustrie endlich genauso geächtet, wie es der Menschheit zum Beispiel mit der Sklaverei gelang? Müsste nicht genau hierauf mehr Energie gelenkt werden – auch in Anbetracht anderer globaler Herausforderungen?
Ökonom:innen und Politiker:innen können im Schulterschluss alternative Szenarien für die Sicherung von Rohstoffen und Lebensgrundlagen schaffen und damit langfristig größere und anders definierte Profite für Unternehmen, Völker und vor allem das Gemeinwohl erwirtschaften. Dazu bedarf es neuer Kommunikationsformate, des Abbaus von Angst und Misstrauen sowie der Heilung alter Wunden. Sind kriegerische Konflikte ausgebrochen, ist der Weg zum Frieden in der Regel erstmal lange – und oft tödlich– verstellt. Der Blut-Zoll auf dem Schlachtfeld steigt exponentiell.
Zurück zu den Kosten: Neben den Rüstungsausgaben fehlen Informationen, was die Kriegsspiele alter, despotischer Männer an ökonomischen, ökologischen und sozialen Kosten verursachen…
Wie teuer kam etwa Europa der Krieg in Jugoslawien zu stehen? Wie hoch sind die aufgelaufenen Schäden des letzten Jahres allein in Gaza und der Ukraine? Wie lange will und kann sich die Menschheit diese „Verschwendung" noch leisten? Es braucht ein radikales Umdenken sowie viel Energie und Kreativität, um aus dieser Kriegs-, Todes- und Kostenspirale herauszukommen.
Friedensinitiativen, die beeindruckend erfolgreich sind
forum bringt dazu immer wieder mutmachende Beiträge, wie etwa die Beendigung des Bürgerkrieges in der Region Kauswagan auf den Philippinen durch den Bürgermeister Arnado Rommel. Er hat die Kriegsparteien dadurch befriedet, dass er die Hintergründe des Konfliktes (Armut, Hunger, Drogen und Korruption) beleuchtet und schrittweise aufgelöst hat.
Die zuvor verfeindeten Kämpfer besitzen heute zwar noch Waffen, benutzen sie aber nicht mehr. Im täglichen Handeln bevorzugen sie Samenkörner für Bio-Landbau statt Kugeln aus Maschinengewehren. Das führte die zerstörte Region zu steigendem Wohlstand, und der Krieg zwischen Christen und Muslimen wurde durch ein friedliches Miteinander ersetzt.
Folgen für Natur und Klima
Das Militär verursacht auch schon in Friedenszeiten Klimabelastungen und Umweltzerstörungen, die im Kriegsfall gigantische Ausmaße annehmen: zerstörte Landschaften, vergiftete Böden, verpestete Luft. Um diesen Missständen Alternativen entgegenzusetzen, hat forum sowohl in der Ausgabe 2/26 (u.a. mit Jürgen Grässlin, Bestsellerautor und laut SPIEGEL Deutschlands prominentester Pazifist, und Christian Felber, Initiator der Gemeinwohlökonomie), als auch in der Ausgabe 3/26 einen Themenschwerpunkt zu „Krieg & Frieden".
Die Wirtschaft ist eine wichtige Macht – sie sollte sich rechtzeitig für den Frieden engagieren, um großen Schaden zu verhindern. Denn nur wer handelt, wird nicht von Angst, Sorge und Lähmung zerfressen und blickt mit Zuversicht in die Zukunft.
Schicken Sie gerne Ihre Meinung, Vorschläge, Friedensinitiativen und Kooperationsangebote an Redaktion@forum-csr.net!
Bernward Geier ist ein international anerkannter Experte für Landwirtschaft und faire Lebensmittelproduktion. Als forum-Kuratoriumsmitglied und Pazifist engagiert er sich für eine ausgewogenere Berichterstattung.
Dieser Artikel ist in forum 01/2026 - forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy erschienen.
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Bernward Geier | COLABORA
Ökosysteme & Lebensgrundlagen
Bernward Geier war 18 Jahre Direktor des Weltdachverbandes der biologischen Landbaubewegung (IFOAM). Seit 2005 ist er Direktor der Agentur COLABORA - let's work together.
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Steuer-System?
Unser Steuersystem ist ungerecht und ökologisch kontraproduktiv. Ein ehemaliger Steuerinspektor erklärt die Hintergründe.
Im Bundeshaushalt fehlen viele Milliarden Euro. Das Geld fehlt überall – ganz besonders für den ökologischen Umbau, den Klimaschutz und die Bildung. Diskutiert werden Sonderhaushalte und die Aussetzung der Schuldenbremse. Gleichzeitig berät das Parlament über Kürzungen in fast allen Ressorts.
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From Arms to Farms
Mit Bio-Landbau Frieden schaffen
Rommel Arnado ist Bürgermeister von Kauswagan. Die Gemeinde liegt im Norden der Philippinen und war Jahrzehnte Krieg und Terrorismus ausgesetzt. Bis Rommel Arnado dort „Mayor“ wurde. Bernward Geier war für forum sozusagen zwischen Maschinengewehren und Bio-Gemüse vor Ort.
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Schwerter zu Pflugscharen
Wie ein philippinischer Bürgermeister mit biologischer Landwirtschaft einen kriegerischen Konflikt löste und Frieden und Wohlstand geschaffen hat.
Wo vorher ein erbitterter Bürgerkrieg stattfand, gibt es nun keine Armut und fast keine Kriminalität mehr. Was ein philippinischer Bürgermeister in der 27.000-Einwohner-Stadt Kauswagan mit ihren 13 Barangays (Dörfern) auf die Beine stellte, sucht seinesgleichen. Das Beispiel dieser Region bietet nicht nur Lösungen für weltweite, essenzielle gesellschaftliche Herausforderungen. Es zeigt auch, dass die Ursache für kriegerische Konflikte oft ganz woanders liegen, als es oberflächlich erscheint...
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Basta für Facebook & Co
Der aktuelle Kommentar von Bernward Geier
Kritik an Facebook und seinen sozialen Medien Instagram und WhatsApp ist ja nichts Neues. Brachiale Expansionswut und rücksichtslose Profitgier, die durch Skrupellosigkeit genährt wird und letztendlich assoziale Geschäftspraktiken zeichnen Mark Zuckerbergs Facebook von Anfang an aus.
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