29. IHF 2025 mit über 3.000 Teilnehmenden an drei Kongresstagen

3.-5. Dezember 2025 in Innsbruck - Nachbericht

Vergleicht man die wirtschaftliche Gesamtsituation im Umfeld des IHF 2025 mit der vom Vorjahr (Dezember 2024), fällt auf, dass sie sich trotz anderer Erwartungen nicht wesentlich verändert, vielleicht sogar nochmals etwas eingetrübt hat. Aus „4D" - Digitalisierungsrückstand, Demografieproblemen, Deglobalisierungstendenzen und hohen Dekarbonisierungskosten - sind angesichts der anhaltenden Aggression Russlands gegenüber der Ukraine und Europa mittlerweile „7D" und geworden – siehe auch den IHF-Gastvortrag von Christof M. Schneider am Ende dieses Berichts.

© INTERNATIONALES HOLZBAU-FORUM | FORUM HOLZBAU
Der EZB-Leitzins wurde im letzten Quartal aufgrund von Inflationsrisiken unverändert belassen, die Politik ringt um Finanzen, Kompromisse und mit politischen Blockaden, während die Wirtschaft vernehmbar nach Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen und zu Bürokratieabbau ruft. Einigermaßen verunsichert, blickt der „Markt" (Investoren und Endkunden) auf die Situation - und verstärkt mit seinem Abwarten, wohin die Entwicklung denn gehen könnte und wo die Prioritäten liegen, die Stagnation zusätzlich.

Ganz anders in Innsbruck, zumindest für drei Tage (3. bis 5. Dezember): hervorragende Stimmung. Zur Jahresabschlussveranstaltung des Holzbaus erwartet man mittlerweile eigentlich nichts anderes. Aber beim 29. IHF 2025 in Innsbruck hatte man doch das Gefühl, sich in einer Parallelwelt zu bewegen. Dass sich die Beteiligung mit 3.020 Teilnehmenden insgesamt nochmals leicht erhöhen würde, war angesichts neuer Konjunkturwolken am Horizont zunächst nicht zu erwarten, wurde zum Kongressstart dann aber Gewissheit. Erfreulich für die Aussteller (insgesamt 220), für FORUM HOLZBAU als Veranstalter, aber auch für den Berufsnachwuchs auf Stellensuche und für die Firmen, die im Generationswechsel sind und Bedarf an Fachpersonal haben.

378 Teilnehmende aus 37 Ländern außerhalb des D-A-CH-Raums mit Italien bzw. Südtirol sind ein Hinweis darauf, welche Rolle das IHF auf auch internationaler Ebene hat. Es bietet mit seinem Vortrags- und Diskussionsprogramm einfach mehr als eine Fachmesse. Und die positiven Rückmeldungen im Anschluss an das 29. IHF zeigen, dass Themen, Programmumfang und Vielfalt der Fachausstellung zum gewohnten Termin allgemein Anklang gefunden haben.

Neue spektakuläre Objekte des Ingenieurholzbaus vorgestellt
Volle Säle wie im Vorjahr bei „Notre Dame" gab es auch dieses Jahr wieder, wenn neue spektakuläre Objekte des Ingenieurholzbaus vorgestellt wurden. So z.B. bei der Präsentation Europas größter Holzmodulbau-Baustelle auf dem Campus der Zollhochschule in Rostock. Oder des „Atlassian"-Hochhauses in Sydney, der Überdachung des „PNE-Amphitheatre" und des Bürobaus „The Hive", die sich beide in Vancouver und in einer Erdbeben-Risikozone befinden. Nicht viel weniger Aufmerksamkeit wurde der Architektur des Bloomberg Student Center an der JHU in Baltimore, dem Holzbau beim Innsbrucker Quartiersprojekt RAIQA oder dem Terrassenbürohaus „Wood" in Grenoble zuteil, um hier wenigstens ein paar Beispiele zu nennen. Viel Interesse zollte das IHF-Publikum auch der Entstehungsgeschichte der Großskulptur „Munimax". Das Gemeinschaftsprojekt von 246 Unternehmen und Ausbildungsstandorten der Schweiz zeigte, was im Bauhandwerk mit Holz und seinen Zulieferern bei regionaler Kooperation alles möglich ist – und an anderer Stelle in Sachen Holzbau-Reklame genauso nötig wäre. Der Holzstier hat als Blickfang beim Volksfest ESAF2025 die in ihn gesetzten Erwartungen jedenfalls übertroffen. Er wird seine PR-Aufgabe in einer anderen Schweizer Region fortsetzen.

Kein Bau ohne Rohstoff, und bislang noch wenige Holzbauten, bei denen nicht überwiegend Nadelholz eingesetzt wird. Beim IHF-Auftakt wies Dr. Matthias Dieter vom Thünen-Institut Hamburg darauf hin, dass sich bei weiter ansteigender Holzbauquote in Europa und weltweit zu erwartender Mehrnachfrage nach Holzbau Nadelholz knapper und der Rundholzmarkt volatiler werden könnte. Weil sich das Nadelholzangebot in Europa ins sehr starke Holz verschiebt, durch klimatische Einflüsse (Trockenheit und Kalamitäten) mit regionalen Unterschieden verknappt, und weil auch zwei politische Entscheidungen der EU erheblichen Einfluss auf das Rohholz-Liefervermögen der Forstwirtschaft entwickeln könnten. 

Dieter erwähnte hier die EU-Klimaschutzpolitik mit LULUCF-Verordnung und die Biodiversitätsstrategie der EU, die je nach Umfang des Holznutzungsverzichts im Wald moderate bis starke Auswirkungen hätten, abhängig von der nationalen Umsetzung. Und er verwies auf Nutzungsreserven bei den Laubstammhölzern, die im konstruktiven Bereich weiter unterrepräsentiert sind.

Wolfram Kübler, Geschäftsführer im Ingenieurbüro Walt Galmarini aus Zürich, lieferte das IHF-übliche Klima-Update, allerdings keinen mit meteorologischem Inhalt, sondern einen, der sich in erster Linie mit der Herstellung von Zement und Beton und deren THG-Emissionen befasste. 

Mit beidem könne bei Mengen- und Qualitätsoptimierung wesentlich sparsamer umgegangen werden. Gegen die Firma Holcim war Monate vor dem IHF2025 erstmals eine Klimaklage gegen einen großen Zementhersteller erhoben worden. Sie wurde jetzt im Dezember 2025 auch zur Verhandlung am Zuger Kantonsgericht zugelassen. Damit ist zu erwarten, dass weitere Klimaklagen gegen große THG-Emittenten folgen werden. Kübler wies auf eine Liste von 180 „Carbon Majors" aus einer ETH-Studie hin, die mit ihrem Kohlenstoff-Fußabdruck besonders stark zu dem vom Menschen ausgelösten Klimawandel beitragen.

Weil es mittlerweile nicht mehr um die Einhaltung des 1,5°C-Zieles geht, sondern eher um das Retten der 2°C-Marke und damit eine noch größere Dringlichkeit der Emissionssenkung besteht, um unterhalb von Kippunkten mit unumkehrbaren Klimarisiken zu bleiben, müssten sehr viel schneller und sehr viel mehr Emissionen vermieden und gleichzeitig CO2 aus der Atmosphäre geholt werden, als dies durch Wald und Holzbau möglich wäre. „Wir müssen Vollgas geben", so Kübler. Wenn man nachhaltiges Bauen erreichen wolle, dann sei neben der Internationalisierung von Klimawandel-Folgenkosten, dem Einsatz öffentlicher Finanzmittel, einer zukunftsfähigen Baugesetzgebung und zukunftsfähigen Ausschreibungen viel Klima- und Baustoffkompetenz bei den „Bestellern" von Bauvorhaben, also bei Bauherren, Developern und Architekten besonders wirkungsvoll. Zu diesem „Wissen" zählt er den Erhalt von Bestandsgebäuden, die Nutzung von Stampflehm in Wänden sowie den Einsatz von Lehmsteinen und anderen Massivbaustoffen. 

Außerdem sollten Massivholzbauweisen mit so viel Holz wie möglich, hybride Holz-Beton-Konstruktionen mit wenig Stahl und möglichst emissionsreduzierter Beton mit Recyclinggranulat zum Einsatz kommen. Unter Hinweis auf die verlorene Zeit, das vereinbarte Klimaziel noch annähernd zu erreichen, hält Kübler auch den Einsatz der teuren CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) für opportun. Die Schweiz und Norwegen verhandelten aktuell ein Abkommen für die Entsorgung von CO2 aus 4 Mio. t Zement pro Jahr, um bis 2050 90% der Emissionen der Zementindustrie in ausgebeutete Erdgaslagerstätten einzulagern. Die 20% Mehrkosten für den cbm Beton wären gar nicht so schlimm, so Kübler.

Gastvortrag von Dr. Christoph M. Schneider
Im IHF-Gastvortrag vor den Ehrungen von Branchen-Persönlichkeiten, der üblicherweise ein aktuelles Thema abseits des Holzbaus behandelt, ging es diesmal um die Auswirkungen der Politik von US-Präsident Trump. Dr. Christoph M. Schneider, der Geschäftsführer des privaten Wirtschaftsforschungsinstituts Economica aus Wien, erläuterte in klaren Worten die Folgen des von den Trump initiierten Paradigmenwechsels in der Welt, insbesondere für die EU-Länder: weg von Konsens, Zusammenarbeit und internationaler Arbeitsteilung hin zu einer Politik mit Ellenbogen, Konflikten, Drohungen und militärischer Gewalt, die nur noch den Profit des eigenen Landes im Blick habe. Den „roter Faden" des Vortrags bildete die negative Vorbildwirkung der USA. „Wenn der Hüter von Recht und Ordnung sein Verhalten ändert, dann folgen Andere dem Vorbild."

Schneider wies hier insbesondere auf die 2001 von China ins Leben gerufene Shanghai Cooperation Organisation (SCO) hin, die in diesem Jahr ihre Stärke als Gegenpol zu den USA demonstriert habe. „Präsident Xi füllt jetzt das Vakuum, das Amerika in der Welt hinterlässt." Die vor allem für die EU, aber auch für die USA bedrohliche Entwicklung an der von Trump ausgelösten wirtschaftspolitischen Unsicherheit sei nicht nur der Vertrauensverlust unter Unternehmern, der einen deutlichen Einbruch der Investitionstätigkeit der Wirtschaft in Europa zur Folge hat, sondern vor allem die Verlagerung des Weltwirtschaftswachstums in autokratisch organisierte Länder. Und die sind sehr oft solche mit wichtigen bzw. seltenen Rohstoffen.

Die Weltwirtschaft insgesamt zeige sich überraschend resilient – trotz steigender Zahl bewaffneter Konflikte. Schneider: „Das Wachstum weltweit ist nicht schlecht, aber mit kooperativem Handeln wäre es besser!" Die Konflikte in der Welt kosteten die Weltwirtschaft jedes Jahr 600 Mrd. Dollar Wertschöpfung, etwa so viel, wie einzelne Industrieländer wie Belgien oder Schweden jährlich an BIP erwirtschaften.

Trump hingegen verfolge Ziele, die sich auffallend seinem „Lehrbuch" (National Transition Project der Heritage Foundation) orientierten und von ihm unter deutlicher Umgehung des parlamentarischen Systems der USA angestrebt werden. Damit werde er aber keinen Erfolg haben, denn die aktuellen Teuerungsraten, seine rapide sinkenden Zustimmungswerte und die abgesackte Attraktivität der USA unter internationalen Studenten deuteten auf ein Scheitern Trumps hin. Trumps Wunsch und Versprechen an seine Wähler werde sich nicht einstellen - ein „goldenes US-Zeitalter".

Mit den neuen Zollsätzen, die die globale Kooperation auf das Niveau von vor 100 Jahren zurückwerfe, verknappe er aber das Angebot an Gütern und Dienstleistungen und treibe die Preise nach oben. Schneider: „Das ist Selbstzerstörung mit Anlauf". Wichtig sei jetzt, dass Europa darauf reagiere, weil die US-Zollpolitik und Bürokratie den EU-Unternehmen den Export dorthin weiter erschwert. Schneiders Rat: Die EU müsse an sich selbst arbeiten und sich innereuropäisch mehr wirtschaftliche Freiheiten gönnen (d.h. Regulierungen abbauen), um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA zu stärken. Denn die USA seien Haupthandelspartner der EU-Länder, nicht China.

Er wies insbesondere auf das Produktivitätsproblem der EU-Unternehmen gegenüber US-Unternehmen hin. Nur wenige Länder in Europa (Irland, Polen und das Baltikum) hätten in den letzten 20 Jahren ihre Produktivität steigern können. In den „alten" EU-Ländern sei das Wachstum hingegen seit Jahren zurückgeblieben. Dummerweise seien unter den „7D", also den Faktoren, die Wirtschaft und Inflation beeinflussten, nur zwei potenzielle Inflationssenker: Deregulierung und Digitalisierung. Die übrigen „5D", also Dekarbonisierung, Deglobalisierung, Demografie, Defense (Rüstungsausgaben) und Depts (Verschuldungsgrad), förderten hingegen einen schnelleren Anstieg der Preise.

Soweit ein Ausschnitt aus dem Fachprogramm des IHF 2025. FORUM HOLZBAU ehrte in diesem Jahr mit Dr. Martin Brandstätter, dem langjährigen Institutsleiter der Holzforschung Austria, und mit Udo Schramek, dem Gründer des Holzwerkstoffherstellers Steico SE, wiederum zwei Persönlichkeiten für ihre Verdienste um die Holzwirtschaft.

Ein Zugang zu den aktuellen Tagungsunterlagen kann auf unserer Website FORUM HOLZWISSEN erworben werden. Kongressbilder finden Sie auf unserer Rückblick-Seite.

Das 30. Internationale Holzbau-Forum (IHF) wird vom 2. bis 4. Dezember 2026 in Innsbruck stattfinden.

Über das FORUM HOLZBAU
FORUM HOLZBAU bzw. FORUM HOLZ ist eine gemeinsame Plattform der Aalto University School of Science and Technology Helsinki (FI), der Berner Fachhochschule (CH), der Technische Hochschule Rosenheim (DE), der Technischen Universität München (DE), der Technischen Universität Wien (AT) und der University of Northern British Columbia (CA). In Italien kooperiert man eng mit der Università di Trento. Ziel und Aufgabe des Vereins ist die Förderung des Einsatzes von Holz im Bauwesen, überschüssige Mittel werden im Sinne der Holzwirtschaft für die Unterstützung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten von Studierenden eingesetzt.


     
        
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