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Passen nachhaltige Investments und die betriebliche Altersvorsorge zusammen?

Ein Interview mit Michael Schütze, Direktor und Leiter Pensions Advisory bei Allianz Global Investors KAG



Michael Schütze

Für Asset-Manager bieten sich seit Jahren verschiedene Investmentansätze an, die nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien anlegen. Solange der Kapitalanleger und Kunde das aber nicht will, ist es schwer, auch in der betrieblichen Altersvorsorge nachhaltige Investements einzusetzen. forum im Gespräch mit Michael Schütze.

Haben es die nachhaltigen Finanzprodukte schwer, für die BAV Anwendung zu finden ?

Ich glaube ja. Es gibt immer noch sehr viele Entscheider, die im Rahmen von Kapitalanlagen von betrieblichen Versorgungseinrichtungen sagen: Wenn ich einen anderen Investmentansatz als den "klassischen" wähle, habe ich dadurch einen Verlust bei der Rendite. Und es gibt auch noch diejenigen, die sagen: Und dann würde ich meiner treuhändischen Verpflichtung nicht nachkommen.
Wenn ich eine Anlagepolitik rein nach ökonomischen Kriterien ausrichte, dann kaufe ich die eine oder andere Aktie nur danach, wie sich das Unternehmen entwickelt. Zwar mache ich das bei nachhaltigen Anlagen auch, aber ich berücksichtige zusätzlich noch Faktoren der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit.

Sie können heute eigentlich jeden Durchführungsweg nachhaltig finanzieren, wenn Sie das wollen. Nur die einzigen Beispiele, die das wirklich tun, sind Branchenlösungen wie die Metallrente - das Versorgungswerk für die gesamte Metall- und Elektro-Industrie. Hier gibt es eine Übereinkunft, welche auf der gegenseitigen Vereinbarung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern basiert. Dort haben die Gewerkschaften dafür gesorgt, dass nachhaltiges Investment in das Stammbuch geschrieben wird. Insbesondere auf der Aktienseite wird nach bestimmten Nachhaltigkeits-Kriterien (Socially Responsible Investment bzw. "SRI") gearbeitet. Aber wenn Sie einzelne Unternehmenspensionsfonds, Pensionskassen oder CTA`s (Contractual Trust Arrangements) anschauen, ist SRI dort bei den Entscheidern noch nicht angekommen.

Glauben Sie, dass der Ansatz zur gesetzliche Verpflichtung zum nachhaltigen Investment im Rahmen der BAV, wie seiner Zeit bei der Novelle des VAG vorgeschlagen, Sinn macht?

Es gab einmal den Gesetzentwurf, was daraus geworden ist, ist die Berichtspflicht. Bei der Entgeltumwandlung in externen Durchführungswegen, also der Pensionskasse, dem Pensionsfonds und der Direktversicherung muss darüber berichtet werden, ob sie nach diesen Kriterien anlegen. Es besteht aber eben keine Pflicht, danach anzulegen. Die zweite Schwierigkeit ist, dass das Thema SRI nicht hundertprozentig griffig ist. Da versteht jeder etwas anderes darunter. Wie sollten dann SRI-Kritierien gesetzlich verankert werden? Das wollte keiner verbindlich definieren, also ist es nur weich umschrieben.

In Deutschland, wenn wir uns alle Durchführungswege anschauen, sind diese Altersvorsorge-Vehikel alle sehr konservativ allokiert, d.h. sie haben einen hohen Anteil festverzinslicher Wertpapiere und eigentlich nur geringe Aktienquoten. Ganz anders ist das in den angelsächsischen Ländern, wo hohe Aktienquoten gefahren werden und die Pensionsfonds per se auch noch viel größer sind als in Deutschland. Was den Einfluss dieser Vehikel angeht, würde ich für Deutschland derzeit mal ein Fragezeichen setzen, bei Holland, England und den USA sieht das dann schon ganz anders aus.

Welche Möglichkeiten haben Sie?

Wir als Asset-Manager bieten seit Jahren verschiedene Investmentansätze an, insbesondere auf der Aktienseite, die nach SRI-Kriterien anlegen. Das grundsätzliche Problem ist aber die Nachfrage. Wenn die Nachfrage einfach nicht da ist, der Kapitalanleger und Kunde das aber nicht will, dann tun wir uns schwer, so etwas durchzusetzen. Das können Sie schon im Privatkundensegment bei Publikums-Nachhaltigkeitsfonds sehen. Und für die BAV gilt das Gleiche: Bisher ist noch keine eindeutige Nachfrage erkennbar, vielleicht bei Lösungen, bei denen Gewerkschaften mitreden. Dabei wäre es so einfach: Was wir bei den Kapital- und Geldanlagen propagieren, ist ja gerade für die BAV anwendbar. Der Anlagehorizont der BAV ist ja grundsätzlich langfristig ausgelegt, und da nachhaltiges Investment auch eher mittel- bis langfristig orientiert ist, passt das eigentlich sehr gut zusammen.

Könnte der Gesetzgeber hier etwas bewirken?

Wenn er wollte, könnte er schon. Und wir als Asset-Manager sind hier in keiner Weise eingeschränkt, wir haben hier grundsätzlich dieselben Anlagemöglichkeiten wie bei der klassischen Anlage auch.

Hat Solvency II eine Auswirkung auf die nachhaltige Kapitalanlage?

Hier kann es mittelbare Auswirkungen geben. Es kann schon sein, dass die Versicherungsunternehmen nach Solvency II nicht mehr so viel risikoführende Kapitalanlagen, also Aktien, tätigen können. Und SRI ist ja in ganz wesentlichen Teilen immer noch ein Aktienthema. Doch mir ist derzeit keine deutsche Lebensversicherung bekannt, die beispielsweise ihr in der Regel kleines Aktienkontingent nach SRI-Kriterien investiert. Das gilt leider auch für die betrieblichen Altersvorsorge.

Wie stark wird nachhaltiges Investment nach Ihrer Meinung nachgefragt?

Außer für Branchenlösungen, wie z.B. die Metallrente, extrem wenig.

Welches Investment empfiehlt man für welchen Durchführungsweg?

Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten. Wenn Sie sich die fünf Durchführungswege anschauen, dann fangen wir mal mit der Direktversicherung an. Die Direktversicherung ist hochgradig reguliert und investiert wie eine Lebensversicherung. Und damit beantwortet sich die Frage ja eigentlich schon von selber. Unterstützungskassen wurden und werden eigentlich meist dafür genutzt, den Unternehmen, die sie kreiert haben, letztlich das Kapital wieder zur Verfügung zu stellen. Die Pensionskasse ist ähnlich wie die Lebensversicherung reguliert, es gilt daher das oben Gesagte. Nur der jüngste, regulierte Durchführungsweg, der Pensionsfonds, ist ausdrücklich kapitalmarktorientiert aufgesetzt, bietet sich also für SRI-Anlagen sehr gut an. Die Kapitalrückdeckung für Direktzusagen, heute meist in Form von CTA's durchgeführt, unterliegen wenigen bis keinen Anlagebeschränkungen. Hier sind nachhaltige Kapitalanlagen jederzeit einsetzbar. Doch gilt weiterhin, dass noch nicht jeder Entscheider an die langfristige Vorteilhaftigkeit einer Ausrichtung an nachhaltigen Kriterien glaubt. Die optimale Kapitalanlage für jeden Durchführungsweg orientiert sich an den Pensionsverpflichtungen, die damit verbunden sind, wie etwa deren Laufzeit und den biometrischen Risiken, also der Lebenserwartung der künftigen Renten-Anwärter, sowie nach den Ertrags- und sonstigen Anlagezielen des Sponsors, d.h. des Arbeitgebers. Insofern kann man Ihre Frage nicht allgemein beantworten. Am besten ist, und das hat auch die Finanzkrise gezeigt, wenn man sehr breit diversifiziert ist. Und das hat die Krise auch gezeigt: Breit diversifizieren kann man sein Aktienportfolio auch mit nachhaltigen Anlagen!

Das Interview führte Christopher Schipprack


Im Profil
Michael Schütze leitet seit 2002 das Team Pension Investment Advisory innerhalb des Bereichs Pension Markets und ist Direktor der Pensions Advisory bei Allianz Global Investors KAG. Seine Laufbahn im Asset Management begann er nach einer Banklehre bei der Dresdner Bank AG und einem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance and Management in der Produktentwicklung für Publikums- und Spezialfonds.

Kontakt:
Communications AllianzGI Deutschland
Karl-Hermann Hammel
Allianz Global Investors
Kapitalanlagegesellschaft mbH
Mainzer Landstraße 11-13
60329 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 263-14646
Mobile: +49 172 615 3367
Telefax: +49 69 263-14896
karl-hermann.hammel@allianzgi.de


Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Lifestyle | Geld & Investment, 04.03.2009

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