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"Please give peace a chance"

Leserbrief von Günther Hartmann, Journalist aus München

Leserbrief zum Kommentar "Please give peace a chance" im forum-Newsletter "Krieg ist keine Lösung" vom 22. Oktober 2025
 
Schon das Militär an sich gehört zu den größten Ressourcenverbrauchern, Umweltverschmutzern und CO2-Emittenten, ein Krieg noch viel mehr. Trotzdem bin ich kein Pazifist und halte eine militärische Sicherung für sinnvoll und notwendig. Die Frage ist nur: Wieviel Militär ist tatsächlich notwendig?

Vor und während meiner Bundeswehrzeit habe ich mich naturgemäß etwas intensiver mit militärischen Fragen befasst – und verfolge die aktuellen Debatten deshalb mit großer Verwunderung. Das Thema „militärisches Gleichgewicht" gibt es da nicht mehr. Dabei ist es der Schlüssel zum Frieden.

Um die Logik des militärischen Gleichgewichts zu verstehen, muss man eigentlich nur eine militärische Faustformel kennen: Der Verteidiger ist immer im Vorteil. Der Angreifer muss mindestens doppelt so stark sein wie der Angegriffene, besser dreimal so stark, um in angemessener Zeit einen klaren Sieg zu erringen. 

 Daraus folgt: Wenn zwei sich nicht freundschaftlich gegenüberstehende Mächte jeweils ein ungefähr gleich starkes Militär haben, muss keiner befürchten, vom anderen angegriffen zu werden. Die entscheidende Frage, die heute seltsamerweise so gut wie nie gestellt wird, lautet deshalb: Wie ist das Kräfteverhältnis zwischen der NATO und Russland?

Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene und Ende 2024 veröffentlichte Studie zeigt die Fakten: Die NATO-Staaten gaben zu diesem Zeitpunkt etwa 10-mal mehr für Rüstung aus als Russland: 1,19 Bio. gegenüber 127 Mrd. US-Dollar. Die NATO hatte 2,5-mal so viele Soldaten: 3,3 Mio. gegenüber 1,3 Mio. Und die Militärausgaben, die stetig stiegen, waren die der NATO: von 2014 bis 2024 um insgesamt 30 % – während die Russlands von 2014 bis 2021 sogar leicht sanken.

Selbst ohne die USA sind die europäischen NATO-Staaten klar überlegen: Sie verfügen über 1,9 Mio. Soldaten, Russland nur über 0,5 Mio. westlich des Urals. Sie verfügen über 6.300 Kampfpanzer, Russland nur über 2.000. Sie verfügen über 2.100 Kampfflugzeuge, Russland nur über 1.000. Sie verfügen über 140 Kriegsschiffe, Russland nur über 30. Zudem sind die Waffensysteme der NATO moderner als die Russlands.

Wer muss sich also von wem bedroht fühlen? Der immer wieder beschworene Angriff Russland auf die NATO wirkt angesichts der Fakten höchst seltsam. Am Köcheln gehalten wird die Angst davor durch eine faktenfreie Dämonisierung der Person Putin oder des „Russen an sich". Doch Russen sind bislang nicht als fanatisierte Selbstmordattentäter aufgefallen.

Hinter den westlichen Aufrüstungsbeschlüssen und -plänen stecken wohl eher andere Gründe. Für die Umwelt und das Klima sind sie eine Katastrophe. Um ein militärisches Gleichgewicht zu erzielen und einem fatalen Wettrüsten zu entgehen, müssen wir abrüsten! Und das können wir auch!

Günther Hartmann
Journalist, Dipl.-Ing. Architektur


     
        
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