Hermann Anzinger
Technik | Energie, 01.06.2025

Unternehmen dekarbonisieren

Eine Schlüsselrolle kommt der klimafreundlichen Energieversorgung des Betriebs zu

Mit Solarenergielösungen können Eigentümer und Nutzer von Gewerbeimmobilien einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Neben PV-Anlagen gewinnen auch Batteriespeicher­lösungen an Bedeutung. Sie stellen selbst produzierten Solarstrom bereit, auch dann, wenn die Sonne nicht oder nur wenig scheint.

Die Immobilien der Wirtschaft bieten Dachflächen, Fassaden und Parkplätze zur Energieerzeugung und eigenen Nutzung. Das schafft Kostenvorteile und Resilienz. © Bernd Dittrich auf UnsplashAngesichts der Dringlichkeit des Klimawandels und der globalen Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen muss die gesamte Wirtschaft ihren CO2-Fußabdruck verringern. Unternehmen aller Sektoren sind gefordert, Ansätze zur Dekarbonisierung zu verfolgen. Speziell an Gewerbeimmobilien gibt es einen großen Gebäudebestand, bei dessen Errichtung der Aspekt Nachhaltigkeit noch nicht den heutigen Stellenwert hatte. Um diese Gebäude auf heutige Standards zu bringen, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz, intelligente Gebäudemanagementsysteme sowie E-Mobilitätslösungen wichtig.

Eine Schlüsselrolle für die Dekarbonisierung kommt der klimafreundlichen Energieversorgung des Betriebs zu. Das kann etwa durch den Kauf von Grünstrom geschehen, eine weitere Möglichkeit bieten großflächige Photovoltaikanlagen, für die die Dachflächen von Logistik- und Gewerbeimmobilien meistens günstige Bedingungen bieten. Der lokal und fossilfrei produzierte Strom bietet mehrere Vorteile: Er deckt zuverlässig einen Großteil des Energiebedarfs des Mieters und Immobiliennutzers, zudem kann dieser, durch den Entfall von Abgaben und Umlagen, die hauptsächlich bei der Nutzung von Strom aus dem öffentlichen Netz anfallen, seine Stromrechnung deutlich senken. Aus Sicht des Eigentümers ist die Wertsteigerung der Immobilie sowie die Verbesserung des ESG-Ratings ein Pluspunkt, nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit.
 
Solarstrom rund um die Uhr
Trotz aller Vorteile einer großflächigen PV-Anlage bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Den meisten Strom produziert sie am Tag, der Energieverbrauch des Nutzers kann aber auch nachts hoch sein. Das gilt besonders für den 24-Stunden-Betrieb moderner Lagerlogistik. Daher sind Nutzer in sonnenarmen Perioden auf den Zukauf von Strom angewiesen, während überschüssiger Strom in sonnenreichen Perioden in das Netz abgegeben werden muss.
 
Die Ergänzung einer PV-Anlage mit einem Batteriespeichersystem sorgt für eine stetige Versorgung mit Solarstrom. Wie das in der Praxis aussieht, lässt sich im nordrhein-westfälischen Dorsten sehen: Dort ging im Sommer 2024 ein „Battery Energy Storage System” (BESS) mit einer Kapazität von 1,000 kWh in Betrieb. Es kombiniert Lithium-Eisenphosphat-Speicher mit einem intelligenten Energiemanagementsystem (EMS), das die Nutzung grünen Stroms maximiert. Es ergänzt die großflächige PV-Anlage mit einer Leistung von 3,45 MWp und rundet so das Nachhaltigkeitspaket des „Positive Footprint Warehouse" von Delta Development ab, das als erste Logistikimmobilie Deutschlands mit der LEED-Platin-Zertifizierung ausgezeichnet wurde.
 
"Wir eliminieren Bürokratie und komplizierte Geschäftsprozesse in der Lieferkette von heimischem Grünstrom. Damit wird günstiger Wind- und PV-Strom zum Standortvorteil für die deutsche Wirtschaft."
 Matthias Karger, Gründer und Geschäftsführer von node.energy
 
PV für Industrieunternehmen
Nicht nur Logistikunternehmen, sondern auch die deutsche Industrie setzt zunehmend auf eine klimafreundliche Energieversorgung. Das verbessert die CO2-Bilanz, reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und trägt regulatorischen Vorgaben sowie Nachhaltigkeitsanforderungen Rechnung. Ein Beispiel liefern zwei große deutsche Automobilhersteller: So werden an mehreren deutschen Standorten der Mercedes-Benz AG PV-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 20 MWp installiert.
 
Die fossilfrei erzeugte Energie steht dabei für die innerbetrieblichen Abläufe zur Verfügung. Auch an zwei BMW-Standorten, in Regensburg und Dingolfing, entstehen großflächige PV-Anlagen. Auf einer Dachfläche von insgesamt 125.000 m² werden Anlagen mit einer Kapazität von 14 MWp errichtet, die jährlich rund 14,2 GWh sauberen Strom erzeugen. Nach Fertigstellung in diesem Jahr werden sie vor Ort saubere Energie erzeugen und dem Automobilunternehmen über ein PPA (Power Purchase Agreement) zur Verfügung stellen.
 
Chancen endlich nutzen
Auf den Dächern von Gewerbeimmobilien liegt großes ungenutztes Potenzial für Photovoltaik. Noch immer werden viele dieser Flächen nicht für die Energiegewinnung genutzt – dabei stärkt Solarstrom neben der Nachhaltigkeit der Immobilie auch die Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Dies gilt sowohl für Logistik- als auch Industrieunternehmen. „Es ist an der Zeit, diese Chancen konsequent zu nutzen", sagt Georg Brenninkmeijer, Managing Director bei Sunrock Germany, der deutschen Gesellschaft des führenden europäischen Entwicklers von großflächigen Solardächern und integrierten Lösungen für saubere Energie.
 
Und forum Chefredakteur Fritz Lietsch ergänzt: „Bitte auch unverschattete Fassaden und ganz besonders Dächer mit Ost-West-Ausrichtung für die Energieerzeugung nutzen! Besonders in den Morgen und Abendstunden sowie im Winter, bei tiefstehender Sonne, wird der Strom dringend benötigt und zukünftig auch besonders teuer sein. Der Eigenverbrauch kann damit nochmals optimiert werden."
 
Hermann Anzinger hat physikalische Technik studiert. Er war als Europamanager und Unternehmer in der Halbleiter- und LED-Technik tätig und ist als forum-Redakteur für technische Recherchen, Business Development und Kooperationen zuständig.

Dieser Artikel ist in forum 03/2025 - Der Wert der Böden erschienen.

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