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Wie die Messebranche nachhaltiger werden kann – und Kosten spart

Hochschul-Projekt entwickelt Ideen für zirkuläre Messestände und eine nachhaltige Messebranche

Die Circular Economy, also eine umfassende Kreislaufwirtschaft vom Produktdesign über das Wiederverwenden bis hin zum Reparieren und Recyceln, ist ein Schlüssel für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Messebranche zählt zu den Industriezweigen, die auf diesem Gebiet noch Nachholbedarf haben und nun erste Schritte für eine Änderung unternehmen – mit einem Projekt der Hochschule Osnabrück, die Ideen für zirkuläre Messestände und eine nachhaltige Messebranche entwickelt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Vorhaben mit rund 150.000 Euro.

Bonde: Ein ökologisch-ökonomisches Win-Win
© Stefan Schweihofer, pixabay.com„Ressourcenknappheit, Klima- und Umweltschutz, aber auch der Erhalt langfristiger Wettbewerbsfähigkeit sind Ansporn für viele mittelständische Betriebe, Ideen für zirkuläres Wirtschaften zu entwickeln", ist sich DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sicher. „Die Circular Economy kann zu einem echten Wirtschaftsmotor werden. Denn neben dem Umweltschutz durch geringeren Abbau von Rohstoffen und Ressourcen haben auch die Unternehmen Vorteile: Weniger Material, Transport und Abfälle können eine erhebliche Kostenersparnis nach sich ziehen. Das ist ein ökologisch-ökonomisches Win-Win."

Die deutsche Messebranche wächst
Die Messewirtschaft bietet nach Bondes Worten wegen der Vielzahl an Events „enorme Chancen, mehr für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu tun". Laut Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) finden jährlich bis zu 380 Messen in Deutschland statt – mit über 180.000 ausstellende Unternehmen aus dem In- und Ausland. Verglichen mit den Vorjahresveranstaltungen zählte der AUMA 2024 neun Prozent mehr Besucherinnen und Besucher (11,7 Millionen), zehn Prozent mehr ausstellende Unternehmen (205.000) und sieben Prozent mehr Standfläche (7,1 Millionen Quadratmeter). Bonde: „Diese Dimensionen verdeutlichen, welche Möglichkeiten allein die Messebranche hat, um durch geschickte Kreislaufwirtschaft die Weichen für mehr Nachhaltigkeit zu stellen – von Catering bis Messestand."

Hochschule Osnabrück entwickelt Modell für mehr Nachhaltigkeit in der Messebranche
Prof. Dr. Kim Werner, gemeinsam mit Prof. Dr. Kai-Michael Griese an der Hochschule Osnabrück verantwortlich für das von der DBU geförderte Projekt, erklärt: „Circular Economy ist bislang in der Messewirtschaft nur wenig etabliert. Die Gründe dafür wollen wir analysieren und die Erkenntnisse in einem Modell für mehr Kreislaufwirtschaft in der Messebranche zusammenführen, damit sie praktisch umsetzbar werden." Einige Ziele: Abfälle vermeiden, die Wiederverwendung von Produkten fördern und das Zusammenspiel verschiedener genutzter Ressourcen untersuchen. Geplant seien konkrete Handlungsempfehlungen für zirkuläres Wirtschaften in der Branche, so Werner.

Zahlreiche Partner aus der Praxis
Die Hochschule Osnabrück setzt bei der praxisnahen Umsetzung ihrer Ideen auf die gemeinsame Arbeit mit vielen Partnerfirmen und -institutionen: unter anderem mit dem AUMA, der Fachzeitschrift TW Tagungswirtschaft, der Agentur für Nachhaltigkeit der Veranstaltungswirtschaft 2-B-Different und der Firma für Messearchitektur und -management IMB: Troschke. Werner: „Die Kooperation mit den verschiedenen Akteuren der Messewirtschaft gewährleistet den hohen Praxisbezug des Projekts. Was wir entwickeln, soll für die ganze Branche anwendbar sein."

Zeit und Transport sind große Hürden
Laut Werner wird die nachhaltigere Ausrichtung der Messewirtschaft derzeit noch durch einige Hürden erschwert. Dazu zählen nach ihren Worten die teils über Jahrzehnte fest etablierten Abläufe. „Häufig ist wenig Zeit für den Auf- und Abbau der Stände", so die Hochschulprofessorin. „Zudem kommen bis jetzt für viele Bauteile nur Einweglösungen infrage, die schnell eingesetzt und wieder entfernt werden können", sagt Werner. Problematisch sei, „dass dadurch viele Stände aus Einmalbauteilen bestehen und schließlich entsorgt werden müssen". Ein Grund: Die Einlagerung und den Transport von wiederverwendbaren Teilen können viele Betriebe wegen zu hoher Kosten nicht bewältigen.

Optimale Branche für nachhaltige Projekte mit Vorbildcharakter
Viele Firmen haben Werner zufolge auch Bedenken wegen der Finanzierbarkeit – Kreislaufwirtschaft gilt als teurer im Vergleich zu herkömmlichen Einwegbauteilen. Ein falscher Eindruck, so die Expertin für Eventmanagement: „Eine zirkuläre Wirtschaftsweise ist letztlich kostengünstiger, gerade für kleinere Unternehmen. Das Projekt soll Lösungen für die Anschaffung finanzierbarer nachhaltiger Standelemente finden." Werner sieht in der Branche großes Potenzial: „Die Messewirtschaft bringt Menschen miteinander ins Gespräch und animiert zur Zusammenarbeit." Das sei „eine perfekte Ausgangssituation, um Betriebe und Menschen durch funktionierende Beispiele für nachhaltiges Wirtschaften zu begeistern."
 

Kontakt: Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Klaus Jongebloed | presse@dbu.de | www.dbu.de



     
        
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