Franz Alt
Lifestyle | Geld & Investment, 16.11.2024
Der erfolgreichste Banker und Unternehmer der Welt
Finanzen – Neue Geschäftsmodelle
Als in Bangladesch der Friedensnobelpreisträger und Gründer der „Bank für die Armen" (Grameenbank), Muhammad Yunus, kürzlich mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, sagte er: „Wir sollten in die Überwindung der Armut und in den Klimaschutz investieren und nicht in Kriege und Waffen." Schon lange schreibt der visionäre Professor Wirtschaftsgeschichte mit seinen revolutionären Geschäftsmodellen.
In vielen Armutsregionen unserer Welt herrscht ein Reichtum an Sonneneinstrahlung, aber ein Mangel an elektrischer Energie – ein wesentlicher Grund für die Armut. Muhammad Yunus gründete deshalb nach der Grameen Bank das Sozialunternehmen Grameen Shakti (Shakti heißt Energie). Es sorgt seitdem dafür, dass in Bangladesch täglich bis zu 1.000 kleine Solaranlagen auf bescheidenen Behausungen installiert werden. Die neuen Besitzer dieser Solar Home Systems bezahlen dafür jeden Monat genau so viel wie sie bisher für die schmutzige Energie ausgaben, zumeist Kerosin oder Diesel. So gelang der Umstieg auf Solarenergie ohne jegliche Zusatzbelastung. Und diese Belastung reduziert sich in der Regel nach drei bis vier Jahren auf null, denn dann ist die Anlage abbezahlt und liefert noch Jahrzehnte Strom – kostenlos. Ein Segen für die Armen.Grameen Shakti hat bis heute mehr als acht Millionen solcher Anlagen finanziert und installiert. Ferner bildet die Grameen Shakti viele Landfrauen zu Solartechnikerinnen aus. Mit seiner „Bank für die Armen" hilft Yunus hauptsächlich armen Frauen – 96 Prozent seiner Kunden sind Kundinnen – und das in einem muslimischen Land. Allein das ist eine Revolution!
Wir betrachten Probleme als Rohstoff für Innovationen
Solarstrom war auch die Voraussetzung dafür, dass Muhammad Yunus die Bedeutung von Mobiltelefonen in den Armutsregionen der Welt erkennen konnte. Er gründete „Telenor", eine Art Genossenschaft, in der die Armen die Möglichkeit rascher Kommunikation erhielten. Das Geschäftsmodell war wiederum einfach: Kreditunternehmerinnen seiner Grameenbank verkauften Telefonminuten an Mitbewohnerinnen in ihren Dörfern. Diese konnten sich dadurch über angemessene Marktpreise und neue Vermarktungswege für ihre mit den Kleinstkrediten der Grameenbank hergestellten Produkte erkundigen. Sie waren damit angeschlossen an eine neue Dimension von Informationen, Erfahrungen, Geschäftsmöglichkeiten und Lernen. „Telenor" hat inzwischen fast 80 Millionen Kunden und ist das größte Unternehmen Von Bangladesch. Millionen Menschen mit geringem Einkommen erhalten damit Zugang zu neuen Märkten.
Außerdem revolutionierte Yunus das Gesundheitssystem seines 170-Millionen-Einwohner-Landes, was tausenden Menschen das Leben gerettet hat. „Grameen Health Care" ist heute der landesweit größte Ausbilder von Krankenschwestern und Arzthelferinnen – mit Hilfe von Smartphones. Soziale Innovationen mit unternehmerischer Phantasie zu kombinieren – das ist die große und erfolgreiche Vision von Muhammad Yunus.
Wenn ich ein Problem sehe, gründe ich ein Unternehmen
„Forbes" nahm den Nobelpreisträger und Social-Business-Pionier Yunus in die Liste der „Zwölf größten Unternehmer der Gegenwart" auf und „Business Week" bezeichnete ihn als einen der „Fünf größten Unternehmer aller Zeiten". Er steht dafür, dass „Economy" und „Ecology", „Social" und „Business" sowie „Tech Innovation" und „Social Innovation" nur zusammen wirklich erfolgreich sind. Muhammad Yunus ist damit ein wichtiger Gestalter einer besseren Welt. Das „Wir" ist ihm wichtiger als das „Ich". Sein Lebensmotto: „Es ist viel erfüllender und befriedigender, seine Tatkraft nicht nur für den eigenen Lebensunterhalt, sondern auch für das Gemeinwohl einzusetzen. Wenn ich für mich Geld mache, bin ich glücklich. Wenn ich aber andere Menschen glücklich mache, bin ich superglücklich". Er ist nicht der reichste Banker der Welt, aber der erfolgreichste, denn er hat mit seinen Mini-Krediten global Milliarden Menschen ein besseres Leben ermöglicht.
Nobelpreisträger, Unternehmer und jetzt Regierungschef
Es wird spannend sein, zu sehen, wie der neue starke Mann in Bangladesch seine Überzeugungen in Politik umsetzt. Der 84-Jährige drängt auf baldige Wahlen nachdem die autoritäre Regierungschefin und Yunus-Feindin Sheikh Hasina gescheitert und nach Indien geflohen ist: „Wirkliche Befriedung kann es nur mit freien Wahlen geben. Ohne Wahlen gibt es keinen Wandel." Sein Antrieb zur Veränderung der Welt: „Armut ist künstlich geschaffen, sie ist nicht Teil der menschlichen Zivilisation, und wir können das ändern. Wir können Armut ins Museum der Geschichte stellen. Die Grameen Bank verleiht letztlich nicht Geld, sondern wir verleihen Würde. Die Armen brauchen nicht unser Mitleid und keine Geschenke. Sie brauchen Kredite, um sich selbst zu helfen. Das Recht auf Kredite ist ein Menschenrecht."
Franz Alt ist Journalist und Bestseller-Autor. Zusammen mit Michail Gorbatschow veröffentlichte er das Buch „Nie wieder Krieg – Kommt endlich zur Vernunft" . Zusammen mit dem Dalai Lama schrieb er: „Ethik ist wichtiger als Religion" und „Schützt unser Klima". Im Buch „Jesus – Liebe und Frieden sind möglich" führt er ein fiktives Interview mit Jesus über die Bergpredigt. Alle Bücher im Benevento-Verlag. Sein neues Buch ist im Herder-Verlag soeben erschienen: „Frieden ist noch immer möglich – Die Kraft der Bergpredigt".
Dieser Artikel ist in forum 01/2025 - Pioniere der Hoffnung erschienen.
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