Wachstum für Ökonomen oft überbewertet

Forschungsthese: Fokus besser auf menschliches Wohlergehen und ökologische Nachhaltigkeit

Fortwährendes Wirtschaftswachstum ist zwingend nötig, um den Wohlstand zu erhalten? Falsch, sagen unter anderem Forscher der Universitat Autònoma de Barcelona. Die Ökonomen liefern Argumente dafür, das menschliche Wohlergehen und die ökologische Nachhaltigkeit über die endlose wirtschaftliche Expansion zu stellen.
 
Umweltschutz essenziell
© Arturo Anez, pexels.com
Die Autoren der Studie zum Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und menschlichem Wohlergehen argumentieren, dass ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in Ländern mit hohem Einkommen nicht nur ökologisch bedenklich, sondern auch sozial unvorteilhaft ist. Zudem sei es wirtschaftlich gar nicht erreichbar. Sie nutzen Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen, darunter ökologische Ökonomie, Wohlfahrtsökonomie und Degrowth, eine ökonomische Theorie von 1970, die die Zukunft der Weltwirtschaft im Schrumpfen sieht.

Das internationale Team hebt die enge Verknüpfung des Anstiegs der Bruttoinlandsprodukte (BIP) mit Umweltschäden, den abnehmenden Nutzen des Einkommens für das Wohlbefinden und die mit einer Konjunkturabschwächung verbundenen Risiken als Hauptmotive für eine Abkehr vom Wachstum hervor.

Die Studie greift die Ergebnisse des Berichts "Die Grenzen des Wachstums" von 1972 auf und stellt fest, dass die Welt derzeit einer Strategie folgt, bei der der Zusammenbruch eher durch Umweltverschmutzung als durch Ressourcenknappheit verursacht wird. Die Autoren monieren, dass die Entkoppelung von BIP-Steigerung und Ressourcenverbrauch nicht ausreichend ist.

Nachteile können überwiegen
Ab einem bestimmten Einkommensniveau verbessere das Wirtschaftswachstum das menschliche Wohlergehen nicht. Die Kosten des Wachstums durch Umweltverschmutzung und soziale Umwälzungen könnten die Vorteile übersteigen. Mit wachsendem BIP würden soziale Ergebnisse wie Gesunderhaltung, Bildung und Armutsbekämpfung erschwert.

Die Autoren behaupten, dass sich ein hohes Maß an Wohlbefinden bei geringerem Ressourcenverbrauch erreichen lässt. Durch die Konzentration auf öffentliche Dienstleistungen, Einkommensgleichheit und demokratische Qualität könnten die menschlichen Bedürfnisse mit einem viel geringeren Energieverbrauch erfüllt werden.

Zudem angeprangert wird der ungleiche Austausch zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden, bei dem reichere Länder Ressourcen und Arbeitskräfte aus ärmeren Nationen an sich reißen. Die Experten schlagen daher vor, dass ein Verzicht auf wirtschaftliches Wachstum in Ländern mit hohem Einkommen Regionen mit niedrigem Einkommen zugutekommen sollte, indem diese Ausbeutung verringert werde.

In der Studie wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass sich ein Postwachstum auch negativ auf Länder mit niedrigem Einkommen auswirken könnte, die von Exporten in Ländern mit hohem Einkommen abhängig sind, es sei denn, diese Länder ergreifen politische Maßnahmen zur Erlangung der Währungssouveränität, zur Umsetzung einer Industriepolitik und zur effektiven Abkoppelung von Volkswirtschaften mit hohem Einkommen.
 
Hinweis: Den Original-Artikel finden Sie hier

Kontakt: pressetext.redaktion, Wolfgang Kempkens | kempkens@pressetext.com | www.pressetext.com



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Megatrends

Deutsche wünschen starke Führung
Christoph Quarch analysiert die neue Sehnsucht nach Macht und Herrschaft
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Virgin Islands Climate Change Trust Fund launched at Global Sustainable Islands Summit in Gran Canaria, marking new era in climate finance innovation for islands

Kreislaufwirtschaft am Bau & Energie für die Zukunft

Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Aufbruch in Santa Marta

  • circulee GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • SUSTAYNR GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • WWF Deutschland
  • NOW Partners Foundation
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • TÜV SÜD Akademie
  • Engagement Global gGmbH
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Global Nature Fund (GNF)
  • 66 seconds for the future
  • ZamWirken e.V.
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen