Leder – ein Material mit Zukunft?

Umweltfreundlich gegerbt - Leder im Wandel der Zeit

Auf der Berliner Modewoche tauchte Fritz Lietsch als Moderator in die Welt der NEXT-Gen Materials ein. Das sind zukunftsfähige Materialien u.a. für eine verantwortungsvolle Modeindustrie. Zu seiner Überraschung soll zukünftig auch das Naturmaterial Leder dazu zählen. Im Interview mit Thomas Heinen, GF von Heinen Leder, hinterfragt er die Innovationen im Bereich der Lederindustrie.
 
Herr Heinen, Sie haben mit terracare CF ein kompostierbares Leder vorgestellt. Was müssen wir uns darunter vorstellen? 
Thomas Heinen, GF von Heinen Leder © Heinen Lederterracare cf (chromfrei) ist pflanzlich gegerbt und kompostierbar - und zwar nach unserer Vorstellung von möglichst umweltfreundlich produziertem Leder. Bisher war pflanzliche Gerbung nur mit dem problematischen Zusatz Aldehyd möglich. Das wissen nur wenige Endverbraucher. Mit Nera Tanning gibt es nun einen Gerbvorgang, der Zeolith verwendet, einen ungiftigen Zusatz. Wir freuen uns, dass wir dadurch neben dem bereits bekannten terracare auch noch terracare CF anbieten können: Es ist also chromfrei vorgegerbt, pflanzlich nachgegerbt und kann so am Lebensende kompostiert werden. Kleine Nebenbemerkung hierzu: Chromgerbung ist nicht so schlecht wie ihr Ruf: Das verwendete Chrom III ist nicht giftig und wird bei der Wasserreinigung einfach wieder ausgefällt. terracare generell als Label haben wir bei Heinen Leder entwickelt, um dem Endverbraucher seine Kaufentscheidung zu erleichtern: er bekommt ein Leder, das allen gängigen Zertifikaten entspricht und regelmäßig überprüft wird. Wir arbeiten mit Häuten, die zu 95 Prozent aus Deutschland stammen, halten Tier- und Umweltschutzrichtlinien ein, sparen Energie und Wasser und zahlen überdurchschnittlich hohe Löhne.

Warum ist es ihrer Meinung nach sinnvoll, Leder zu verwenden, obwohl es doch inzwischen so viele Alternativen gibt?
So lange der Mensch Fleisch und Milchprodukte konsumiert, fallen weltweit Tierhäute an. Wenn wir diese nicht zu Leder verarbeiten würden, müsste man sie umweltschädlich entsorgen – das wäre nicht nur Ressourcenverschwendung, sondern auch wenig respektvoll dem Tier gegenüber. Abgesehen davon ist Leder einfach ein großartiges Material. Es ist flexibel, atmungsaktiv, langlebig und eignet sich für viele Bereiche, in denen Funktionalität an erster Stelle steht. 

Und wie sieht es mit Apfel- oder Ananas-Leder aus?
Für manche Schuhe kann das durchaus sinnvoll sein, wenn es nicht um Langlebigkeit oder Funktionalität geht. Aber auch pflanzliche Fasern kommen meist nicht ohne Kunststoff-Überzug aus, wenn sie haltbar sein sollen. Das ist zwar vegan, aber wenig umweltfreundlich. Demgegenüber steht Leder als natürliches Material, das sowieso vorhanden ist. Es ist extrem langlebig – neu besohlt hält ein Lederschuh durchaus 15-20 Jahre -  außerdem atmet es und sorgt für ein gutes Fußklima. Außerdem entwickelt es sich mit der Zeit und passt sich dem Träger an. Und auch ein Ledersofa altert edel anstatt einfach nur abgewetzt zu sein.

Was ist mit dem moralischen Aspekt? 
Abgesehen davon, dass ich es unmoralisch fände, die anfallenden Häute nicht sinnvoll zu verwenden: Kein Rind wird für Leder geschlachtet. Solange wir Menschen Fleisch und Milch konsumieren, ist Leder ein Abfallprodukt und die Gerbung ein Upcycling-Prozess. Bei terracare wissen wir ganz genau, woher die Häute kommen. Wir kennen unsere Bauern, wir wissen, wo die Rinder stehen und wie sie behandelt werden. 

Herr Heinen, danke für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

Hinweis: In der forum-Ausgabe 01/2025 finden Sie ein umfangreiches Special zum Thema Leder und Next Gen-Materialien. So produziert etwa der weltweit größte Lederhersteller ISATanTec mittlerweile nicht nur umweltfreundlich hergestelltes Leder, sondern seit 2022 auch das Next Gen-Material „HyphaLite". Am besten gleich bestellen!

Kontakt: Heinen Leder, Heinrike Helm | hh@heinrikehelm.de | www.heinen-leather.de



     
        
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