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Fritz Lietsch

Barrierefreiheit

Motor für soziale Nachhaltigkeit und inklusiven Tourismus

Um eine attraktive (Urlaubs-)Destination zu sein, ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Angebote und Dienstleistungen notwendig – vor allem in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Letztere umfasst dabei nicht nur ökologische und ökonomische Maßnahmen, sondern auch soziale. Dazu gehört die Barrierefreiheit, damit Orte, Sehenswürdigkeiten, Gastronomieangebote und Dienst­leistungen für alle Menschen gleichermaßen komfortabel und frei zugänglich sind.
 
Immer mehr barrierefreie Angebote eröffnen neue Reiseziele für Menschen mit Behinderungen. © erlebe.bayern – Dietmar DengerBeim Thema Barrierefreiheit geht es nicht nur um breite Türen, barrierefreie Fahrstühle und Toiletten, sondern auch um Informationen in leichter Sprache und digitale Inhalte mit Untertiteln oder visuellen Ergänzungen für die digitale Barrierefreiheit. Schließlich soll eine Destination für alle Menschen gleichermaßen erfahr- und erlebbar sein. Dafür braucht es eine breite Palette an qualitätsorientierten, barrierefreien Angeboten und Dienstleistungen, die es auch mobilitäts- und/oder aktivitätseingeschränkten Menschen ermöglichen, eine Destination bzw. eine Reise „ohne Einschränkungen" zu erleben.

Von Barrierefreiheit profitieren alle
Diese Maßnahmen kommen nicht nur Menschen mit Behinderungen zugute, sondern bieten auch älteren Menschen, Personen mit kognitiven Einschränkungen oder Lernschwierigkeiten und Familien zusätzlichen Komfort. So ist zum Beispiel ein Wanderweg, der für Rollstuhlfahrer geeignet ist, auch ein Gewinn für Familien, die mit einem Kinderwagen unterwegs sind. Eine Texttafel in leichter Sprache spricht Kinder genauso an wie Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen. Untertitel in digitalen Medien helfen nicht nur Gehörlosen und Hörbehinderten, sondern machen digitale Inhalte auch in einer lauten Umgebung leichter konsumierbar. Der demographische Wandel verstärkt zudem die Bedeutung von Barrierefreiheit. Entsprechende Angebote und Dienstleistungen sind damit ein Segment mit Wachstums- und ökonomischem Potenzial.

Reisen für Alle
Das nationale Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle" bietet verlässliche Informationen zur Barrierefreiheit von (touristischen) Angeboten, erhoben nach einheitlichen Kriterien durch unabhängige Prüfende. Gäste können sich somit vorab über die Gegebenheiten vor Ort informieren und entscheiden, ob das Angebot ihren besonderen Komfort- und Servicebedürfnissen entspricht. Gleichzeitig hilft die Kennzeichnung dabei, touristische Anbieter noch stärker für das Thema Barrierefreiheit zu sensibilisieren. In Bayern sind bereits über 600 Angebote nach „Reisen für Alle" gekennzeichnet. Damit ist das Bundesland im deutschlandweiten Vergleich federführend! Seit 2022 sind zudem auch fünf bayerische Regionen und Städte nach „Reisen für Alle" ausgezeichnet. Bereits 2018 erhielt Ostfriesland als erste barrierefreie Reiseregion Deutschlands die Zertifizierung nach „Reisen für Alle", mittlerweile gibt es hier 180 Betriebe. 2020 folgte die Stadt Erfurt als ein nach „Reisen für Alle" zertifizierter Tourismusort.

Besonders engagiert ist auch die „Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen". Sie hat in den vergangen zehn Jahren barrierefreie Aktivangebote wie die Handbike-Touren im Lausitzer Seenland oder rollstuhlgerechte Wanderrouten in der Sächsischen Schweiz, an der Südlichen Weinstraße und in der Eifel entwickelt. Im Ruppiner Seenland gibt es nun dank der Arbeitsgemeinschaft barrierefreie Hausboottouren, im Fränkischen Seenland wurde die barrierefreie Infrastruktur an den Seen ausgebaut. Und längst gibt es weitere Pläne für die kommenden Jahre: darunter ein inklusives Sporthotel im Fränkischen Seenland, ein barrierefreies UNESCO-Welterbezentrum in Erfurt sowie barrierefreie Strandzugänge im Lausitzer Seenland.

Fazit
Barrierefreiheit ist ein entscheidender Faktor für mehr soziale Nachhaltigkeit, denn sie ermöglicht eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe, fördert Inklusion und verhindert die Ausgrenzung von Menschen mit und ohne Behinderungen. Die Tourismuswirtschaft nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und setzt mit der flächendeckenden Angebotskennzeichnung „Reisen für Alle" ein wichtiges Zeichen. Es zeigt sich zudem am Beispiel der Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen, dass durch die Zusammenarbeit von touristischen Leistungsträgern, Destinationen und Kommunen großartige Ideen und Angebote für Menschen mit körperlichen, kognitiven oder Mobilitätseinschränkungen entstehen können. Und davon profitieren letztlich alle Menschen. 


Reisen ohne Hindernisse

Erfurt zeigt, wie es geht: Auch die Krämerbrücke ist barrierefrei. © Florian Trykowski, Thu?ringer Tourismus GmbH
Im D-A-CH Raum gibt es hilfreiche und attraktive Angebote für inklusives Reisen. Forum hat eine kurze Übersicht zusammengestellt.

„Reisen für Alle" …
… ist ein Informations- und Bewertungssystem, das es dem Gast ermöglicht, die Eignung des Angebotes für seine Ansprüche eigenständig zu beurteilen. Gäste können so die Nutz- und Erlebbarkeit touristischer Angebote in Deutschland anhand verlässlicher Detailinformationen im Vorfeld der Reise prüfen und gezielt die für sie geeigneten Angebote auswählen und buchen. Grundlagen der Kennzeichnung „Reisen für Alle" sind:
  • Speziell geschulte Erheber besuchen die Betriebe und Orte und erheben Daten zur Barrierefreiheit mit Hilfe bundesweit einheitlicher Erhebungsbögen. Es handelt sich um keine Selbsteinschätzung des Betriebs.
  • Für alle Personengruppen liegen detaillierte und geprüfte Informationen zur Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des Angebotes/Objektes vor und können von den Gästen eingesehen werden.
  • Mindestens ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin hat eine Schulung zum Thema „Barrierefreiheit als Qualitäts- und Komfortmerkmal" besucht.
„Leichter Reisen" – eine Arbeitsgemeinschaft für barrierefreie Urlaubsziele
Die Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen vereint zehn deutsche Urlaubsregionen und Städte, die gemeinsam Pionierarbeit bei der Entwicklung von Reiseangeboten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, mit Hör-, Seh- und Lernbehinderungen, für Gehörlose und Blinde sowie für Familien und Senioren leisten. Zu den Mitgliedern gehören die Regionen Eifel, Ostfriesland, Sächsische Schweiz, Südliche Weinstraße, das Fränkische, Lausitzer und Ruppiner Seenland, außerdem die Städte Erfurt, Magdeburg und Rostock.

Barrierefreier Urlaub und kulturelle Inklusion in Österreich und der Schweiz
Österreich bietet barrierefreie Hotels und Restaurants, inklusive Museen und unbeschwerte Ausflugstouren in die schönsten Regionen. Die Website Austria.info bietet umfangreiche Informationen für einen komfortablen, barrierefreien Urlaub. Das Spektrum reicht von Kultur und Wellnessangeboten über Sporterlebnisse bis hin zu entsprechenden Bus- und Bahnangeboten.

In der Schweiz ist „Tourismus inklusiv" die Anlaufstelle für das Thema barrierefreier Tourismus und Reisen Die Organisation berät Menschen mit und ohne Handicap für Ferien in der Schweiz und im Ausland. Dazu sammelt sie schweiz- und weltweit Reiseinformationen für verschiedene Interessentengruppen, sensibilisiert die Reise- und Tourismusbranche mit gezielten Schulungen und begleitet und unterstützt Projekte zum Thema Barrierefreiheit.


Dieser Artikel ist in forum 04/2024 - Der Zauber des Wandels erschienen.

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