Gute Bildung Jetzt!

Wie alle Verantwortung für das Recht auf gute Bildung übernehmen können

Unser Bildungssystem steht vor enormen Herausforderungen: Lehrkräftemangel, ungleiche Chancen und mangelnde digitale Infrastruktur bedrohen die Zukunft. Doch Bildung ist der Schlüssel zu gesellschaftlichem Fortschritt und Nachhaltigkeit. Erfahren Sie, wie Unternehmen, Initiativen und jeder Einzelne Verantwortung übernehmen kann, um Chancengerechtigkeit zu schaffen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.
 
In guter Bildung liegt der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Wer gelernt hat, aktiv, eigenverantwortlich und verantwortungsbewusst zu handeln, bringt die besten Voraussetzungen mit, eigene Talente zu entdecken und Selbstwirksamkeit zu erfahren. © Chancenwerk e.V.
Unser Bildungssystem hängt am seidenen Faden. Nicht nur wird viel zu wenig investiert – die Herausforderungen, die sich in deutschen KiTas und Schulen zeigen, werden gleichzeitig immer größer. Der Soziologie-Professor und Bestseller-Autor Dr. Aladin El-Mafaalani konstatiert angesichts der aktuellen PISA-Studie und des IQB-Bildungstrends (eine regelmäßig durchgeführte Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen), dass erst in rund 10 Jahren wieder mit einem Aufwärtstrend zu rechnen sei – und das auch nur, wenn jetzt und unverzüglich die großen Stellschrauben bei Lehrkräfteausbildung, Investitionsprogrammen, Ganztagsausbau, Inklusion und Chancengerechtigkeit gedreht werden. Deshalb braucht es jetzt den ganz großen Wurf in Sachen guter Bildung. 

Bildung als Schlüssel für die Zukunft
In guter Bildung liegt der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Wer gelernt hat, aktiv, eigenverantwortlich und verantwortungsbewusst zu handeln, bringt die besten Voraussetzungen mit, eigene Talente zu entdecken und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Das sind zugleich die Grundpfeiler der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), von den Vereinten Nationen formuliert und Handlungsmaxime auch der politischen Entscheidungsträger:innen in Deutschland. Eigentlich.

Leider endet diese erfolgversprechende Reise für viel zu viele Kinder im deutschen Bildungssystem, bevor sie überhaupt begonnen hat. Die sozio-ökonomische Herkunft bestimmt maßgeblich den Bildungserfolg und damit den gesamten weiteren Lebensweg. Der berühmt-berüchtigte Bildungstrichter veranschaulicht dies seit Jahrzehnten: Während aktuell 79 Prozent der Kinder aus akademischen Haushalten studieren, liegt der Anteil bei Kindern aus nicht-akademischen Haushalten bei gerade mal 27 Prozent! Der Wert steht beispielhaft für die Schieflage in unserem Bildungssystem. Es kennt keine institutionalisierte Chancengerechtigkeit. Dabei liegt ja eigentlich gerade in den KiTas und Schulen die Chance, unterschiedliche Startbedingungen zu kompensieren. Einfach ist das nicht – schon gleiche Chancen für alle sind ein Kraftakt, Chancengerechtigkeit muss aber das eigentliche Ziel sein. 

Digitale Transformation als Chance nutzen
Wer sich gerecht behandelt, wertgeschätzt und gefordert fühlt, hat die beste Ausgangsposition, um Wissensdurst und Motivation zu entwickeln. Erst dann können die Defizite in den Basiskompetenzen abgebaut werden, die internationale Schulleistungsuntersuchungen unseren Schüler:innen attestieren und die Ausbildungsbetriebe wie Hochschulen mittlerweile erschrecken lassen. © Chancenwerk e.V.In Zeiten des Fachkräftemangels kann individuelle Förderung derweil nicht ohne Weiteres nur mit der Forderung nach mehr Personal beantwortet werden. Zur Individualisierung und bedarfsgerechten Förderung müssen die Vorteile der digitalen Transformation von Lerninhalten, engmaschige Diagnostik und ganz neue Lernformate genutzt werden, wie sie z.B. im Think Tank des Education Innovation Lab diskutiert und entwickelt werden. Wer sich gerecht behandelt, wertgeschätzt und gefordert fühlt, hat die beste Ausgangsposition, um Wissensdurst und Motivation zu entwickeln. Erst dann können die Defizite in den Basiskompetenzen abgebaut werden, die internationale Schulleistungsuntersuchungen unseren Schüler:innen attestieren und die Ausbildungsbetriebe wie Hochschulen mittlerweile erschrecken lassen. Erst dann wird es möglich sein, Zukunftskompetenzen zu vermitteln, zu denen technologische und digitale Fähigkeiten genauso gehören wie klassische Fähigkeiten wie Kreativität, Durchhaltevermögen und Resilienz.

BNE nicht als Kür, sondern als Pflicht
Wo also beginnen? Der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) könnte bei der Bewältigung der skizzierten Herausforderungen eine Schlüsselrolle zufallen. Bereits 2017 verabschiedete die Nationale Plattform BNE den Nationalen BNE-Aktionsplan für Deutschland. Das Ziel: Bis 2030 sollen alle Lernenden befähigt werden, nachhaltig zu handeln. Eine aktuelle Studie von Greenpeace und Bündnis ZukunftsBildung bescheinigt hier jedoch einen großen Nachholbedarf bei Finanzierung und Umsetzung – wenig verwunderlich bei all den ohnehin bestehenden Baustellen. Wenn BNE-zentriertes Lernen als Fundament begriffen wird, das ohnehin eine Anpassung bestehender Strukturen und Inhalte erfordert, muss das Bildungssystem gleichzeitig chancengerechter und inklusiver gestaltet werden. Auch die Lehrkräfteausbildung muss reformiert werden, was uns direkt zu den dringendsten Herausforderungen führt, die bereits zu Beginn des Artikels angesprochen wurden. BNE ist somit nicht Kür, sondern Pflicht und eine große Chance für das Bildungssystem!

Kinder und Jugendliche profitieren maßgeblich von belastbaren Beziehungen. Diese gelingen in erster Linie den Verantwortlichen in den Bildungseinrichtungen. Sie leisten großartige Arbeit, gerade wenn man berücksichtigt, unter welchen Bedingungen sie teilweise arbeiten müssen und welch große Verantwortung für unsere Gesellschaft auf ihnen lastet. Gelungene Einblicke, wie Schule in Deutschland heute schon funktionieren kann, bietet UnLearn School, eine Initiative der Organisation beWirken. 

Unternehmen und Initiativen an Bord holen
Auch viele Unternehmen engagieren sich, nämlich häufig dort, wo ihre Mitarbeiter:innen und Kund:innen ihren Lebensmittelpunkt haben und sie auf Nachwuchssuche sind. Vielen Jugendlichen fehlt es an einem gewachsenen Netzwerk, neuen Perspektiven, niedrigschwelligem Zugang. Hier kann bestens Abhilfe geschaffen werden durch regelmäßiges Engagement wie z.B. Mentoring, also die langfristige fachliche und/oder soziale Begleitung eines Mentees in Lern- und Lebensfragen. Wenn Mitarbeiter:innen regelmäßig Zeit investieren dürfen, wird das Engagement nachhaltig und identitätsstiftend. 

Unternehmen können sich auch an Ausbildungsmessen in Schulen beteiligen, in Projektwochen Schulhöfe mitgestalten und dabei ganz nebenbei die vielfältigen Professionen vorführen, die zum Gelingen benötigt werden. Auch bei solchem Engagement gilt: je regelmäßiger, desto besser – für die Einrichtungen und die Schüler:innen!

Stiftungen und Initiativen zeigen, wie es gehen kann
Kinder und Jugendliche profitieren maßgeblich von belastbaren Beziehungen. Diese gelingen in erster Linie den Verantwortlichen in den Bildungseinrichtungen. © Chancenwerk e.V.Auch eine Stiftung kann eine geeignete Form sein, Engagement zu zeigen und zu verstetigen. Stiftungen stellen einen enormen Katalysator für Innovationen dar. Dabei setzen sie entweder selbst operativ Programme um oder fördern bestehende Initiativen und Vorhaben. Kleinere Stiftungen tun sich dabei immer häufiger zusammen, um so eine größere Hebelwirkung zu erzielen, wenn manche förderwürdigen Programme die eigenen Ressourcen übersteigen. Der Kooperationswille hat sich in den letzten Jahren hier sehr positiv entwickelt.

Entweder man setzt also eigene Projekte um, die auf die bekannten Bedarfe einzahlen oder man geht auf etablierte Organisationen zu, die häufig Konzept, Erfahrung und Wirkungsmessung mitbringen. So kommt man schnell ins Tun. Denn das Engagement der Zivilgesellschaft – organisiert wie unorganisiert – ist wichtige Säule unseres Bildungssystems. Sie hat oft die Zukunft im Gepäck: Die Jungen Tüftler:innen unterstützen bei der digitalen Transformation; der FREI DAY von Schule im Aufbruch schafft verbindliche Zeiten im Stundenplan, um selbst gewählten Zukunftsfragen auf die Spur zu kommen; Chancenwerk versetzt mit der Lernkaskade Jugendliche mit fachlichen Schwierigkeiten in die Lage, trotzdem jüngere Mitschüler:innen in den Basiskompetenzen zu fördern; die Digitalen Helden wollen Medienmündigkeit und digitale Empathie stärken; Education Y begleitet Schulentwicklungsprozesse und Acker e.V. lässt mit der GemüseAckerdemie brachliegende Flächen auf dem Schulgelände zum Lernort werden, der hinterher aufgegessen werden kann. Allen gemein ist die Ausrichtung an den SDGs (Sustainable Development Goals), sie zahlen somit direkt auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ein. 

Das Bildungssystem mag am seidenen Faden hängen, aber wenn wir genau hinschauen, sehen wir, dass allen Widrigkeiten zum Trotz unermüdlich an einem Netz gesponnen wird, das niemanden zurücklassen möchte. Es ist an der Zeit, das politisch einzupreisen und den ganz großen Wurf zu starten. Wenn das mal kein Motivationsbooster ist!
 
Philip Kösters ist seit 2009 Mitglied der Geschäftsleitung bei Chancenwerk e.V. mit den Schwerpunkten Standortentwicklung, Kooperationen und Netzwerkarbeit. Seit 2022 ist er zudem Mitglied des ehrenamtlichen Vorstandes im Bundesverband Innovative Bildungsprogramme (BIB). 

Kontakt: Chancenwerk e.V. | philip.koesters@chancenwerk.org | www.chancenwerk.org



     
        
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