Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.
Christoph Quarch

Negativjournalismus beschleunigt die Erosion der demokratischen Kultur

Christoph Quarch fordert von den Medien eine klare Trennung von Meinungsäußerung und Berichterstattung

Lisa Paus hat sich blamiert. So die einhellige Meinung von Berichterstattern und Kommentatoren, nachdem die ZDF-Sendung Berlin-Direkt den Ausschnitt aus einer Pressekonferenz zeigte, bei der die Bundesfamilienministerin keine Antwort auf die Frage fand, was sie davon halte, das Bekenntnis zu Israel zur Einbürgerungs-Voraussetzung zu machen. Das Video zeigt eine verlegene Ministerin, die sich ihrem Pressesprecher zuwendet, der dann für sie einspringt. Die Kommentare reichen von „peinlicher Blackout" bis „Fremdschäm-Interview". Dürfen sich Bundesminister einen solchen Fauxpas erlauben? Darüber sprechen wir mit unserem Philosophen Christoph Quarch.
 
Herr Quarch, haben auch Sie sich beim Ansehen des Paus-Videos fremdgeschämt?
© OpenIcons, pixabay.comÜberhaupt nicht. Eher schäme ich mich fremd, wenn ich mir anschaue, wie unsere journalistischen Kollegen darauf anspringen. Denn da sehe ich eine mir bedenklich Lust daran, Politikerinnen und Politiker schlecht aussehen zu lassen – wenn nicht gleich: fertigzumachen. Naheliegenderweise trifft diese Lust vornehmlich den politischen Gegner im Allgemeinen und – als aktueller Modetrend – die Ampel im Besonderen. Ich finde das bedenklich, denn auf diese Weise wird ein öffentliches Klima der Unzufriedenheit und Gehässigkeit genährt, von dem nur die Feinde der Demokratie profitieren. Die Wahlerfolge der AfD sprechen Bände.

In einer Demokratie sind die Medien aber doch zu einer kritischen Berichterstattung verpflichtet. Lobhudelei und Hofberichterstattung haben da keinen Platz. Wollen Sie dieses journalistische Ethos in Frage stellen?
Keineswegs. Mir geht es gerade um das journalistische Ethos, das ich vor langen Jahren als Volontär gelernt und als Chefredakteur praktiziert habe. Dazu gehört die klare Trennung zwischen Meinungsäußerung und Berichterstattung. Diese feine, aber für einen sachgemäßen demokratischen Diskurs dringend notwendige Demarkationslinie wird selbst in Qualitätsmedien immer häufiger überschritten. Sie haben den Focus zitiert. Dessen Bericht über den Vorgang ist mit „peinlicher Blackout" betitelt. Das ist eine klare Meinungskundgabe, die in einem Bericht nichts verloren hat. Und so geschieht es dauernd. Die Ampelkoalition „diskutiert" nie, sondern „streitet" immer. Das sind subtile Wertungen, die das journalistische Ethos untergraben und den öffentlichen Diskurs vergiften.

Zurück zu Frau Paus: Die Frage, die sie nicht beantworten konnte, war ja nicht irgendeine Frage. Es ging um den Vorschlag eines CDU-Politikers, ein Bekenntnis zu Israel zur Einbürgerungsvoraussetzung zu machen. Darauf muss eine zuständige Ministerin doch antworten können. Zumal in der jetzigen Situation.
Ich sehe das anders. In meinen Augen haben auch Politikerinnen das Recht, nicht jederzeit alles wissen zu müssen; einfach deswegen, weil sie nicht alles wissen können. Genau deshalb gibt es einen Pressesprecher, der bei der Pressekonferenz zugegen ist. Es ist vollkommen in Ordnung, dessen Dienste in Anspruch zu nehmen. Es ist allemal besser dies zu tun, als rumzueiern oder Fragen nicht korrekt zu beantworten. Wenn jemand etwas nicht weiß oder um eine Antwort verlegen ist, dann ist es in meinem Verständnis fair, nachsichtig zu reagieren, anstatt einen Skandal daraus zu machen. Angesichts dieser aufgeregten Empörungsmaschinerie kann ich jeden verstehen, der heute davor zurückschreckt, in die Politik zu gehen. Aber wenn das passiert, ist die Demokratie in Gefahr. Das sollten Journalisten wissen.

Aber es kann auch nicht die Aufgabe der Medien sein, wegzuschauen, wenn Politiker Fehler begehen.
Völlig einverstanden, aber es geht ums Wie. Nach meinem Dafürhalten neigt die deutsche Medienlandschaft zu einem reflexartigen Negativjournalismus. Das liegt nicht daran, dass die Regierung so schlecht wäre und einen Fehler nach dem anderen beginge. Das liegt daran, dass die Medien einer Aufmerksamkeitsökonomie unterworfen sind, die sie zwingt, möglichst viel der Aufmerksamkeit der Konsumenten auf sich zu lenken. Und wie macht man das? Indem man meckert, nörgelt, Empörung säht. So wird ein negatives Klima erzeugt, in dem die Menschen begierig alles aufsagen, worüber sie noch mehr lästern können. Wenn das Ganze gegen die aktuelle Regierung gemünzt wird, freut sich zwar die Opposition – doch sie verkennt den Preis, den wir dafür zahlen müssen: die Erosion der demokratischen Kultur.
 
Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig Wirtschaften. © Christoph Quarch

Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
 
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.

Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de

Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel". 

Weitere Artikel von Christoph Quarch:

Wer an die Sonnenfinsternis glaubt, kann den Klimawandel nicht leugnen
Christoph Quarchs Überlegungen zur Sonnenfinsternis am 12. August
Was haben Grönland und Spanien, Portugal und Island gemeinsam? Richtig, von dort aus kann man am kommenden Mittwoch eine totale Sonnenfinsternis beobachten - und zwar eine ganz besondere, weil sich der Schatten des Mondes erst kurz vor Sonnenuntergang so vollständig auf die Erde legen wird, dass auch ungeübte Augen - natürlich durch die entsprechenden Schutzgläser - die flammende Corona der Sonne erkennen können. Dieses Spektakel wollen sich viele Menschen nicht entgehen lassen.


Urlaub machen, wo die Feuerwehr im Dauereinsatz ist?
Christoph Quarchs philosophischer Blick auf die verheerenden Brände in Südeuropa und jetzt auch Schottland
Unermüdlich ringen die Feuerwehrleute im Südwesten Frankreich mit einer beispiellosen Feuersbrunst, vor der Hunderttausende evakuiert werden mussten und die schon ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legte. Auch Spanien kämpft seit Wochen mit Waldbränden. Auf der griechischen Insel Paros mussten die Einwohner an den Strand fliehen, um den Flammen zu entkommen.


Erfolgreicher Kinostart von "The Odyssee" in USA
Der Philosoph und Mythologie-Experte Christoph Quarch analysiert, was uns der Anti-Held heute sagen kann
"Die Odyssee" von Christopher Nolan ist angelaufen - ein Film, der schon vor der Premiere kontrovers diskutiert wurde. Lobeshymnen kommen aus der Gaming-Branche, die sich an der epischen Bildsprache ergötzt, griechische Medien beklagen, dass keine griechischen Akteure gecastet wurden. Und Elon Musk ereifert sich mit rechten US-Influencern darüber, dass die Rolle der schönen Helena von einer Farbigen gespielt wird.


Der Rummelplatz als Kulturgut
Christoph Quarchs Gedanken zur Volksfestzeit
Sommerzeit ist Volksfestzeit: Ob Kirmes, Schützenfest oder Jahrmarkt - an vielen Orten werden im Juli und August die Festzelte aufgebaut. Nicht nur zur Freude der Besucher, sondern auch einer ganzen Branche: Tatsächlich haben sich Volksfeste hierzulande zu einem erfolgreichen Wirtschaftszweig entwickelt. Mit Stolz vermeldet der Deutsche Schaustellerbund DSB, dass in Deutschland jährlich rund 10.000 große und kleine Volksfeste von mehr als 200 Millionen Menschen besucht werden.


By the dawn's early light
Christoph Quarchs Überlegungen zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika
Am 4. Juli jährt sich zum 250. Mal die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, mit der sich 13 nordamerikanische Kolonien von der britischen Krone lossagten und damit den Grundstein für die heutige USA legten. Und nicht nur das: Die Autoren - allen voran Thomas Jefferson - begründeten ihren Schritt durch die Berufung auf allgemeine und unveräußerliche Menschenrechte.




     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
Transformation as a Service. Engegie | KI | Cyber | ESG - aus einer Hand | Zum Festpreis.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Hinaus in die Wildnis!
Christoph Quarchs Blick auf die junge Kulturgeschichte von Naturschutz und Naturtourismus
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

36 Grad und es wird immer heißer...

Erneute Extremhitze: Verbände fordern Hitzegipfel

Hitze gefährdet die Trinkwasserversorgung

Mehr Präsenz für Innovationen und eine nachhaltige Zukunft!

Die Bundesregierung bremst die Energiewende!

Hitzeschutz muss zur Pflichtaufgabe des Staates werden

Deutschland droht der Hitzekollaps - Regenwasser wird zum wichtigsten Rohstoff der Zukunft

Wer an die Sonnenfinsternis glaubt, kann den Klimawandel nicht leugnen

B.A.U.M. Insights
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • ZamWirken e.V.
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • NOW Partners Foundation
  • SUSTAYNR GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • WWF Deutschland
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • 66 seconds for the future
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)