Brennpunkt: Krieg und Klima

Ein Kommentar von Fritz Lietsch

Wenn Waffen sprechen, regieren Tod und Angst und die Seele verstummt.

© Adobe Stock / KKFNun währt der Krieg in der Ukraine schon über ein Jahr. Die Zahl der Todesopfer geht bald in die Hunderttausende und der materielle Schaden vermutlich bereits in die Billionen. Und während wir täglich mit neuen Meldungen und endlosen Diskussionen um Panzerlieferungen und Langstreckenraketen bombardiert werden, frage ich mich:
  • Warum erfährt man so wenig über Anstrengungen der Diplomatie?
  • Warum hört man so viel über Kriegsgerät und so wenig über Friedensforschung?
  • Wie kann es angehen, dass aberwitzige und sogar noch steigende Investitionen in Kriegsgerät und Aufrüstung erfolgen, aber zu wenig Geld vorhanden ist zum Beispiel für Bildung, Klimaschutz oder Schuldenerlass?
  • Warum darf mit Tötungsprodukten noch immer so unglaublich viel Profit gemacht werden und wer macht diese Profite?
  • Warum lagern in den Arsenalen noch immer so unglaubliche Vorräte an Atomsprengköpfen, obwohl doch der Kalte Krieg beendet schien?
  • Warum bekommen diese Themen und vor allem konstruktive Lösungen in unseren Medien so wenig Raum – dafür aber Kriegsgepolter zu besten Sendezeiten?
Vielleicht – weil Angst gefügig macht…

Hoffnung, Begeisterung, Lösungen
Dieser Angst möchten wir etwas gegenüberstellen: Mut, Hoffnung, Begeisterung und Liebe. Wir zeigen Beispiele von konstruktiven Lösungen und laden Sie ein, gemeinsam mit uns solche Bilder entstehen zu lassen, wie wir uns die Welt vorstellen. Blühend und sich entwickelnd. Mit fruchtbaren Landschaften, grünen Städten, lebenswerten Gemeinschaften. Mit Kommunikation und Dialog statt Konfrontation und Krieg. Der Friede beginnt bei einem jeden von uns: Mit Toleranz und Großzügigkeit, mit einem Teilen in Achtung und Würde. Und so möchte ich Sie einladen, aktiv zu werden. So wie wir bereits gemeinsam aktiv sind für Umwelt- und Klimaschutz.

Der Preis ist heiß
Die Anzahl und Verteilung von Kampfpanzern in der NATO spricht eine eindeutige Sprache. Weitere Informationen, auch zur globalen Bewaffnung, findet man auf Statista.Die Toten, die der Krieg fordert, sind schlimm genug. Doch Krieg und Militär gehören auch mit zu den größten Verursachern von Treibhausgasen und Umweltzerstörung weltweit. Ihren Einfluss genau zu beziffern ist kaum möglich: Die internationalen Klimakonventionen klammern diesen Bereich völlig aus und sehen weder Emissionsziele noch Berichtspflichten hierfür vor. Dasselbe gilt für nationale Klimaschutzberichte. Die energieintensive Produktion der Rüstungsfirmen unterliegt bisher keiner umfassenden Rechenschaftspflicht. Dennoch lassen sich aus den vorliegenden Teilstudien seriöse Schätzungen ableiten. Der derzeitige UN-Generalsekretär António Guterres hat immer wieder öffentlich geäußert, dass Rüstung und Militär für etwa 5 bis 6 Prozent der Treibhausgase weltweit verantwortlich seien. Wie gering dünkt mich da meine reduzierte Zimmertemperatur, mein Radfahren oder mein Verzicht auf die Urlaubsreise im Vergleich zum Energieverbrauch eines Panzers oder eines Raketenstarts! Wollen wir lieber zwei Stunden Panzer fahren, statt zum Beispiel ein Haus für ein Jahr heizen zu können?

Was kann ich alleine ausrichten?
Die weltweiten Militärausgaben stiegen seit 2005 um mehr als 30% und betrugen 2021 erstmals über zwei Billionen US-Dollar.
Ähnliches fragen sich viele Menschen verzweifelt und wollen nicht glauben, dass mehr Waffen anstatt Diplomatie zu Frieden führen soll. Aber sobald man aus der Lähmung der Angst oder des Verdrängens auftaucht und sich einbringt in die Gestaltung von Aktionen und Lösungen, kommen die Kraft und die wirkliche Lebensfreude zurück. Und von diesen Aktionen und Projekten gibt es viel mehr als Sie denken
.
Wir arbeiten gegenwärtig am Thema „Peace Games" – ein völkerverbindendes Projekt, das Musik, Sport, Wirtschaft, Stiftungen und Politik vereint, um gemeinsam Frieden zu stiften. Wir aktivieren die begeisternde Kraft des Sports, der Musik und des Spielens, NEIN zu sagen zu Krieg, Ausbeutung und Zerstörung von Lebensgrundlagen.

Als ein Wirtschaftsmagazin wollen wir nicht nur Unterdrückung und Ausbeutung ächten, sondern auch Profitgier und Rücksichtslosigkeit gegenüber Mensch und Umwelt – welche nicht selten in Krieg münden. Gleichzeitig bestärken wir das JA zu Solidarität, Hilfe in der Not, zu sinnvollen Innovationen und zu regenerativem Wirtschaften.

Macht mit…
… bei der Organisation von weltweiten Friedensspielen, die Waffenpausen stiften, die helfen Freundschaften zu schließen, die helfen, den Hass zu besiegen und den Hunger zu stillen. Wer macht mit, Friedensmärsche – am besten bis nach Kiew und Moskau – zu realisieren? Bitte organisiert Solidaritätskundgebungen, die zeigen, dass wir den Kriegsopfern jeder Seite unser ganzes Mitgefühl entgegenbringen. Wir sind gemeinsam gegen jedwede Ausgrenzung, denn genau diese beschwört den nächsten Konflikt herauf. Lasst uns denjenigen, die sich unentrinnbar in eine Ecke des Hasses und der Gewalt manövriert haben, dabei helfen wieder herauszukommen, ohne vorher die halbe Welt zu zerstören! Nicht nur Deutschland hat diese Gewaltspirale schon einmal in erschreckendem Maße bis zum bitteren Ende erleben müssen…

Unsere Solidarität sollte deshalb den Menschen in der Ukraine genauso wie den unterdrückten und der Manipulation ausgesetzten Menschen in Russland gelten.

Es beginnt immer mit einem ersten Schritt
© Fattoria la Vialla
Helfen wir mit, dass sich Menschen wieder verbrüdern. Laden wir ein, zu Gesprächen, Tanz und Geselligkeit, zum Austausch und zu „Spielen ohne Grenzen". Helfen wir mit, dass Russen und Ukrainer wieder an einem Tisch sitzen, so wie ich es als Kind in Frankreich erleben durfte: Wir besuchten die französische Familie, in der mein Onkel Sebastian als Kriegsgefangener arbeiten musste. Es kam zur Aussöhnung und in der Folge zu einer Freundschaft, die bis heute immer größere Kreise zieht. Dann ein Besuch bei den Südfranzosen, die auf dem Bauernhof meiner Oma fünf Jahre ihres jungen Lebens als Zwangsarbeiter dienten. Sie berichteten, wie gut sie sich in der Familie behandelt gefühlt haben und dass sie gerne den jungen Sebastian unterstützten, als dieser nach dem Krieg wiederum in Frankreich seine Gefangenschaft erlitt. Sehr schnell wurden die Weinflaschen geöffnet und auf friedliche Zeiten angestoßen
.
Doch viele Wunden sitzen tief: Bei dem ersten gemeinsamen Essen weigerten sich die Großeltern entschieden, sich mit den „Salles Boches" – also mit den dreckigen Deutschen – an einen Tisch zu setzen. Zu nahe waren für sie noch die schrecklichen Erlebnisse des ersten und zweiten Weltkrieges. Umso berührter war ich, als sich die französischen Großeltern beim Folgebesuch zu uns deutschen Kindern gesellten und dann schließlich auch am gemeinsamen Tisch saßen.

Nur im Frieden entsteht die Schönheit
Deshalb: Setzen wir uns gemeinsam an einen Tisch und danken, was die Natur uns schenkt. Gemeinsam, in Frieden, Eintracht und Zusammenarbeit können wir Großartiges erreichen. Nur im Frieden, ohne Habgier und ohne Angst meistern wir die großen Herausforderungen – allen voran den Klimawandel. SDG 17 lässt grüßen. In diesem Sinne: Bitte senden Sie uns vielversprechende Friedensinitiativen, wir stellen diese Print und online vor.

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2023 mit dem Schwerpunkt: Zukunft gestalten - Krieg & Klimakatastrophe erschienen.



     
        
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