Den Frieden wagen!

Zuschriften unserer Leser

Wir von forum haben unsere Leser aufgerufen, uns zu schreiben, was sie zum Thema Ukraine-Krieg bewegt. Hier einige Antworten:
 
Hallo Herr Lietsch,

Viele unserer Leser werben für eine friedliche Lösung im Ukraine-Krieg. © Gordon Johnson, pixabay.comich wäre bei einem großen Friedensmarsch dabei! Ich finde diesen Krieg, das Töten, die sinnlose Zerstörung, das Leid und das grundlose Schüren von Hass und Vorurteilen (auf russischer Seite) unerträglich und möchte gerne etwas dagegen tun. Viel zu lange schon sehen wir alle tatenlos zu. Man müsste auch den direkten Kontakt zwischen den Menschen hier und in Russland ankurbeln ...

Viele Grüße
C. G.
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Verehrter, lieber Herr Lietsch,
dieser Krieg ist von außen nicht "beizulegen". Es ist ein Krieg, kein Konflikt; sondern das Ende der Eskalationsdynamik eines Konflikts im Abgrund der Gewalt. Nur eine Kriegspartei, die den Krieg selbst überwinden will, kann auch diesen Abgrund überwinden. Das könnte meiner Einschätzung nach realistischerweise nur die Ukraine sein.
 
Und dazu braucht's ein Wunder: Das Volk in der Ukraine, das sich selbst überwindet – und auf die Kriegsziele des Gegners in friedlichen Verhandlungen einzugehen bereit ist. Schließlich ist die unmittelbare Phase der immer berechtigten Notwehr erkennbar vorbei. Sie ist einer anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzung gewichen, bei der inzwischen längst beide Seiten Angreifer im "Dienst" ihrer Sache geworden sind. Diese Sachen wären jeweils zu verhandeln, meine ich; und zwar seit viel zu langer Zeit schon! Die Kosten sind in jeder Hinsicht maßlos hoch – und unsäglich sinnlos. Das Volk bezahlt sie, wartet auf das Wunder – und kämpft weiter...
 
Alle noch so gut gemeinte Einflussnahme von außen ist aussichtslos. Lediglich die Signale einer kompromisslosen Friedenshaltung mögen indirekt die Stimmung wenden helfen. Kontaktmöglichkeiten sind ja reichlich vorhanden. Aber dazu fehlt's von außen offenbar genauso wie von innen. Eine Schande!

Ihr
F. S.
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Lieber Herr S.
ich fürchte, Sie haben recht. Aber wenn man 3 Prozent der Menschen auf beiden Seiten gewinnen könnte, durch einen riesigen Friedensmarsch, denken Sie das könnte helfen?
 
Herzliche und bewegte Grüße
Fritz Lietsch
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Ja. Das würde helfen!
Danke für Ihr Engagement!!

Von Herzen -
F. S.
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Lieber Herr Lietsch!
In meiner Verzweiflung zum aktuellen Weltgeschehen habe ich mich darauf besonnen, dass alles bei einem selbst anfängt und bemerkt, dass ich nicht gut streiten kann und das auch nicht entsprechend an meine Kinder weitergegeben habe. Und genau da setze ich im Moment an: Ich versuche bei mir und in der Familie Frieden zu stiften. Das bedeutet für mich auch, dass wir streiten aushalten und aktiv wieder Frieden schließen. Mit Kommunikation und Gesten. Sich angucken, respektieren und in den Arm nehmen. Bewertungen erkennen und aus der Diskussion rausnehmen. Und auch mal wieder auf das Gute schauen, es ansprechen und wertschätzen. Wenn wir alle anfangen, "vor unserer eigenen Tür zu kehren", ist vielleicht schon der halbe Weg zum Frieden bereitet. Das ist auf jeden Fall ein Teil meines Weges.
 
Vielen Dank für Ihre Impulse zum Frieden.

Ihre F. H.
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Lieber Fritz,
danke für deinen Aufruf der Verzweiflung – oder des Mutes. Beides geht ja Hand in Hand in einer Zeit wo wir noch nie so wissend zu den Unterschieden zwischen Marder, Puma und Leopard waren wie heute, wo hier in Mecklenburg mutige Konzerte zu Frieden und Demokratie stattfinden, im lokalen Theater eine Veranstaltung zu Puschkin, wo die Montagsdemos sich verstetigen und im Nachbardorf schon mal Reichsbürger wohnen. Aber nein, die Mehrheit ist nicht für Russland, sie respektiert nur, dass dieses Land seine eigene verzweifelte Geschichte hat und für viele, die hier geboren sind, sind die Russen Befreier gewesen. Kaffeegespräche mit netten altlinken (intellektuellen) Nachbarn, die aus dem Westen hergezogen sind, enden schon mal in aggressiven Diskussionen, warum weit mehr Waffen nötig sind und Verhandlungen unmöglich sind, und Teegespräche mit netten (intellektuellen) Nachbarn aus dem Osten machen klar: Für uns sind die Russen Freunde und die Ukrainer Freunde – es muss verhandelt werden. Was ich sagen will: In mentaler Kriegslogik (und da befinden wir uns) gehen die so notwendigen Differenzierungen, die Vielschichtigkeit, die genaue Recherche, verloren. Es darf nur richtig oder falsch geben. Das Wörtchen „und" wird zunehmend versteckt.
 
Zugleich gibt es seit einem Jahr eine nie dagewesene Selbstorganisation von menschlicher solidarischer Unterstützung, eine neue Zusammenarbeit zwischen Staat und Gesellschaft – und eine enorme Stärkung der ukrainischen Zivilgesellschaft. Wir sind als Collective Leadership Institute dicht dran, weil eine unserer Mitarbeiterinnen aus Kiew ist, im Bunker arbeitet, gelegentlich mit ihrem Sohn zu ihrer Mutter nach Lviv flüchtet und das Angebot nach Potsdam zu kommen, ausgeschlagen hat, weil sie ihr Land nicht verlassen will und dort in Netzwerken aktiv ist. Unsere ehemaligen Partnerschaftsprojekte mit den Oblasten im Donbaß und mit dem ukrainischem Gesundheitssektor waren dafür hilfreich, sie haben zu der Stärkung von Netzwerken beigetragen, die jetzt so wahnsinnig wichtig sind (www.collectiveleadership.de/blog/article/projects-in-europe/).
 
Dass verhandelt werden muss, liegt auf der Hand. Dass die weitere militärische Unterstützung der Ukraine dazu dienen soll, ihre Verhandlungspositionen zu stärken, ist prinzipiell auch klar. Nur offene Briefe zu schreiben nützt nichts, weil die Frage ist: Wer soll wem denn sagen, dass wer verhandeln soll? Andererseits  scheint die Hoffnung auf diplomatische Hintergrundgespräche einflussreicher Staaten fehl am Platz zu sein.
 
Was also würde ich vorschlagen, wissend, dass in dieser Situation fast alle Vorschläge anmaßend sein müssen und die diplomatische Lage schwer zu durchblicken ist.
  • So heikel wie die Lage ist, dennoch: Für die Menge an Militärstrateg*innen (es sind ja zunehmend auch Frauen), die in die Medien kommen, eine Gegenstrategie entwickeln: Expert*innen zum Thema Waffenstillstandsverhandlungen, Historiker*innen dazu, Beispiele aus anderen Kriegssituationen, Ländern. Einen „Lösungsdiskurs" in Gang setzen aus der Zivilgesellschaft heraus (Politiker*innen kann man dafür aus diplomatischen Gründen gerade nicht gewinnen). Dafür eine Medienallianz aufbauen.
  • Konsequent das andere Gesicht von Russland (und Belarus) in den Medien zeigen: So schwer politischer Widerstand in Russland und Belarus derzeit ist (wir hatten auch dazu ein Projekt) – es muss konsequent sichtbar bleiben. Es gibt nichts schlimmeres als in einem totalitären Staat zu leben und in seinem Widerstand nicht sichtbar zu sein und zu wenig Unterstützung zu bekommen.
  • Eine (kleine) Konferenz organisieren (nicht unbedingt an die große Glocke hängen) von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Verhandlungsoptionen explorieren können und wollen. Dafür Expert*innen zu Verhandlungen hinzuziehen. Das Ausweiten auf eine europäische Allianz. Frage: Gibt es auch in der Ukraine Organisationen, die Verhandlungen wollen?
  • Die Grundidee, die noch nicht ausgereift ist: Nur ein starkes Netzwerk von Organisationen (oder Netzwerk von Netzwerken) kann der derzeitigen (nachvollziehbaren, aber zweifelhaften) Militarisierungsspirale etwas entgegen setzen. Und für die Bewältigung des Klimawandels brauchen wir das sowieso.
  • Friedensmarsch: kommt drauf an, wo und wie. Die Frage ist, ob es als Demo etwas bringt, wenn ein Friedensmarsch tatsächlich in die Ukraine gehen soll, flippt wahrscheinlich als erstes das ukrainische Militär aus…
Mit besten Grüßen
P.
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Liebe P.
Große Klasse, auch das schlagen wir vor: Neben 100 Milliarden Sonderbudget für Waffen 1 Milliarde Sonderbudget für die Entwicklung von Friedensinstrumenten. Warum redet darüber keiner?
Ich denke an einen sehr großen Friedensmarsch nach Moskau und Kiew…
 
LG
Fritz
 
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Petition für eine Verhandlungslösung.

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