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100 Milliarden für den Tod…

Der aktuelle Kommentar von Fritz Lietsch

Unter dem Kommentar finden Sie einen Auszug aus den vielfältigen Reaktionen, die den Autor erreicht haben.
 
100 Milliarden für den Tod – so habe ich den Newsletter dieser Woche eingeleitet. 100 Milliarden will Deutschland zusätzlich für die Aufrüstung der Bundeswehr investieren. Aus meiner Sicht: purer Wahnsinn und eine „komplette Fehlinvestition". Ganz zu schweigen davon, dass jede Waffe potenziell einen Menschen töten kann.
 
Der Grund für meine entschiedene Haltung: Ich stamme noch aus einer Generation, deren Väter im Krieg waren. Und mein Vater wurde nicht müde, zu bekräftigen: „Ich war im zweiten Weltkrieg und sage: Wer Kriegswaffen herstellt, ist ein Verbrecher. Wer Kriegswaffen nutzt, ist ein Verbrecher. Und diese Verbrecher sind auch unter uns…"

Die Produktion von Angriffswaffen muss geächtet werden. Weltweit.    
100 Milliarden Euro macht die Bundesregierung für die Aufrüstung locker. © maja7777, pixabay.comDer Angriff auf Ukraine ist durch nichts zu rechtfertigen. Doch neben der angebrachten Verurteilung des russischen Vorgehens ist es auch mal angesagt, über das große Geschäft mit Waffen zu sprechen. Über die Absatzmärkte, die Profite, die Drahtzieher. Über diejenigen, die an den Waffen verdienen. Und es muss darüber gesprochen werden, wofür Geld da ist und wofür nicht, angesichts steigender Hungersnöte, angesichts des beschleunigten Klimawandels. Kriege, egal durch wen und wo verschärfen Not, Elend und Umweltzerstörung.
 
Das Leid der Menschen erleben und erleiden wir gegenwärtig in aller Schrecklichkeit.  Aber auch die CO2-Belastung durch die Herstellung von Kriegswaffen, durch Manöver, Übungsflüge, Mobilisierung und Reparaturen ist blanker Unsinn. Kriege sind absoluter Wahnsinn. Darüber wer, warum und wie Drahtzieher für bewaffnete Konflikte ist, sollten unsere Medien investigativ berichten. Auch hier gelten – wie auch schon bei anderen globalen Krisen – die zwei lateinischen Redewendungen „cui bono?" – also „wem gereicht es zum Vorteil?" bzw. „wem nützt es?" sowie „divide et impera" – „teile und herrsche" - oder, etwas ausführlicher erklärt: Stifte Unfrieden unter denen, die du beherrschen willst! Ein legendäres, sprichwörtlich gewordenes Prinzip der altrömischen Außenpolitik, das wir gerade erleben. Unter diesen Gesichtspunkten sollte das Handeln unserer Politiker bewertet und beurteilt werden.

Gemeinsam stärker: 2 Billionen weltweit, jährlich…

Statista berichtet: „1,9 Billionen US-Dollar wurden laut Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri 2019 für die Bewaffnung und den Unterhalt von Armeen ausgegeben. Zu diesem neuen Rekord trug auch Deutschland schon vor dem Aufrüstungsbeschluss mit einem Ausgabenanstieg von zehn Prozent bei. Insgesamt wurden hierzulande für Rüstungszwecke 49,3 Milliarden US-Dollar ausgegeben - das sind 2,6 Prozent der globalen Militärausgaben beziehungsweise 1,3 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Aber die Nummer eins des Rüstungs-Rankings sind die USA (38 Prozent/4,9 Prozent) vor China und Indien. Der Musterschüler Deutschland klettert somit vom neunten auf den siebten Platz.
 
© statistica  © Statistica
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
© Statistica 
Diesen Zahlen ist aus nichts hinzuzufügen außer …

Wer verdient am Krieg?
Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Es gibt auch „Profiteure" von Kriegen.  In einem Bericht des renommierten Handelsblattes von 2014 heißt es dazu: Als 1918 klar war, dass es eigentlich nur Verlierer gab, konnten die USA von sich behaupten, zur Großmacht aufgestiegen zu sein. „Während die Europäer einander totschlugen und ruinierten für vergleichsweise belanglose Landstriche, stieg durch friedlichen Handel eine Nation zur alle überflügelnden Weltmacht auf, die, für europäische Verhältnisse, gar keine Armee hatte", urteilt der Historiker Jörg Friedrich in seinem Buch „Der Weg nach Versailles". Als das Fiskaljahr der Vereinigten Staaten am 30. Juni 1914 endete, wies das Land einen Exportüberschuss von einer Milliarde Dollar aus (nach heutigem Geldwert). Drei Jahre später war die Summe auf 82 Milliarden Dollar gestiegen. Nie zuvor in ihrer Geschichte erlebten die Amerikaner einen ähnlich hohen Zuwachs. Nachgefragt wurden vor allem Rüstungsgüter. Der Handel mit Munition etwa stieg in dieser Zeit um das 300-fache.
Es bleibt also die Frage: Wer verdient an diesem Krieg in der Ukraine, der so viel Leid und Sterben verursacht, und wem nützt er?

Was kostet ein Krieg?
Neben all dem Blutzoll, der durch nichts gerechtfertigt werden kann, haben Kriege eine immense wirtschaftliche Dimension. Experten haben berechnet, dass man schon mit den Ausgaben für den ersten Weltkrieg hätte die gesamte Sahara begrünen können. Die Ausgaben für den zweiten Weltkrieg waren noch viel höher – und beliefen sich auf viele Billiarden Dollar. Die Schäden und Zerstörungen noch nicht mitgerechnet.
Nichts rechtfertigt also die Herstellung von Angriffswaffen, die nicht nur gewaltige Mittel verschlingen, sondern auch Zerstörungen in unglaublichen Dimensionen verursachen.

Bleiben Sie kritisch – seien Sie konstruktiv
Fritz Lietsch, © privatMein Fazit: Kriege haben noch nie die wirklichen Probleme und Ursachen von Konflikten beseitigt. Denen sollten wir uns zuwenden, wenn wir uns auf diesem Planeten nicht selbst ausrotten wollen. Deshalb laden wir alle Leser von forum ein, uns ihre Sicht der Dinge zu senden, denn wir wollen alle Seiten der Medaille beleuchten und nicht, wie leider immer mehr Medien, nur eine Seite. Warum werden die einen Staaten wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen vom Westen geächtet, während zum Beispiel Saudi-Arabien, der weltgrößte Finanzier des Terrors, und China diesbezüglich ungeschoren davonkommen. Es gilt vieles zu hinterfragen. Cui bono?
 
Und: Wir stellen viel weniger als die Probleme vor allem gerne die Lösungsvorschläge vor. Denn, um mit einem weiteren Stichwort zu enden: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
 
Ich freue mich auf Ihre Vorschläge.

PS: Nicht nur der Krieg trifft „den kleinen Mann" ganz besonders. Auch die Inflation, für die es nun ja eine plausible Erklärung gibt… Dazu mehr in den nächsten Wochen.

Fritz Lietsch ist Diplom-Kaufmann, hat BWL und Werbepsychologie studiert und ist Chefredakteur von forum Nachhaltig Wirtschaften.

Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an Alrun Vogt: a.vogt@forum-csr.net

Hier ein Auszug der vielfältigen Reaktionen, auf die Fritz Lietsch alle reagiert hat:

Hallo Herr Lietsch,
die Analyse ist richtig. Und wer hat die EU autorisiert für 500 Mrd Waffen zu finanzieren? Was sind das für gemeinsame Werte? Und für welches zukunftsträchtiges Ziel?

Es fehlen aktuell die Denker in der Politik und die kritischen Mahner in den Medien.
Hoffen wir, dass es keinen Weltkrieg gibt, denn die Rhetorik passt ja schon.
M.R.

Guten Morgen Herr Lietsch,
wir können uns nicht mehr verteidigen. Den Österreichern geht es auch nicht anders. Was sollen wir tun, wenn Putin einen NATO-Partner angreift? Wieder 5.000 Stahlhelme senden?
Mit freundlichen Grüßen
R.K


Sehr geehrter Herr Lietsch,
ja, ich finde über die 100 Milliarden müssen wir sehr kritisch diskutieren. Das geht aber in meinen Augen auch ohne, dass wir Frau Wagenknecht immer und immer wieder eine Bühne für ihre mittlerweile doch sehr skurillen Äusserungen geben. Es gibt durchaus auch in den Reihen der Koalitionspartner*innen Abgeordnete, die man hier zu Wort kommen lassen könnte.

Schade. Grüße,
Z.B.

 

Vielen Dank, Herr Lietsch, für Ihre klaren Worte!! Der mediale Gleichklang, dass die gigantische Aufrüstung unvermeidlich sei, ist unerträglich…
Viele Grüße
H.L

 

Hallo,
100 Milliarden für den Frieden, Und die Verteidigung der Demokratie. Damit wir weiter am Klimawandel arbeiten können. So könnte man es auch sehen, angesichts dessen, daß der Mann in Moskau wohl vor nichts zurückschreckt. Klimawandel unter Putins Herrschaft erscheint mir nicht erstrebenswert.
Gruß,
E.G.

Sehr geehrter Herr Lietsch,
nehmen Sie mich von Ihrer Liste. So vereinfachte Sichtweise ist nur dumm.
Mfg
J.R.



Sehr geehrter Herr Lietsch,
wir möchten Ihnen ausdrücklich für Ihren Kommentar zur 100-Mrd.-Aufrüstung danken.

Es ist derzeit schwierig und es bedarf eines starken Rückgrats, eine andere Meinung zu haben als der oberflächliche und manipulierte Mainstream. Das betrifft die Corona-Hysterie ebenso wie das, was sich jetzt in der Folge des Ukraine-Kriegs aufbaut. Umso wichtiger ist es, diese Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern und nicht still zu schweigen.
K-H.J



Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündigen wir den Newsletter.

Mit freundlichen Grüßen 
E.S.

 

Sehr geehrter Herr Lietsch,
ich würde das gerne mit Ihnen diskutieren, da" ich kritisch bleibe und verteidigen möchte, wofür ich stehe".
Mit freundlichen Grüßen
H-W.E.

 

Lieber Fritz,
gratuliere zum kontroversiellen Aufmacher. Es dreht sich die rhetorische Spirale und damit die Verengung der Wirklichkeit und Optionen wie üblich rasend schnell. Eine Zeitwende, die wir nützen müssen, hoffentlich nicht nur mit alten Reaktionen, sondern noch zu findenden neuen Antworten.
LG, R.P.

 

Hallo Herr Lietsch,
Ihren Kommentar im Newsletter finde ich stark. Ehrlich und klar und eindeutig!

 

"100 Milliarden für den Tod" - nichts anderes bedeutet die Entscheidung der Regierung, die von angeblich sozialen, friedensbewegten und ökologischen Parteien wesentlich getragen wird.

Ich habe mir die Übertragung aus dem Reichs(!)tag angeschaut und angehört und es hat mich gebeutelt beim mehrfachen frenetischen Applaus, der die Reden von Bundeskanzler und Außenministerin mehrfach unterbrach.

Der Applaus kam dabei nicht nur von den Regierungsfraktionen, sondern auch von der größten und - ebenfalls angeblich - christlichen Oppositionsfraktion. In meinem Hirn ging Einiges hin und her: Sind wir im Parlament in der Hauptstadt der Bundesrepublik und auf dem Boden des Grundgesetzes? Oder in einer palastartigen Sportstätte ebenfalls in der Hauptstadt (bevor Bonn selbige wurde und als ein führender Österreicher das Sagen hatte)?

100 Milliarden für den Tod - einfach so und im wahrsten Sinne über Nacht aus dem Hut gezaubert. Und zusätzliche militärische Aktivitäten wie Waffenlieferungen. Verteidigungswaffen?

 

Dem US-Musiker Frank Zappa wird folgendes Zitat zugeordnet: "Fighting for peace is like fucking for virginity!"

  

Ohne Anrede,
Leider es ist nahezu unerträglich, Ihre neue Zeile für die Ankündigung des neuen Heftes zu lesen… Bei diesem unterirdischen Niveau, das noch nicht einmal die BILD-Zeitung so hinkriegen würde, sehe ich mich außerstande weiter für das Forum zu schreiben. Mit ebenso fassungslosen wie enttäuschten Grüßen,
T.D.



Danke für diesen Kommentar,
hab ihn über FB und Tw geteilt. Wir hatten inzwischen Pressekonferenz - die Leitmedien blieben geschlossen fern.

C.F.


Sehr gut, Fritz!
Danke!
S.U.

 

Lieber Herr Lietsch,
Danke für Ihren aktuellen Kommentar, der mir aus der Seele spricht.
Die Aktion von Herrn Scholz ist in jeder Hinsicht völlig falsch.
B.G.

 

Hallo,
super, vielen danke für diesen treffenden Kommentar, den wir dann auch noch (morgen) in unsere aktuelle Meldung am Ende als Leseempfehlung mit aufnehmen / verlinken werden!

Ich finde es erstaunlich, wie gerade überall die Falken die Oberhand bekommen.

Auch die Kündigung des Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker finde ich ein Hammer. Nur weil er angeblich oder tatsächlich mit Putin befreundet ist? Er hat ja nicht zum Krieg aufgerufen! Das grenzt an Sippenhaft…

Mir gruselt!  

Herzliche Grüße
O.W.

 

Sehr geehrter Herr Lietsch,
vielen Dank für Ihren Artikel über „100 Milliarden" – ein kompletter Wahnsinn – und das auch noch von grünen Politikern. Alles nur Fake und Fassade.

Der Krieg in der Ukraine ist ein weiteres Ergebnis des dauerhaften Zündelns auf der ganzen Welt durch die USA – bzw. die Mächte dahinter. Die verdienen prächtig an jedem Krieg und die Vormachtstellung der USA wird weiter gefestigt.

Und unsere deutschen Politiker lassen sich vor den Karren spannen und machen das Ganze noch viel schlimmer. Hier hätte ein deutscher Kanzler klar sagen können: liebe USA, Ihr macht in der Ukraine seit 8 Jahren Terror, seit 1990 missachtet Ihr die Verträge mit Russland – zur Osterweiterung der Nato etc. – wir Deutschen sind da draußen, wir haben mit Russland kein Problem.

Aber genau das ist es, was die USA will: einen Keil zwischen DE und RU schlagen – es ist klar, wem der Krieg nützt und wer ihn schürt.

Übrigens: 1914 war die USA pleite – Hauptgläubiger waren die Deutschen. Oh Wunder gab es da den Prager Fensterstoß…

Wir können das alles auflösen und hier auf einem „Paradise Earth" leben – dazu müssen wir einfach aufwachen, aufhören mit zu machen und konkret etwas für uns tun. Für uns als globale Gemeinschaft.  Das ist ein Aufwachprozeß, ein innerer Wachstumsprozeß – manche können diesen gehen und manche eben nicht.

Lasst uns möglichst viele aufwecken – dann dreht sich das Blatt. 

Herzliche Grüße
C.K.


Hallo Herr Lietsch,
hier ein Auszug meiner Gedanken.

Wie können wir mehr Frieden erreichen?

Einem Gewalttäter auch die „andere Wange" hinzuhalten, kann in manchen Situationen hilfreich sein. Aber bei einem Amokläufer mit einem Maschinengewehr oder digital gesteuerten Tötungsmaschinen hilft das nicht. Diese müssen gestoppt werden – möglichst bevor sie loslegen. Die bedrohten Menschen müssen geschützt werden. Ganz aktuell ist deshalb die starke internationale Hilfe für die Ukraine richtig. Aber ist es nicht naiv, deshalb den Westen als Friedensbringer darzustellen und als Konsequenz im Macht-Opfer-Muster zu glauben, dass eine vermehrte Aufrüstung des Westens zu mehr Frieden führt? Allein die USA geben jährlich 12 mal so viel Geld für Rüstung aus wie Russland und 3 mal so viel wie Russland und China zusammen. Womöglich steckt eine ähnlich brutale Hoffnung hinter dieser Aufrüstung wie sie Putin hatte: Eine starke militärische Überlegenheit wird den Gegner so abschrecken, dass er alle (wirtschaftlichen u.a.) Bedingungen erfüllt? Das ist ein Denken noch im barbarischen verletzenden Prinzip des Stärkeren, das wir glaubten in den Kulturen durch das Einführen einer Rechtsprechung gelöst zu haben. Es ist die simple Logik, die dem militärischen Denken und dem der Geheimdienste zugrunde liegt - das illusorische Narrativ, dass Waffen auf Dauer Sicherheit bringen. Heute braucht es ein anderes Denken. Ein Denken in Kooperationen zum guten Leben in Frieden unter Anerkennung und Wahrung der Menschenrechte. Der Widerstand in der Ukraine und das Nachdenken weltweit lassen hoffen.

Es braucht allerdings bis zu dem idealen Zustand ohne vernichtende Waffen weltweit eine von der UNO kontrollierte Abrüstung. Die Staaten, die bis jetzt schon die internationale Gerichtsbarkeit anerkennen, sollen und können sich zusammenschließen zur Koalition der Friedenswilligen zur globalen Abrüstung. Ihre militärische Rüstung können sie zunächst der UNO zur Verfügung stellen, damit diese eine Exekutive aufbauen kann, die auch der Willkür der Großmächte Einhalt bieten kann. Wer in den UN-Sicherheitstrat will, muss den internationalen Gerichtshof anerkennen und das Völkerrecht befolgen. Wenn eine Nation dies verletzt, wird sie aus dem Rat ausgeschlossen, wie es von Kiew jetzt sehr gut gefordert wird. Das betrifft allerdings außer Russland auf jeden Fall auch noch die USA in Bezug auf den Irak-Krieg u.a. Die UNO muss für diese Friedensaufgabe gestärkt und wohl neu organisiert werden. Das könnten und sollten Grundlagen einer werteorientierten und friedvollen Außenpolitik sein.

Die Rüstungspläne – auch hier in der BRD – müssen breit diskutiert werden. Ihre aktuelle Abschreckungswirkung scheint gegen Russland motiviert und gerichtet. Da kann sie nur symbolisch sein, weil der Krieg schon stattfindet. Dabei habe ich Scholz so verstanden, dass er diese Aufrüstung zum Ziele einer militärischen Stärkung Europas plant. Das ist nicht nur gegen Russland gerichtet, sondern langfristig mindestens ebenso gegen die USA und China, zum Unabhängig-werden von der Welthegemoniemacht. Europa würde dann auch zu einem militärischen global Player werden.

Vollständige Abrüstung aller Staaten!

Strategisch dürfte ein Aufrüsten nur unter der Bedingung stattfinden, dass alle Nationen unter der Kontrolle der UNO abrüsten. Das bedeutet, dass kommende Militärausgaben den UNO untergeordnet werden müssen: einzig als Mittel zum Zwecke der weltweiten Abrüstung. Wenn das nicht intendiert und vertraglich geregelt ist, treibt es mehr den Rüstungswettlauf an, der mit großer Wahrscheinlichkeit in einen oder mehrere große Kriege führt.

Wenn man die ökonomische ProfitTriebkraft hinter der Rüstungsindustrie sieht, dürfte man eher skeptisch sein, dass taktische Aufrüstung wirklich hilfreich für eine strategische Abrüstung sein kann.

Bei der modernen Rüstung, wo die kriegführende Partei per Mausklick Bomben schmeißen lässt und die leidenden Menschen nicht mehr sieht (wie es in der Ukraine ja immerhin noch häufig der Fall ist und den Russen zum Verhängnis werden kann), wird es ein Wettlauf um die bessere Technik, das perfektere Töten gehen. Dann bräuchte Putin keinen Sicherheitsstab oder Generalsstab mehr, dann könnte er alleine aus einem Bunker heraus die ganze Welt zerstören. Die Waffensysteme dazu gibt es im Prinzip schon.

So kann es perspektivisch nur eine klare Devise geben: vollständige Abrüstung aller Staaten. Nur die UNO darf Militär haben, das dann im Zuge der allgemeinen Abrüstung auch abgerüstet wird, bis hin zu einer Exekutive wie Polizei, die – metaphorisch – mit Schlagstöcken und Pfefferspray ausgerüstet ist. Womöglich noch wichtiger sind dann Armeen von Streitschlichterinnen und Friedensstifterinnen, zu denen jeder Mensch auch in seinem Alltag gehören kann. Alle, die für ein gutes Leben möglichst aller Menschen in der Biosphäre kooperieren, geben dem Frieden einen großen Sinn.

Frieden stiften in allen Lebensdimensionen

Auf dem Weg zu dieser großen weltpolitischen Aufgabe braucht es sehr viele Menschen, die innerlich klar friedlich ausgerichtet sind und nicht mehr unreflektiert in die Macht-Opfer-Logik verfallen. Jede und jeder Einzelne kann viel für die globale Kooperation in Frieden tun. Es braucht ein möglichst sehendes, mit der Realität abgeglichenes, Vertrauen in das Gute im Menschen. Wem willst und kannst du in der Zukunft wirklich vertrauen, wenn es um Frieden geht? Auch braucht es Selbstvertrauen und mutige Aktivitäten in allen Lebensdimensionen:

Sich selbst immer wieder friedlich einzustimmen in große Verbundenheit mit allen Menschen und der Biosphäre. Seine Bedürfnisse, Anliegen und Gedanken und friedliche Anliegen und Meinungen zu kommunizieren; dabei soll das Macht-Opfer-Muster von Opfer-schuldiger Täter-Richter/Retter reflektiert werden und eine kleine Warnlampe aufleuchten lassen, um wieder in friedenstiftende Gedanken (im Kohärenzmodus s. Fußnote 2) zu finden. Immer wieder ist es gut, sich und anderen die Frage nach einem Sinn zu stellen.

In der Bildung und dem Gemeinschaftsleben friedliche Einstellungen kultivieren, Konflikte nicht verdrängen, sondern gemeinsam lösen – gemeinsam aus der Vergangenheit lernen.

Auf aggressive Impulse anderer möglichst gelassen und mit Selbstvertrauen und Frieden stiftend reagieren. Gemeinsame Aktionen für andauernden Frieden durchführen. Freundlich auf alle Menschen zugehen: das bedeutet das Menschliche in ihnen ansprechen, das es (meist) jenseits ihrer kulturellen Machtrolle gibt – auf ihre Bedürfnisse, Wünsche und Anliegen eingehen und nach Sinn fragen. Derartige Einstellungen und Verhaltensweisen können geübt werden – am besten in allen Schulen als fester Bestandteil einer Sozialisation zum aktiven Frieden.

In der Politik bedeutet es, die globale Einheit der Menschheit in und mit der Biosphäre im Blick zu haben, die Verbundenheit aller und den Wunsch nach aufbauender Kooperation aller Menschen in und mit der Natur zum Wohle Aller. Das können wir u.a. durch Meditation, Gebete und Kunst fördern. Politisch heißt es, die Forderung nach einer starken UNO, die die weltweite Abrüstung kontrolliert, zu vertreten. Dazu muss die UNO noch neu und demokratischer umgebaut werden. Der Anfang dazu ist schon da.

T-D.P.


Gesellschaft | Politik, 01.03.2022
     
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