Technik | Energie, 10.06.2020
Die Bevölkerung will die Wende
Selbst Klimawandelskeptiker befürworten die Energiewende
Die deutsche Bevölkerung unterstützt nach wie vor die Energiewende, ergab die Umfrage „Soziales Nachhaltigkeitsbarometer zur Energiewende" unter Federführung des Instituts für transformative Nachhaltigkeits forschung (IASS) in Potsdam. Eine deutliche Mehrheit von 82 Prozent der Befragten versteht die Energie wende als Gemeinschaftsaufgabe, zu der jeder und jede in der Gesellschaft seinen bzw. ihren Beitrag leisten sollte. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Skeptiker und Skeptikerinnen auf einem sehr niedrigen Niveau leicht erhöht: plus zwei Prozentpunkte.
Die Veränderung des Weltklimas führt bei vielen der Befragten zu einer stärkeren Unterstützung der Energiewende und der Bereitschaft zum eigenen Handeln: Allgemein glauben 77 Prozent der Befragten an den globalen Klimawandel, jede(r) Fünfte hingegen nicht. Unter den Klimawandelskeptikerinnen und -skeptikern ist der Anteil derer, die eine positive Haltung gegenüber der Energiewende haben, mit 81 Prozent niedriger als unter denen, die den Klimawandel anerkennen. Dennoch ist bemerkenswert, dass vier von fünf Skeptikern des Klimawandels trotzdem die Energiewende befürworten. Mit 64 Prozent äußern sich annähernd zwei Drittel der Haushalte positiv zum Kohleausstieg. Rund jede(r) Sechste wiederum lehnt den Kohleausstieg ab – dies bedeutet eine leichte Zunahme um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 2018. Zwischen den Ost- und Westbundesländern werden deutliche Unterschiede sichtbar: Während die Hälfte der Ostdeutschen – 51 Prozent – den Kohleausstieg befürworten, liegt der Anteil unter Westdeutschen bei zwei Dritteln mit 68 Prozent.

Entgegen der allgemeinen Annahme: Zustimmung zur Windenergie gestiegen
Mit 51 Prozent befürwortet über die Hälfte der Haushalte den Ausbau von Windenergieanlagen an Land – dies ist ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Allerdings wird dieses Ziel von jeder/jedem Fünften abgelehnt. In den Äußerungen lassen sich signifikante Unterschiede zwischen Haushalten in städtischen und ländlichen Regionen sowie zwischen Ost- und Westdeutschen feststellen.
In Großstädten ist der Anteil der Befürworter und Befürworterinnen beinahe um ein Drittel höher als in dünn besiedelten ländlichen Gegenden Deutschlands. Die Zustimmungsraten in Ostdeutschland liegen unter dem Niveau von Westdeutschland. Der Anteil der ablehnenden Haushalte, die bereits Windkraftanlagen in ihrem Wohnumfeld haben, liegtinteressanterweise mit 22 Prozent unverändert zu 2018 und nur etwas höher als bei denen, in deren Wohnumfeld keine Windkraftanlage steht: 19 Prozent.
Die Hälfte der Befragten – 54 Prozent – äußert die prinzipielle Bereitschaft, für den Klimaschutz höhere Energiekosten auf sich zu nehmen, während 40 Prozent dies nicht signalisieren. Dabei bestehen bei den Einkommensgruppen wesentliche Unterschiede: Mit zunehmendem Haushaltseinkommen nimmt die Bereitschaft zur Übernahme klimaschutzbedingter Mehrkosten zu. Unter den einkommensreicheren ist die Zustimmungsrate annähernd doppelt so hoch wie unter den einkommensärmeren Haushalten.
Wie stehen sie zu „Fridays for Future"?
Etwa die Hälfte – 45 Prozent – der deutschen Haushalte hat eine positive Haltung zu den Protesten der Jugendlichen im Rahmen der „Fridays for Future"-Bewegung. Jede(r) Dritte sieht das Vorgehen der jungen Generation aber (eher) kritisch.
Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer zur Energiewende wurde im Jahr 2019 zum dritten Mal erstellt. Über 6.500 Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wurden zu ihren Einstellungen, Erfahrungen und Präferenzen der Energiewende befragt. Die Ergebnisse sind nach soziodemographischen und geographischen Merkmalen sowie nach Anhängerschaft der politischen Parteien differenziert. Das Barometer ist ein Produkt der Partnerschaft dynamis, die das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), die 100 Prozent erneuerbar Stiftung und die innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft bilden.
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Das IASS Potsdam
forscht mit dem Ziel, Transformationsprozesse hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft aufzuzeigen, zu befördern und zu gestalten, in Deutschland wie global. Der Forschungsansatz des Instituts ist transdisziplinär, transformativ und ko-kreativ: Die Entwicklung des Problemverständnisses und der Lösungsoptionen erfolgen in Kooperationen zwischen den Wissenschaften, der Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein starkes nationales und internationales Partnernetzwerk unterstützt die Arbeit des Instituts. Zentrale Forschungsthemen sind u.a. die Energiewende, aufkommende Technologien, Klimawandel, Luftqualität, systemische Risiken, Governance und Partizipation sowie Kulturen der Transformation. Gefördert wird das Institut von den Forschungsministerien des Bundes und des Landes Brandenburg.
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Dieser Artikel ist in forum 02/2020 - die Corona-Sonderausgabe - Einfach zum Nachdenken... und Handeln erschienen.
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