Wieder klar sehen

Weitere Akteure haben den Bedarf erkannt

Laut dem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO „World Report on vision" leiden rund eine Milliarde Menschen an einer Sehschwäche, die korrigierbar wäre. Besonders betroffen sind Länder mit niedrigen Einkommen (insbesondere in Süd- und Südostasien sowie Subsahara-Afrika), Menschen in ländlichen Regionen, ethnische Minderheiten und Indigene, Menschen mit Behinderungen und ältere Personen.
 
Alarcos Cieza, verantwortliche Koordinatorin bei der WHO, kommentiert: „Millionen von Menschen haben eine erhebliche Sehbehinderung und können nicht vollständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, da sie keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung haben. In einer Welt, die so stark auf der Fähigkeit zu sehen basiert, muss augenoptische Versorgung näher an die Menschen gebracht werden, um ihr maximales Potenzial zu entfalten."

Augenoptische Versorgung und neue Jobs
© Gregor KuntscherAuch der EinDollarBrille e.V. adressiert dieses globale Problem mit einer Systemlösung, die auf eine langfristige Verbesserung und lokale Wertschöpfung abzielt: Die EinDollarBrille, das Kernprodukt dieser Lösung soll laut eigenen Angaben optimal an die Lebensbedingungen Bedürftiger in Entwicklungsländern angepasst sein. Ihr Verkaufspreis liegt bei zwei bis drei lokalen Tageslöhnen; damit ist sie auch für sehr arme Menschen bezahlbar. Die Brillen werden in den Projektländern der Organisation von lokalen Fachkräften produziert und vertrieben; so entstehen Arbeitsplätze, Wertschöpfung bleibt im Land und die lokalen Mitarbeitenden können sich eine Existenz aufbauen. Um dem eklatanten Mangel an augenoptischen Fachkräften in Entwicklungsländern, insbesondere für die Versorgung der Armen, zu adressieren, hat der Verein zudem in Zusammenarbeit mit Augenärzten und Optikern ein eigenes, einjähriges Ausbildungskonzept für Best-Spherical-Correction (BSC) entwickelt. Dieses befähigt dazu, beim Sehtest zuverlässig das bestmögliche sphärische Brillenglas zu finden und die Brille fachkundig anzupassen.

Erschließung neuer Länder – Pilotprojekte über Partnerschaften
Derzeit ist die Organisation unter anderem in Burkina Faso, Malawi, Bolivien, Brasilien und Indien aktiv. Die Schwesterorganisation EinDollarBrille Schweiz engagiert sich für die Ausbildung von EinDollarBrille-Optikern und die Verbreitung der Brillen in Myanmar. In diesem Jahr erfolgte außerdem der Start des Projektes in Peru. Zudem öffnet sich die Organisation für Partnerschaften außerhalb ihrer Projektländer: Nach einer Evaluierung erhalten interessierte Organisationen Zugang zu EinDollarBrillen, und haben die Möglichkeit, das Social Business Modell des EinDollarBrille e.V. bei sich vor Ort zu testen. Zur Einhaltung der strengen Qualitätsstandards ist eine solche Zusammenarbeit jedoch an gewissen Voraussetzungen gebunden, unter anderem die Verfügbarkeit augenoptischer Fachkräfte im jeweiligen Land.
 
Ausbau Vertriebsnetz und Förderung sozialer Entwicklung
Seit seiner Gründung 2012 hat der EinDollarBrille e.V. bereits über 215.000 Menschen mit individuell angepassten und bezahlbaren Brillen versorgt; noch sehr viel mehr Menschen haben über einen kostenlosen Sehtest ebenfalls eine Form augenoptischer Vorsorge erhalten. Zudem hat der EinDollarBrille e.V. in seinen Projektländern rund 220 Arbeitsplätze geschaffen. Eine Chance erhalten dabei auch Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen auf dem lokalen Arbeitsmarkt schwertun: In Burkina Faso beschäftigt die Organisation bereits über 60 Mitarbeitende und zählt damit bereits zu den großen Arbeitgebern des Landes. Alle Personen waren vorher arbeitslos, vier sind Analphabeten; sieben Prozent sind Menschen mit Behinderungen. Der Frauenanteil im lokalen Team liegt derzeit mit 38% schon verhältnismäßig hoch und soll weiter auf 50% wachsen (alle Zahlen Stand Ende 2018). Der wachsende Bedarf an Führungskräften wird zum großen Teil aus den eigenen Reihen gedeckt.

„Der aktuelle WHO-Bericht, aber auch unsere tägliche Erfahrung vor Ort zeigen den massiven Einfluss, den die individuelle Sehfähigkeit auf praktisch alle Lebensbereiche der Menschen hat – und damit auch auf die Entwicklung ganzer Länder", kommentiert Martin Aufmuth, Gründer und Vorstand des EinDollarBrille e.V.. „Die Situation ist anhaltend dramatisch, und das wollen wir ändern. Für uns hat jedoch ein nachhaltiger Systemwandel und die Schaffung von Bewusstsein für die Bedeutung guten Sehens Vorrang vor schnellen Ergebnissen, die nur kurzfristig Wirkung zeigen." Das Ziel der Organisation: Eine augenoptische Grundversorgung der Bevölkerung in Entwicklungsländern, die den gesamten Prozess vom kostenlosen Sehtest über die lokale Brillenproduktion bis hin zu einem nachhaltigen Wartungs- und Ersatzglas-Service vor Ort umfasst.

Die Arbeit der Organisation sowie ihr Gründer Martin Aufmuth wurden bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem empowering people-Award der Siemens Stiftung, dem Robert E. Hopkins Leadership Award der Optical Society of America sowie dem Next Economy Award der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (2017).
 

Dieser Artikel ist in forum 04/2019 - Food for Future erschienen.



     
        
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