Fritz Lietsch

Ein Forum für den Finanzmarkt der Zukunft 

Das „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ im Portrait

Der Finanzsektor spielt eine entscheidende Rolle bei der nachhaltigen Transformation der Gesellschaft. Dies führte zur Gründung des „Forum Nachhaltige Geldanlagen" im Jahr 2001. Grund genug, den Weg des Namensvetters zu beleuchten.
 
© nattanan23, pixabayInsbesondere die Umwelt- und sozialen Probleme der Jahrtausendwende und die Erkenntnis, dass Geld die Welt bewegt, führten 2001 zur Gründung des Forums Nachhaltige Geldanlagen. Den Vereinsgründern aus der Finanzwirtschaft ging es vor allem darum, die Gesellschaft in sozialen, kulturellen und ökologischen Aspekten positiv zu beeinflussen. Durch eine Sensibilisierung und Veränderung der Anlagegewohnheiten im Sinne der Nachhaltigkeit wollte man die entsprechenden Akteure in der Wirtschaft stärken und fördern. Zunächst nur langsam und mit viel ehrenamtlichem Engagement entwickelte sich der Verband von anfänglich 20 Mitgliedern immer schneller auf heute über 190 Mitglieder.

Ein dynamischer Markt
Verantwortliche Investments und Nachhaltige Geldanlagen in Österreich (in Milliarden Euro) © FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen
Die Marktentwicklung im Finanzsektor verlief ähnlich: Seit Beginn der FNG-Erhebung im Jahr 2005 und einer Ausgangsbasis von 5 Milliarden Euro wuchs das Vermögen der nachhaltigen Fonds auf 133,5 Milliarden Euro an. Allein im letzten Jahr war eine Wachstumsrate von 45 Prozent zu verzeichnen.
 
Rechnet man zu den Fonds und Mandaten noch die Eigen- und Kundeneinlagen der Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus hinzu, ergibt sich als Gesamtsumme nachhaltiger Geldanlagen mit Stand 31.12.2018 ein Gesamtvolumen von 219,1 Milliarden Euro. Bei einer zusammengefassten Erfassung von nachhaltigen Geldanlagen und verantwortlichem Investment ergibt sich sogar eine Summe von 1,5 Billionen Euro. Maßgebliche Akteure sind die institutionellen Investoren, die in Deutschland knapp 93 Prozent der Investoren ausmachen.

Kirchliche Investoren sind mit 40 Prozent die stärksten Treiber. Das Thema Nachhaltigkeit ist somit im Mainstream angekommen, doch die Beweggründe sind unterschiedlich: Zum einen sind es die Vorgaben aus Umwelt-, Klimaschutz und Menschenrechten, mit den dazugehörigen politischen Zielen. Daneben spielen die Umsetzung eigener Werte sowie rationale Risikoüberlegungen eine Rolle.
 

Verantwortliche Investoren und Asset Manager gestalten ihre Investmentprozesse unter angemessener Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Governance-bezogenen Aspekten (ESG-Kriterien) und wenden entsprechende Anlagestrategien an.

Sie richten sich dabei nach öffentlichen Standards und Prinzipien, halten ihre Strategie zum verantwortlichen Investieren schriftlich fest und informieren über ihre Aktivitäten, Anlagestrategien und ESG-Grundsätze, deren Kriterien auf institutioneller Ebene festgelegt sind.

Gesetzesänderungen in Sicht
Ein weiterer Treiber sind die zu erwartenden und bereits erfolgten Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen: Die EU beziffert die notwendige Investitions-Summe um die EU-Klima- und Energieziele bis 2030 erreichen auf zusätzliche 180 Mrd. Euro. Um mehr Kapital in nachhaltige Investitionen zu lenken, hat die EU-Kommission deshalb im Frühjahr 2018 einen breit aufgestellten Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums veröffentlicht. Er verfolgt konkret drei Ziele, die zu einer emissionsarmen, ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft beitragen sollen: Neuausrichtung der Kapitalströme hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft, Integration von Nachhaltigkeit in das Risikomanagement und Förderung von Transparenz und Langfristigkeit. Diese Regulierungen treffen alle EU-Länder.

Das FNG gibt seit Anbeginn politische Empfehlungen heraus, begonnen mit dem 10 Punkte-Plan des FNG im Jahr 2009 bis hin zu den aktuellen, dezidierten Empfehlungen zu den Konsultationen für eine Veränderung der Finanzwirtschaft. Da die Anregungen immer mehr auf offene Ohren stoßen und umgesetzt werden, kann der Finanzsektor nun endlich die notwendige wirtschaftliche Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit befördern und finanzieren. Damit gilt mehr denn je: Money makes the world go round.
 
Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)
Das FNG ist seit 2001 der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum. Zu seinen rund 190 Mitgliedern zählen Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Ratingagenturen, Finanzberater, wissenschaftliche Institutionen, Versicherungen, NGOs und Privatpersonen. Wichtige Aufgaben sind die Erstellung von Studien zum nachhaltigen Anlagemarkt sowie der entschiedene Einsatz als Stimme und Netzwerk für mehr Transparenz, qualitatives Wachstum und Bildungsarbeit in der nachhaltigen Finanzbranche. Nachhaltige Geldanlagen sind Geldanlagen, bei denen der klassische Kanon von Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit um die vierte Dimension der Nachhaltigkeit erweitert wird. Diese umfasst die Bereiche Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG = Environmental, Social and Governance).

Leitfaden für die Branche – die Neuauflage der FNG Broschüre
Im November 2019 hat das FNG die Neuauflage des Leitfadens „Nachhaltige Kapitalanlagen – eine Einstiegshilfe" vorgestellt. Die Broschüre bietet neben institutionellen Investoren nun auch Privatanlegern, Unternehmen und Family Offices einen Einstieg in die Welt verantwortlicher Investments. Sie präsentiert Informationen, Hintergründe, Vorteile und Motivationen für Nachhaltigkeit, wie auch einen 7-Schritte-Plan, um eine eigene Anlagestrategie zu entwickeln.
 

Ein Porträt von Fritz Lietsch

Dieser Artikel ist in forum 04/2019 - Food for Future erschienen.

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