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Missing Pathways to 1.5°C

Die Bedeutung des Landsektors für ambitionierte Klimapolitik

Die Climate, Land, Ambition & Rights Alliance (CLARA) veröffentlicht heute ihren neuen Bericht „Fehlende Pfade zum 1,5°C-Ziel: Die Bedeutung des Landsektors für ambitionierte Klimapolitik". Der auf neuesten Forschungsergebnissen beruhende Bericht zeigt, dass der Schutz von Landrechten, die Wiederherstellung von natürlichen Ökosystemen und nachhaltigere Ernährungssysteme einen zentralen Beitrag zu einer ambitionierteren Klimaschutzpolitik leisten können: Durch die im Bericht analysierten Maßnahmen können die globalen Treibhausgasemissionen in 2050 um 21 Gigatonnen CO2-Äquivalente pro Jahr reduziert werden – und dadurch den Einsatz von unerprobten, hochriskanten Geoengineering-Technologien wie Bioenergy mit Carbon Capture and Storage (BECCS) obsolet machen.
 
© Heinrich Böll Stiftung
„Geschützte und wachsende Wälder weltweit können enorme CO2-Mengen naturverträglich binden und helfen, die 1,5°C-Grenze der Erderwärmung nicht zu überschreiten. Dies kann neben dem Klimaschutz auch dem Naturschutz und der Anpassung an Wetterextreme wie Dürre, Hitzewellen und Starkregen und damit auch der lokalen Bevölkerung dienen", sagte Christoph Thies, Experte für Wald und Klima bei Greenpeace Deutschland.
 
Fehlende Pfade zum 1,5°C-Ziel ist der erste umfassende Bericht, der vier zusammenhängende Krisen zusammendenkt – Klimawandel, Verlust von Biodiversität, die Missachtung von Landrechten von indigenen und lokalen Gemeinschaften und Ernährungsunsicherheit – und ganzheitliche Lösungen präsentiert, diesen Krisen zu begegnen. Der Bericht basiert auf einer umfassenden Analyse von Fachliteratur in verschiedenen Disziplinen.
 
„Um Emissionen aus der Landwirtschaft zu reduzieren ist es dringend erforderlich, die Produktionsweisen zu verändern. Statt industrielle Großbetriebe zu fördern, muss eine vielfältige, bäuerliche Landwirtschaft mit agrarökologischen Anbaumethoden unterstützt werden." sagt Eike Zaumseil von Brot für die Welt.„Klimagerechte Welternährung bedeutet auch, den Konsum von Fleisch und Milchprodukten, insbesondere in wohlhabenden Ländern, deutlich zu verringern. Nur so ist es möglich alle Menschen ausreichend zu ernähren, ohne die Agrarflächen auf Kosten von Wäldern und anderen Ökosystemen immer weiter auszudehnen."
 
Viele Klimaschutzszenarien setzen im Landsektor auf den massiven Einsatz von Geoengineering-Technologien wie BECCS, um die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Die Szenarien sehen eine großmaßstäbliche Umwandlung von natürlichen Ökosystemen in Anbaufläche für Bioenergienutzpflanzen, die zu Konkurrenz um Wasser und Land führen und durchsteigende Lebensmittelpreise die Ernährungssicherheit in vielen Regionen gefährden würde. Diese Kritik spiegelt sich auch im vor wenigen Tagen veröffentlichten IPCC-Sonderbericht zu 1,5 Grad wider.
 
Der CLARA-Bericht zeigt, dass unerprobte und riskante Technologien vermeidbar sind, da notwendige Ansätze für sinnvolle Strategien für Klimaschutz im Landsektor schon jetzt vorhanden sind. Einer der illustrativen Klimaschutzpfade, die im IPCC-Sonderbericht zu 1,5 Grad hervorgehoben werden, setzt ebenfalls nicht auf BECCS – der CLARA-Bericht geht noch weiter und zeigt, welche Ansätze im Landsektor nicht nur das Klima schützen, sondern auch Landrechte, Biodiversität, natürliche Ökosysteme und Ernährungssicherheit.
 
Die Analyse des CLARA-Berichts zeigt, dass transformative Pfade im Landsektor zu weitreichenderen Emissionsreduktionen und zu mehr CO2-Bindung und -Speicherung führen können, die weit über das bislang angenommene Klimaschutzpotential hinausgehen. Dazu zählen a) die Stärkung von Landrechten und Nutzungsrechten indigener und lokaler Gemeinschaften, b) der Schutz und die umfassende Wiederherstellung von Wäldern, c) Veränderungen in landwirtschaftlichen Produktionsweisen und in der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, und d) veränderte Ernährungsweisen, die insbesondere in reichen Industrieländern den Konsum von Tierprodukten reduzieren.
 
„Zusammen mit transformativen Pfaden in anderen Sektoren jenseits dessen, was im klimapolitischen Mainstream heute als machbar gilt, kann die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden – ohne dabei auf Geoengineering zu setzen und andere globale Krisen zu verschärfen", sagte Linda Schneider, Referentin für Internationale Klimapolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung.
 
Climate, Land, Ambition & Rights Alliance (CLARA) ist ein Netzwerk von Umwelt- und Klimagerechtigkeitsorganisationen, Landrechtsaktivist/-innen, Entwicklungsorganisationen, Agroökolog/-innen, unabhängiger Wissenschaftler/-innen, kirchlicher Verbände und religiöser Gruppen sowie von Vertreter/-innen von Basisorganisationen.
 
Kontakt: Michael Alvarez Kalverkamp, Heinrich-Böll-Stiftung | alvarez@boell.dewww.boell.de

Umwelt | Klima, 15.10.2018

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