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Die Fuji Declaration

Aufruf an alle Weltenbürger

Mitte Mai 2015 fand zu Füßen des Mount Fuji in Japan eine bemerkenswerte Versammlung statt. Tausende Menschen kamen zusammen, um zu Füßen des heiligen Berges eine Zeremonie zu halten, mit der eine globale Kampagne auf den Weg gebracht werden sollte: die Fuji-Declaration. Dabei handelt es sich um eine internationale Allianz von Einzelper­sonen und Organisationen, die sich durch eine gemeinsame Verpflichtung verbunden haben, um eine harmonischere, mitfühlende und nachhaltige Ära der Menschheit voranzu­bringen. Es handelt sich dabei um einen Aufruf an alle Welt­bürger, das menschliche Potenzial zu entfalten und einen Wandel der Geschichte zu befördern. Auf den folgenden Seiten dokumentieren wir die Erklärung in deutscher Übersetzung und präsentieren ein Interview mit Sesto Castagnoli, einem der Protagonisten der Fuji-Decla­ration, der uns außerdem einen Bericht über die Inaugural-Zeremonie in Japan geschrieben hat.
 
Im Namen der Menschlichkeit den göttlichen Funken wecken: für eine Zivili­sation der Einheit in Verschiedenheit auf dem Planeten Erde
Mitte Mai 2015 fand zu Füßen des Mount Fuji eine bemerkenswerte Versammlung statt. © Tatsuru NakayamaWir stehen vor einer neuen Epoche der Evolution der menschlichen Zivilisation. Infolge immer neuer beunruhi­gender Krisenherde in allen Weltregionen wächst die Not­wendigkeit zu einem Wandel unseres Denkens und Handelns. Heute haben wir die Wahl, uns noch tiefer in bestehende Ri­siken zu verstricken oder den Durchbruch zu einer Welt der Würde und des Wohlergehens zu wagen. Durch ihre gesamte Geschichte hindurch hat sich die Mensch­ heit vornehmlich von einem materiellen Bewusstsein leiten lassen. Aus Furcht vor Knappheit haben wir weit über das Notwendige hinaus materiellen Gewinn erstrebt und uns da­bei anderer ebenso wie der natürlichen Ressourcen bedient. Solange sich unser Streben ausschließlich auf das Materiel­le und Endliche fixiert, wird unsere Welt unausweichlich auf Zerstörungen zusteuern.
 
Was ist unsere wahre Natur?
Um bessere Entscheidungen zu treffen und den Gang der Geschichte in eine gute Richtung zu lenken, müssen wir zur fundamentalen Frage des menschlichen Lebens zurückkeh­ ren: Ein jeder von uns muss sich fragen: Was ist unsere wahre Natur? Und ein jeder sollte nach einer sinnvollen und verant­wortungsbewussten Antwort suchen. Die großen Weisheitstraditionen der Welt haben uns in ih­rem Kern gelehrt, das menschliche Leben sei untrennbar mit seiner universellen Quelle verbunden. Heute wird diese blei­bende Einsicht durch die jüngsten Erkenntnisse in Physik und Biologie bestätigt. Wenn wir unsere Verbindungen zur Natur und zum Kosmos wiederentdecken, können wir unser Leben neuerlich mit der universellen Tendenz zu Einheit und Har­monie in und durch Verschiedenheit abstimmen. Wir können den göttlichen Funken im menschlichen Geist neu entfachen und unsere angeborene Liebe, unser Mitgefühl, unsere Weis­heit und unsere Freude zu einem lebendigen und blühenden Leben entfalten. Die Zeit ist reif dafür, dass ein jeder den in seinem Herzen wohnenden göttlichen Funken weckt.
 
Was ist der Zweck unseres Daseins?
Wir sind in einem kritischen Augenblick der Weltgeschichte geboren worden, in eine Welt im Übergang, wo es möglich ist, das Voranschreiten der Menschheit in Richtung Frieden auf Erden zu lenken. Frieden zu leben und es dem Frieden zu ermöglichen, auf Erden zu walten, ist letztlich unser aller Zweck. In jedem Bereich unseres Daseins müssen und sollten wir ihn annehmen. Indem wir bewusst und verantwortungsvoll leben, können wir den uns innewohnenden Frieden und mit ihm die Kraft hervorbringen, derer wir bedürfen, um unser eignes und der Menschheit Schicksal zu gestalten. Es ist unsere Aufgabe, gemeinschaftlich eine Welt der Würde und des Mitgefühls zu erschaffen, die das volle Potenzial des menschlichen Geistes entfaltet: eine Welt, in der jedes Individuum seinem höchsten Selbst Ausdruck verleiht – im Dienste der Menschheitsfamilie und des ganzen Netzes des Lebens auf unserem Planeten.
 
Unterwegs zu einer neuen Zivilisation
Es ist notwendig, Menschen unterschiedlicher Bereiche zusammenzuführen – Wissenschaftler, Künstler, Politiker, Wirtschaftsführer und andere –, um ein solides und viel­schichtiges Fundament dafür zu legen, rechtzeitig einen Wandel der Geschichte zu herbeizuführen. Für alle Men­ schen ist es an der Zeit, mutige Pioniere zu werden: über ihre persönlichen, kulturellen und nationalen Interessen hinaus­zugehen und die Grenzen ihrer jeweiligen Disziplin hinter sich zu lassen, um in Weisheit, im Geiste und dem Vorsatz zusammenzufinden, allen Völkern der Menschheitsfamilie ein Segen zu sein. Auf diese Weise können wir das für unsere nicht nachhaltige Welt charakteristische Festhalten an über­ kommenen Ideen und erstarrten Konventionen überwinden und für die kommenden Generationen eine harmonischere und blühende Zivilisation entwerfen.
 
Das Paradigma einer neuen Zivilisation
Das Paradigma einer neuen Zivilisation ist eine Kultur der Einheit mit Respekt vor der Verschiedenheit. So wie Myria­den von Zellen und die diversen Organe unseres Körpers in Einheit verbunden sind und harmonisch miteinander intera­gieren, um das Leben aufrecht zu erhalten, so ist ein jedes Le­bewesen wesentlicher Bestandteil einer größeren Sympho­nie des Lebens auf unserem Planeten. Mit dieser bewussten Einsicht, dass wir alle Teil eines lebendigen Universums sind, dem eine große Vielfalt innewohnt und das doch von Einheit umfasst ist, werden wir uns miteinander und mit der Natur in einem Netzwerk fruchtbarer und stimmiger Beziehungen weiterentwickeln.
 
Als Wesen, die sich für die Zukunft der Erde verantwortlich wissen, erklären wir Folgendes:  
  • Wir bejahen den göttlichen Funken in Herz und Verstand jedes menschlichen Wesens und beabsichtigen, in jedem Be­reich unseres Daseins in seinem Lichte zu leben. 
  • Wir bekennen uns zu unserem gemeinsamen Auftrag, durch unsere Lebensweise und unsere Handlungen einen dauerhaften Frieden auf Erden zu schaffen. 
  • Wir beabsichtigen, so zu leben und zu handeln, dass wir die Lebensqualität und das Wohlergehen aller Formen des Lebens auf Erden steigern und anzuerkennen, dass alle Le­bewesen in all ihrer Verschiedenheit miteinander in Einheit verbunden sind. 
  • Wir werden fortwährend danach streben, den menschli­chen Geist zur Kreativität zu befreien und die Veränderungen zu nähren, die notwendig sind, um in allen menschlichen Be­reichen ein neues Paradigma hervorzubringen – einschließ­lich Wirtschaft, Medizin, Politik, Wirtschaft, Bildung, Religi­on, Kunst, Kommunikation und Medien. 
  • Wir betrachten es als unseren Auftrag, eine geistigere und harmonische Zivilisation zu implementieren – eine Zivi­lisation, die die Menschheit befähigen wird, die ihr innewoh­nenden Potenziale zu entfalten und zur nächsten Stufe ihrer materiellen, geistigen und kulturellen Evolution voranzu­schreiten. //

Gesellschaft | WIR - Menschen im Wandel, 01.07.2015
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2015 - Jahr des Bodens erschienen.
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