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Ein Moment des Friedens

Das Fuji-Deklaration Symposium in Tokyo ist eine Feier im Gedenken der Einigkeit für eine friedliche Welt

Vom 15.–17. Mai 2015 fanden in Japan die Feierlich­keiten zur Inauguration der Fuji-Erklärung statt. Vordenker und religiöse Autoritäten aus aller Welt sind angereist, um das Papier zu lancieren. Einer davon ist der Schweizer Evolutant Sesto Castagnoli. Er hat für uns seine Eindrücke notiert.
 
Die Teilnehmer des Symposiums sind eine bunte Mischung aus Vertretern verschiedener Disziplinen, Kulturen und Generationen. © Tatsuru NakayamaFreitag, 15. Mai 2015, United Nations University, Tokio: Fünfzig Vordenker aus aller Welt versammeln sich zu einem einzigartigen Symposium. Sie sind zusammengekommen, um gemeinsam die Fuji-Erklärung auf den Weg zu bringen: ein Papier, das mit dem erklärten Ziel antritt, eine harmoni­schere, mitfühlende und nachhaltige Ära für die Menschheit einzuleiten. Eingeladen sind sie von den Initiatoren der Er­ klärung, den japanischen Vorsitzenden der Goi Peace Foun­dation Masami und Hiroo Saionji sowie dem ungarischen Wissenschaftler und Gründer des Clubs of Budapest Ervin Laszlo. Die Teilnehmer des Symposiums sind ein bunt gemischter Haufen. Sie repräsentieren diverse Fachgebiete, Kulturen und Generationen – alles Menschen, die sich in ihrer Hei­mat für die Gedanken der Fuji-Erklärung einsetzen. Die Idee der Zusammenkunft ist, wechselseitig von den pionier­haften Lebenswegen und Geschichten der Teilnehmer zu lernen und zusammen das Bild einer positiven Zukunft für die Menschheit zu entwerfen. Als Format wurde bewusst der Dialog anstelle von Vorträgen gewählt. So soll eine kol­lektive Inspiration entstehen. Die Resultate werden aufge­zeichnet und veröffentlicht.
 
Aufbruch zur Transformation
Masami Saionji, Ervin Laszlo und Hiroo Saionji: Die Initiatoren der Fuji-Deklaration bei der Inauguration Zeremonie im Fuji Sanktuarium. © Tatsuru NakayamaDas Symposium in Tokio versteht sich als die erste einer ganzen Folge solcher Dialogkonferenzen. Denn die Initia­toren teilen die Hoffnung, auf diese Weise eine kritische Mas­se zu erreichen: um den göttlichen Funken – »Divine Spark« zu wecken und die nötige Transformation zu einer harmoni­scheren, gesunden Umwelt, Natur und Menschheit zu nähren, wie dies in der Fuji-Erklärung beschrieben ist. Die inhaltliche Arbeit des Symposiums findet in sieben Work­shops statt, deren Themen von Wirtschaft über Bildung, Um­welt, Medien, Politik und Wissenschaft bis zu Spiritualität und Religion reichen. Ich selbst habe die ehrenvolle Aufgabe, das Treffen der Gruppe »Umwelt und Technology« zu leiten. Es entwickelt sich ein sehr lebhafter, inspirierender und inte­ressanter Austausch zwischen den Teilnehmern. Wir werden mit vier Fragen von den Initiatoren der Konferenz unterstützt.
 
Mitfühlende Beziehung
Eine dieser Fragen lautet, welche neuen Modelle die Beteili­gten in ihrem Umfeld erkennen können und wie ihrer Ansicht nach die Menschen und die Erde davon profitieren können. Genannt wird dabei unter anderem das Kultivieren und Ver­innerlichen einer mitfühlenden Beziehung zu allen Lebens­formen oder die Entwicklung der menschlichen Fähigkeit, die eigene innere Stimme zu vernehmen, von der es heißt, dass sie stets die Wahrheit spreche. Auch die Ausbildung in »nachhaltigem Design« als Werkzeug für zukünftige »Chan­gemakers« erscheint den Symposianten als wichtiges Instru­ment zur Verwirklichung der Werte der Fuji-Erklärung.
Dann kommt das Gespräch auf die Frage nach konkreten Akti­onen und Strategien für einen entsprechenden Weg in die Zu­kunft. Als die vier wichtigsten Maßnahmen erscheinen dabei: die Ko-Kreation von Gemeinschaften, die im alltäglichen Leben Herz, Kopf und Seele integrieren, das Knüpfen eines globalen Netzwerks von Führungskräften der nächsten Generation, das Verbinden von Interessengruppen, Designern und Change­makern sowie ein vertieftes Wissen um Ökologie und Ökosy­steme durch eine systematische Schulung aller Generationen.
 
Inmitten der Natur
Die Flaggen von 194 Nationen werden als Teil der Gebetzeremonien zur Bühne getragen, während in über 200 Sprachen das Gebet 'Möge Frieden sein auf Erden' gespielt wird. © Tatsuru NakayamaWie groß die Resonanz auf die Ideen der Fuji-Erklärung ist, wird zwei Tage später deutlich. Frühmorgens am Sonntag, 17. Mai 2015, reise ich mit den Symposiumsteilnehmern mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shikansen nach »Shin Fuji« und von dort weiter mit dem Bus zum Fuji Sanctuary. Als wir kurz vor 10 Uhr eintreffen, sind schon tausende von Men­schen versammelt. Es ist ein wunderschöner Ort inmitten der Natur, an dem die internationale Organisation Byakko Shinko Kai ihren permanenten Sitz hat. Seit vielen Jahren treffen sich hier Menschen, um für den Frieden in der Welt zu beten.
Gegründet wurde diese Organisation 1955 von dem japa­nischen Philosophen und Friedenskämpfer Masahisa Goi, um die Bewegungen für weltweite Friedensgebete zu för­dern. Seit 1980 wird die Organisation von Masami Saionji, Masahisa Goi’s Adoptivtochter und Mitinitiatorin der Fuji-Erklärung, als Vorsitzende geleitet und seit 1998 ist das Fuji Sanctuary die Zentrale für alle laufenden Aktivitäten von Byakko. Auch ist es Veranstaltungsort großer monatlicher Friedensgebetsversammlungen und Zeremonien, darunter die »Symphony of Peace Prayers« – eine Zeremonie, die im Fuji Sanctuary initiiert wurde und von dort in die ganze Welt getragen worden ist. Im Jahr 2013 hat eine solche Feier in der Generalversammlungshalle der Vereinten Nationen in New York stattgefunden. Nun soll sie zur Inauguaration der Fuji-Erklärung stattfinden.
 
Über zwei Jahre haben die Vorbereitungen dafür gedauert. Persönlichkeiten aus ganz Japan und aller Welt sind gekom­men, um dieses wunderbare Ereignis zu begehen. Während die Sonne im Osten, in Japan, über dem Mount Fuji aufgeht, versammeln sich in Dänemark zeitgleich einige hundert Menschen im Schloss Kronberg, wo eine Auftaktveranstal­tung für die Fuji-Erklärung von der Transition World Initiati­ve lanciert wird. Bei einer Life-Schaltung vereinen sich Ost und West im Geiste der Einheit für eine Welt in Frieden. Es ist ein einzigartiger Anblick: Tausende von Menschen sit­zen still in Andacht und Gebet, tief berührt im Herzen. Dies alles vor der Kulisse von Mount Fuji, dem heiligen Berg Ja­pans – ein großer Moment des Einklangs mit der Natur. Dazu kommt die Verbindung mit der Welt durch die Flaggen aller 194 Länder dieser Erde, die im Winde flattern. Später werden diese Flaggen für die Gebetszeremonie auf die Bühne getra­gen. Dabei ertönt in mehr als zweihundert Sprachen der eine Gebetsruf: »May peace prevail on Earth« (Möge Friede sein auf Erden). Auch das ein Moment großer Geborgenheit und globaler Friedfertigkeit. Zuletzt sagen wir gemeinsam Dank für alles Leben auf der Erde und verlesen gemeinsam die fünf Punkte der Fuji De­klaration. Das Schlusslied »We are all shining divine Sparks« (Wir sind alles scheinende göttliche Funken) singen wir alle zusammen. Mögen diese Funken die Welt erhellen. //
 
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Gesellschaft | WIR - Menschen im Wandel, 01.07.2015
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2015 - Jahr des Bodens erschienen.
     
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