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Verzweiflung und Heilung

Der Fotograf Sebastiao Salgado war ein Chronist der Katastrophen und Krisen dieser Welt.

Bis ihn das Leid ausbrannte. Als er sich der Schönheit der Schöpfung zuwandte, entstand mit Genesis ein neues fotografisches Meisterwerk. Mit dem großartigen Film „Salz der Erde" zeigt Wim Wenders Salgados Leben und Schaffen.
 
 
Man verlässt den Film tief beeindruckt von diesem Menschen, der wie kein zweiter, sensibel und in jedem Augenblick offen, verletzbar seinen Blick auf das schlimmste menschliche Leid gelenkt hat. Auf die verhungernden Menschen in der Sahel-Zone, die ausgebeuteten Heerscharen schlimmster frühkapitalistischer Arbeitsverhältnisse, auf Flüchtende, irre geworden durch Rast- und Heimatlosigkeit, auf die zu Tausenden und Abertausenden Ermordeten in den Kriegen und Bürgerkriegen der Welt.

In der Goldmine Serra Pelada aus „Das Salz der Erde' Foto: © Sebastiao Salgado, Amazonas imagesDie Fotos, die dabei entstanden, brennen sich ins visuelle Gedächtnis, werden zu zeitlos gültigen Ikonen dieses an Katastrophen so reichen Jahrhunderts. Dazu die Erzählungen Salgados, die einen Menschen zeigen, der einfach nicht anders kann, als für uns alle hinzuschauen und der das Leid dann irgendwann – man wartet förmlich darauf – nicht mehr tragen konnte.

Die erstaunliche Wende nach dem seelischen Zusammenbruch aber ist eine „Heilung" von großer symbolischer Kraft. Die Idee kommt von seiner Frau. Sie ziehen auf die ausgedörrte, von den Klimaveränderungen zerstörte väterliche Farm im Norden Brasiliens und beginnen Bäume zu pflanzen. Millionen Bäume. Bald schließen sich die Bauern der Region dem Projekt an, bis der dichte Regenwald aus Salgados Kindheit wieder hergestellt ist. Und in der gleichen Zeit wendet der Fotograf seinen Blick seinem neuen, über 9 Jahre dauernden Projekt Genesis zu. Mit der gleichen Leidenschaft, der gleichen Ehrfurcht, der gleichen Liebe fotografiert Salgado nun die Schönheit der Natur, dort wo sie unzerstört ist, dort wo Menschen noch so leben wie zur Zeit der Schöpfung. Und wieder erzeugt er im Betrachter damit ein unendliches Staunen über die Welt, in der wir leben. Wenige haben so viel gesehen, so genau geblickt, sich so tief von Schönheit und Leid berühren lassen wie dieser Künstler. Wim Wenders hat ihm mit voller Berechtigung ein filmisches Denkmal gesetzt. 

Von Monika Czernin  


Gesellschaft | Globalisierung, 01.01.2015
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2015 - Grünes Reisen im Trend erschienen.
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