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Mode ohne schädliche Chemikalien

Wer für Greenpeace arbeitet, muss sich warm anziehen! Mehr als einmal habe ich in der klirrenden Kälte vor Ministerien, Chemieunternehmen, Messen gestanden, um für bessere Chemiegesetze, sicherere Chemikalien oder weniger Elektroschrott zu streiten. Meine warme Jacke weiß ich daher zu schätzen. Welche Chemikalien für ihre Produktion eingesetzt wurden, weiß ich allerdings nicht. Auch die mittlerweile zahlreichen Textilsiegel helfen mir nicht weiter. Gerade beim Thema Chemikalien und Wasser müssen alle Siegel ihre Standards verbessern. Eins aber ist klar: Die Wasserverschmutzung durch Textilfabriken in China, Bangladesch und anderen Ländern bedroht wichtige Ökosysteme und die Gesundheit der Angestellten und Anwohner.

Verseuchtes Wasser als Einkommensquelle? Dieser indonesische Fischer sammelt Plastikmüll zum Weiterverkauf aus dem industriebelasteten Cikapundung Fluss.
Foto: © Jeremy Sutton-Hibbert, Greenpeace
Viele Textilchemikalien haben unerwünschte Eigenschaften: Schwermetalle und einige organische Chemikalien können unsere Gesundheit und den Lebensraum Wasser langfristig schädigen. Über die industriellen Abwässer gelangen sie in die Umwelt, wo sie nur langsam abgebaut werden und sich in Tieren und Menschen anreichern. Einige dieser Chemikalien können bereits in kleinsten Mengen das Hormonsystem beeinflussen, andere sind krebserregend oder beeinträchtigen die Fortpflanzung. Die Auswirkungen sind nicht regional begrenzt. Durch Meeresströmungen, über die Atmosphäre und über die Nahrungskette können sie in Regionen transportiert werden, die weit entfernt sind von ihrer Quelle. Sogar an den Polen wurden diese Chemikalien bereits nachgewiesen.

Schmutzige Wäsche

Verglichen mit anderen Regionen sind Chinas Flüsse besonders stark verschmutzt. 70 Prozent der Flüsse, Seen und Wasserreservoirs sind mit Schadstoffen belastet. Mit knapp acht Prozent am Handelsvolumen ist die Textilbranche ein wichtiger Pfeiler der chinesischen Wirtschaft. Und: Sie ist ein bedeutender Abnehmer von Chemikalien. Vor allem bei der Nass-Verarbeitung von Textilien (etwa beim Färben, Waschen, Bedrucken oder Ausrüsten) entstehen große Mengen an schadstoffhaltigem, giftigem Abwasser.

Für den Report "Schmutzige Wäsche" hat Greenpeace 2010 und 2011 Abwasser-Einleitungen von zwei chinesischen Textil-Fabriken untersucht. Gefunden wurde ein Spektrum gefährlicher Chemikalien - darunter Nonylphenol und perfluorierte Chemikalien, die in Europa wegen ihrer Gefährlichkeit verboten sind. Auch in Fischproben konnte Greenpeace diese beiden Chemikalien nachweisen.

Ist der Einsatz von Greenpeace für die Einwohner eine Chance auf sauberes Trinkwasser?
Foto: © Jeremy Sutton-Hibbert, Greenpeace
Zusätzlich zu den Abwasseranalysen wurden auch die Lieferketten recherchiert, die von beiden Fabriken ausgehen - und dabei vielfältige Verbindungen mit nationalen und internationalen Textilmarken dokumentiert. Tatsache ist: Keine der großen Textilmarken hat ein umfassendes Chemikalienmanagement und einen Überblick über den Einsatz gefährlicher Chemikalien und deren Freisetzung entlang der Lieferkette.

Die Greenpeace-Untersuchungen zeigen, dass End-of-Pipe-Lösungen nicht helfen: Mit Abwasserbehandlung kann man langlebige und gefährliche Schadstoffe nicht in den Griff bekommen. Tatsächlich sind auch gute Kläranlagen nicht in der Lage, sämtliche Chemikalien vollständig aus dem Abwasser zu entfernen. Außerdem reichern sich die Schadstoffe dann im Klärschlamm an, der vielerorts als Dünger auf den Feldern landet. Die Lösung ist daher so simpel wie schwierig: Nur umwelt- und gesundheitsfreundliche Chemikalien dürfen für die Produktion eingesetzt werden. Ein Paradigmenwechsel muss also her.

Komplexe Geschäftsbeziehungen

An der Herstellung von Textilien sind viele Akteure beteiligt. Multinationale Marken können Zulieferer entweder direkt oder indirekt, über Agenten oder Importeure unter Vertrag nehmen. Die Markeninhaber sind es aber, die die Produktentwicklung und die Forschung vorantreiben. Sie sind also die geeigneten Akteure, um die Herstellung von Textilien positiv zu verändern. Sie haben Einfluss auf die Wahl ihrer Zulieferer, das Design ihrer Produkte und die Chemikalien für den Fertigungsprozess. Die Marken sollten daher zu Vorreitern einer schadstofffreien Textilbranche werden.

Hoffnung in Asien: Kampagnen-Mitarbeiter von Greenpeace entnehmen Wasserproben nahe von Textilfabriken.
Foto: © Qiu Bo, Greenpeace
Einige Firmen haben bereits den richtigen Weg eingeschlagen: Puma, Nike, adidas, H&M, C&A und der chinesische Sportartikelhersteller Li Ning haben auf die Detox-Kampagne von Greenpeace reagiert und wollen bis 2020 auf gefährliche Chemikalien in ihrer gesamten Produktion verzichten. Die Unternehmen wollen für sich selbst und ihre Lieferanten klare Richtlinien formulieren, wie der Übergang von gefährlichen zu ungefährlichen Chemikalien geschafft werden kann. Jede dieser sechs Firmen hat dazu eine Selbstverpflichtung auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Darin enthalten ist auch das Right to Know-Prinzip: Alle in die Umwelt freigesetzten Schadstoffe sollen öffentlich einsehbar werden. Und zwar Fabrik für Fabrik, Chemikalie für Chemikalie und regelmäßig aktualisiert. Gerade für die Kommunen und Anwohner an chinesischen Gewässern sind diese Informationen existentiell. In Europa, USA, Kanada und Japan ist diese Art von Transparenz bereits Standard.

Und wir Verbraucher? In unserem eigenen Interesse und zum Schutz der Umwelt können wir Marken beeinflussen, verantwortlich zu handeln und die richtigen Entscheidungen treffen - damit unsere Wasservorräte nicht mehr mit gefährlichen, persistenten und hormonell wirksamen Chemikalien verschmutzt werden.
 
 
Von Ulrike Kallee
 
Im Profil
Ulrike Kallee
arbeitet als Chemieexpertin in der Greenpeace detox-Kampagne.
www.greenpeace.de/detox

Quelle: Greenpeace detox , Ulrike Kallee
Lifestyle | Sport & Freizeit, Reisen, 19.04.2012

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