Gesellschaft | Social Business, 01.01.2010
Wir brauchen neue Lehrbücher!
Das Wirtschaftssystem durch Bildung neu gestalten
Universitäten können bei der Zukunft und dem Erfolg von Social Business eine wichtige Rolle spielen. Neben kenntnisreichen Professoren und Forschern, die sich in allen nur denkbaren Sachgebieten kundig gemacht und engagiert haben, sind die Studierenden eine wertvolle Ressource. Das sind junge Menschen voller Energie, Idealismus und Neugier, von denen viele unbedingt neue Konzepte erproben wollen, in der Hoffnung, in dieser Welt dauerhafte Spuren zu hinterlassen.
Universitäten sind außerdem von breiten Bevölkerungskreisen respektierte und unparteiische gesellschaftliche Institutionen. Das versetzt sie in die Lage, nützliche Verbindungen zwischen einer Vielfalt von Organisationen knüpfen zu können. Meine eigene Arbeit, die zur Gründung der Grameen Bank führte, spielte sich in einer universitären Umgebung ab, in einer Zeit, in der ich noch Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Chittagong in Bangladesch war und von meinen Studenten unterstützt wurde.
Ein breites Umdenken im unternehmerischen Handeln fängt mit der Bildung an. Nur weil in den Lehrbüchern steht, dass das Ziel eines Unternehmens die Profitmaximierung sei, heißt das noch lange nicht, dass dies das einzige mögliche Ziel ist. Ein Social Business zielt darauf ab, durch wirtschaftliches Handeln soziale Probleme zu lösen und wurde in der wissenschaftlichen Forschung noch kaum behandelt. Wir brauchen also neue Lehrbücher und Forschungsansätze, damit sozialverantwortungsvolle Entrepreneure heranwachsen und Social Business als neue Unternehmensform ganzheitlich anerkannt wird. Studierende sollten die Möglichkeit haben, einen MBA-Abschluss mit Schwerpunkt im Social Business zu erwerben, so wie sie sich heute bereits auf Finanzwesen, Marketing oder Unternehmensführung konzentrieren können.
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Prof. Muhammad Yunus ist Gründer der Grameen Bank, die Kleinstkredite an die Ärmsten vergibt und Geschäftsführer mehrer Social Businesses, die soziale Probleme durch unternehmerisches Handeln lösen. 2006 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Für forum Nachhaltig Wirtschaften schreibt er regelmäßig eine Kolumne über Social Business. |
Ein breites Umdenken im unternehmerischen Handeln fängt mit der Bildung an. Nur weil in den Lehrbüchern steht, dass das Ziel eines Unternehmens die Profitmaximierung sei, heißt das noch lange nicht, dass dies das einzige mögliche Ziel ist. Ein Social Business zielt darauf ab, durch wirtschaftliches Handeln soziale Probleme zu lösen und wurde in der wissenschaftlichen Forschung noch kaum behandelt. Wir brauchen also neue Lehrbücher und Forschungsansätze, damit sozialverantwortungsvolle Entrepreneure heranwachsen und Social Business als neue Unternehmensform ganzheitlich anerkannt wird. Studierende sollten die Möglichkeit haben, einen MBA-Abschluss mit Schwerpunkt im Social Business zu erwerben, so wie sie sich heute bereits auf Finanzwesen, Marketing oder Unternehmensführung konzentrieren können.
Heute betätigt sich bereits eine ganze Reihe von Universitäten in aller Welt als Katalysator und Brückenbauer für die nächste Phase des Social Business. Interessierte Universitäten können mit Hilfe des Yunus Centre und Grameen Creative Lab Teams Vorlesungen zu Social Business geben oder Kooperationen eingehen, die als Inkubator für Social Business in Forschung, Lehre und Praxis dienen. Ebenso arbeiten wir daran, Social Business Lehrstühle, wie beispielsweise an der Glasgow Caledonian Universität oder der EBS Universität für Wirtschaft und Recht (i.Gr.) in Oestrich-Winkel, zu etablieren. Eine Übersicht zu unseren universitären Initiativen finden Sie unter www.grameencl.com unter "get involved".
Von Muhammad Yunus
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2011 - Stadt der Zukunft erschienen.
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