Umwelt | Ressourcen, 08.07.2011
"Mehr Gleichberechtigung - Mehr weibliche Weisheit"
Zwischenruf von Franz-Theo Gottwald
Ist es Zufall, dass in vielen Kulturen auf dieser Erde von "Mutter Erde" und nicht "Vater" gesprochen wird? Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald reflektiert über die starke Rolle der Frauen in der Landwirtschaft auf der einen Seite und ihrer Unterdrückung auf der anderen Seite. Auch die alternative Nobelpreisträgerin, Vandana Shiva, weiß um die Schlüsselrolle der Frau in der Landwirtschaft.
Fruchtbarkeit, Nahrung und Fülle, Hervorbringen, Hegen und Pflegen scheinen seit jeher urweibliche Attribute zu sein. Es ist kein Zufall, dass in vielen Kulturen von "Mutter Erde" gesprochen wird, die als Nährquell allen Lebens angesehen wird.
Tatsächlich spielen Frauen in vielen Teilen der Welt noch immer eine enorme Rolle nicht nur bei der Zubereitung von Lebensmitteln, sondern auch bei der Urproduktion. Frauen leisten einen Großteil der Arbeit, sowohl im Haushalt, als auch auf den Feldern, kümmern sich um die Ernährung der Familie und die Erziehung der Kinder. Die internationale Agrarforschungsorganisation CGIAR etwa schätzt den Beitrag von afrikanischen Frauen zur Nahrungsmittelproduktion auf 80 Prozent, weltweit produzieren Bäuerinnen und Landfrauen gut die Hälfte aller Nahrungsmittel.
Doch satt werden sie von ihrer Arbeit nicht: Frauen stellen mehr als 70 Prozent der Ärmsten der Armen dieser Welt. Der Grund hierfür liegt in der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und rechtlichen Benachteiligung der Frauen. So besitzen nur zehn Prozent Anbauflächen und weniger als zwei Prozent Bodenrechte. Sie bekommen keine Kredite, dürfen nicht handeln, werden (wenn überhaupt) schlechter bezahlt. Zu den fehlenden Rechten kommt die fehlende Bildung: Zwei Drittel der 750 Millionen Analphabeten weltweit sind Frauen.
Die Unterdrückung der Frau in weiten Teilen der Welt hat gravierende Folgen für das Gemeinwohl und die Gesellschaft. Dort, wo Frauen benachteiligt oder unterdrückt werden, ist die Ernährungssituation der gesamten Familie problematisch. Wenn Frauen hingegen einen angemessenen Status genießen, sind sie in der Lage, sich und ihre Kinder besser zu versorgen. Wären Männer und Frauen gleichgestellt, könnte die Anzahl unterernährter Kinder allein im südasiatischen Raum im zweistelligen Millionenbereich reduziert werden.
Bezeichnenderweise sind es häufig Frauen, die sich für eine nachhaltige und gerecht ausgestaltete Landwirtschaft einsetzen. Die indische Genforscherin Dr. Suman Sahai etwa zeigt auf, wie aussichtsreich und erfolgreich weibliche Allianzen sein können. Mit ihrer Organisation Gene Campaign kämpft sie für den Erhalt agrargenetischer Ressourcen, kleinbäuerlicher Strukturen und lokaler Märkte - mittels indigenem weiblichen Wissens.
Die indische Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Vandana Shiva gehört, wenn es um die Beteiligung und Gleichstellung der Frauen in ländlichen Gebieten geht, zu den Vordenkerinnen unserer Zeit. Anfang der Neunziger erhielt Vandana Shiva den alternativen Nobelpreis, weil sie in ihren Arbeiten bereits damals den Fokus auf die skandalöse Unterbewertung der Bedeutung von Frauen bei der Ernährungssicherung lenkte. Auch in Europa kommt Frauen in der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Es ist an der Zeit, dies nicht nur zu erkennen, sondern auch politisch, ökonomisch und sozial anzuerkennen.
Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald ist Vorstand der Schweisfurth-Stiftung, München
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Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth-Stiftung, München. |
Tatsächlich spielen Frauen in vielen Teilen der Welt noch immer eine enorme Rolle nicht nur bei der Zubereitung von Lebensmitteln, sondern auch bei der Urproduktion. Frauen leisten einen Großteil der Arbeit, sowohl im Haushalt, als auch auf den Feldern, kümmern sich um die Ernährung der Familie und die Erziehung der Kinder. Die internationale Agrarforschungsorganisation CGIAR etwa schätzt den Beitrag von afrikanischen Frauen zur Nahrungsmittelproduktion auf 80 Prozent, weltweit produzieren Bäuerinnen und Landfrauen gut die Hälfte aller Nahrungsmittel.
Doch satt werden sie von ihrer Arbeit nicht: Frauen stellen mehr als 70 Prozent der Ärmsten der Armen dieser Welt. Der Grund hierfür liegt in der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und rechtlichen Benachteiligung der Frauen. So besitzen nur zehn Prozent Anbauflächen und weniger als zwei Prozent Bodenrechte. Sie bekommen keine Kredite, dürfen nicht handeln, werden (wenn überhaupt) schlechter bezahlt. Zu den fehlenden Rechten kommt die fehlende Bildung: Zwei Drittel der 750 Millionen Analphabeten weltweit sind Frauen.
Die Unterdrückung der Frau in weiten Teilen der Welt hat gravierende Folgen für das Gemeinwohl und die Gesellschaft. Dort, wo Frauen benachteiligt oder unterdrückt werden, ist die Ernährungssituation der gesamten Familie problematisch. Wenn Frauen hingegen einen angemessenen Status genießen, sind sie in der Lage, sich und ihre Kinder besser zu versorgen. Wären Männer und Frauen gleichgestellt, könnte die Anzahl unterernährter Kinder allein im südasiatischen Raum im zweistelligen Millionenbereich reduziert werden.
Bezeichnenderweise sind es häufig Frauen, die sich für eine nachhaltige und gerecht ausgestaltete Landwirtschaft einsetzen. Die indische Genforscherin Dr. Suman Sahai etwa zeigt auf, wie aussichtsreich und erfolgreich weibliche Allianzen sein können. Mit ihrer Organisation Gene Campaign kämpft sie für den Erhalt agrargenetischer Ressourcen, kleinbäuerlicher Strukturen und lokaler Märkte - mittels indigenem weiblichen Wissens.
Die indische Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Vandana Shiva gehört, wenn es um die Beteiligung und Gleichstellung der Frauen in ländlichen Gebieten geht, zu den Vordenkerinnen unserer Zeit. Anfang der Neunziger erhielt Vandana Shiva den alternativen Nobelpreis, weil sie in ihren Arbeiten bereits damals den Fokus auf die skandalöse Unterbewertung der Bedeutung von Frauen bei der Ernährungssicherung lenkte. Auch in Europa kommt Frauen in der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Es ist an der Zeit, dies nicht nur zu erkennen, sondern auch politisch, ökonomisch und sozial anzuerkennen.
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