Lifestyle | Geld & Investment, 19.07.2010
Vorwärts zur Mäßigung
Zwischenruf von Hans Christoph Binswanger
Unsere moderne Wirtschaft unterliegt einer geradezu zwanghaften Tendenz zum Wachstum. Diese Tendenz hat sich in letzter Zeit überschlagen und ist in eine Finanz- und Wirtschaftskrise ausgeartet. Für eine stabilere Wirtschaft schlägt Hans Christoph Binswanger drei Ziele vor.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise wurde dadurch überwunden, dass die Regierungen mit Hilfe der Zentralbanken massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt haben. Eine solche künstliche Überwindung der Krise hat aber keine Dauerlösung, zumal die Krise gerade dadurch ausgelöst wurde, dass die Geldmengensteigerung überbordet hat. Man kann eine Krise nicht mit den Mitteln heilen, die für die Entstehung derselben verantwortlich sind! Wir müssen vielmehr eine auf die Dauer stabilere Wirtschaft anstreben, mit dem dreifachen Ziel,
- die Ausuferung des Wirtschaftswachstums in Spekulations- und Wirtschaftskrisen zu verhindern,
- einen sparsameren Ressourcenverbrauch und einen schonenderen Umgang mit der Umwelt zu ermöglichen,
- die menschlichen Werte, die durch die zunehmende exzessive Ausrichtung auf die Monetarisierung aller gesellschaftlichen Beziehungen bedroht sind, wieder stärker zur Geltung zu bringen.
Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es der Mäßigung. "Vorwärts zur Mäßigung" ist daher die Devise, die in Zukunft maßgebend sein muss. Vorwärts zur Mäßigung heißt mehr als nur langsamer voranzuschreiten. Es heißt, Perspektiven zu gewinnen für eine nachhaltige Wirtschaftsweise, in der das rechte Maß gefunden und eine Balance hergestellt wird zwischen einem weiteren Wachstum des Sozialprodukts und den drei genannten Zielen.
Notwendig ist jedenfalls eine Reform des Geldsystems. Eine Grundlage dafür könnte der Vorschlag des 100%-Geldes von Irving Fisher (1867 - 1947) sein, dem bedeutendsten amerikanischen Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Gemäß seines Vorschlags erhält die Zentralbank das ausschließliche Recht zur Geldschöpfung, indem die Banken verpflichtet werden, die Sichtguthaben auf den Girokonten, die das Publikum bei den Banken unterhält, also das sog. Buchgeld, zu 100% durch Zentralbankguthaben bzw. Banknoten zu decken. Die Zentralbank erhält auf diese Weise die Möglichkeit, das Ausmaß der Geldschöpfung aktiv - und nicht nur reaktiv - mit dem Blick auf die drei genannten Zielsetzungen so zu bestimmen, dass in Zusammenhang mit allfälligen weiteren Reformen krisenhafte Entwicklungen und Kollateralschäden des Wachstums von vornherein vermieden werden.
(Irving Fisher, 100%-Geld, Kiel 2007)
Hans Christoph Binswanger ist emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und wirkt im Denkwerk Zukunft mit.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise wurde dadurch überwunden, dass die Regierungen mit Hilfe der Zentralbanken massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt haben. Eine solche künstliche Überwindung der Krise hat aber keine Dauerlösung, zumal die Krise gerade dadurch ausgelöst wurde, dass die Geldmengensteigerung überbordet hat. Man kann eine Krise nicht mit den Mitteln heilen, die für die Entstehung derselben verantwortlich sind! Wir müssen vielmehr eine auf die Dauer stabilere Wirtschaft anstreben, mit dem dreifachen Ziel,
- die Ausuferung des Wirtschaftswachstums in Spekulations- und Wirtschaftskrisen zu verhindern,
- einen sparsameren Ressourcenverbrauch und einen schonenderen Umgang mit der Umwelt zu ermöglichen,
- die menschlichen Werte, die durch die zunehmende exzessive Ausrichtung auf die Monetarisierung aller gesellschaftlichen Beziehungen bedroht sind, wieder stärker zur Geltung zu bringen.
Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es der Mäßigung. "Vorwärts zur Mäßigung" ist daher die Devise, die in Zukunft maßgebend sein muss. Vorwärts zur Mäßigung heißt mehr als nur langsamer voranzuschreiten. Es heißt, Perspektiven zu gewinnen für eine nachhaltige Wirtschaftsweise, in der das rechte Maß gefunden und eine Balance hergestellt wird zwischen einem weiteren Wachstum des Sozialprodukts und den drei genannten Zielen.
Notwendig ist jedenfalls eine Reform des Geldsystems. Eine Grundlage dafür könnte der Vorschlag des 100%-Geldes von Irving Fisher (1867 - 1947) sein, dem bedeutendsten amerikanischen Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Gemäß seines Vorschlags erhält die Zentralbank das ausschließliche Recht zur Geldschöpfung, indem die Banken verpflichtet werden, die Sichtguthaben auf den Girokonten, die das Publikum bei den Banken unterhält, also das sog. Buchgeld, zu 100% durch Zentralbankguthaben bzw. Banknoten zu decken. Die Zentralbank erhält auf diese Weise die Möglichkeit, das Ausmaß der Geldschöpfung aktiv - und nicht nur reaktiv - mit dem Blick auf die drei genannten Zielsetzungen so zu bestimmen, dass in Zusammenhang mit allfälligen weiteren Reformen krisenhafte Entwicklungen und Kollateralschäden des Wachstums von vornherein vermieden werden.
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