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„Starke deutsche Unternehmen gehören auf Europas Bühne.“

Stefan Schulze-Hausmann, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, im forum-Interview

2026 wird der Deutsche Nachhaltigkeitspreis erstmals nach den Regeln des künftigen European Sustainability Award durchgeführt. Seine Sieger werden National Champions Germany und vertreten Deutschland ab 2027 auf europäischer Ebene. DNP-Initiator Stefan Schulze-Hausmann erklärt, warum gerade jetzt ein gemeinsamer Wettbewerb für 30 Länder entsteht, was vom DNP bleibt – und warum sich die Teilnahme besonders für den Mittelstand lohnt.

Erste Visionen: Dieses Design soll bald den neuen DNP als Teil des European Sustainability Award repräsentieren. © ESA Dynamics
Unternehmen ächzen unter Kosten, Berichtspflichten und einer gewissen Nachhaltigkeitsmüdigkeit. Warum starten Sie ausgerechnet jetzt einen noch größeren Wettbewerb?
Weil man gerade jetzt sieht, wer Transformation wirklich ernst nimmt. Sie ist kein Schönwetterprojekt. Viele deutsche Unternehmen investieren trotz des Drucks weiter in klimafreundliche Technologien, erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, bessere Arbeitsbedingungen und resiliente Wertschöpfung. Und machen daraus wirtschaftliche Stärke. Gerade im Mittelstand entstehen Lösungen, die weit über Deutschland hinaus etwas bewegen können. Viele dieser Unternehmen arbeiten ohnehin längst europäisch: mit ihren Kunden, Lieferketten, Partnern und Märkten. Warum sollte ihre Anerkennung an der Landesgrenze enden? Was sie erfolgreich vormachen, kann Europa insgesamt voranbringen, und ein starkes Europa eröffnet ihnen wiederum neue Chancen. Starke deutsche Unternehmen gehören auf Europas Bühne. Genau hier setzt der ESA an.

Der Initiator: Stefan Schulze-Hausmann auf der Bühne des DNP © Christian KösterDer Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist etabliert und glaubwürdig. Warum muss es jetzt Europa sein?
Der DNP bleibt – und gewinnt eine europäische Perspektive dazu. Europa braucht gerade jetzt eine positive gemeinsame Erzählung. Wir diskutieren viel über Regulierung, Bürokratie, Energiekosten und Wettbewerbsfähigkeit, aber zu wenig über das Potenzial Europas und die Unternehmen, die nachhaltige Transformation bereits in Innovation, Resilienz und wirtschaftliche Stärke übersetzen. Solche Unternehmen gibt es in allen europäischen Ländern. Der ESA soll zeigen, wo Transformation wirtschaftlich gelingt, und diese Beispiele über Grenzen hinweg sichtbar und nutzbar machen. Anerkennung gibt den Menschen in den Unternehmen Rückenwind, bringt sie mit anderen Vorreitern zusammen und macht Mut, Neues zu wagen.?

Sie sagen, der ESA sei kein Export des DNP. Gleichzeitig werden die deutschen Sieger National Champions. Was bleibt vom DNP?
Seine DNA: unabhängige Jurys, klare Kriterien, transparente Verfahren und der Blick auf belegbare Wirkung statt auf große Versprechen. Hinzu kommen 18 Jahre Erfahrung mit einem anspruchsvollen Unternehmenswettbewerb und die Bereitschaft, ihn kontinuierlich weiterzuentwickeln. Der DNP ist das Fundament. Der ESA schafft die europäische Bühne. Wer 2026 in Deutschland gewinnt, wird National Champion Germany und vertritt Deutschland ab 2027 im europäischen Wettbewerb.

Wonach suchen Sie konkret – und wie wird entschieden?
Nach Unternehmen, die bei Klima, Ressourcen, Natur, Arbeit und Gesellschaft nachweisbar vorankommen – und daraus Innovation, Resilienz und wirtschaftliche Stärke entwickeln. Wir suchen nicht das perfekte Unternehmen. Entscheidend sind relevante Fortschritte, wirksame Lösungen und die Frage, ob andere daraus lernen können. 

2026 ist der deutsche Pilotlauf. Was machen Sie, wenn Bewerbungen oder Resonanz hinter den Erwartungen bleiben?
Ein neues europäisches System muss lernfähig sein. Genau deshalb erproben wir 2026 in Deutschland das vollständige Verfahren: mit drei Größenklassen, fünf Transformationsfeldern, fachlicher Bewertung und unabhängigen Jurys. Wir wollen sehen, was für Mittelständler ebenso gut funktioniert wie für große Unternehmen und was sich auf 30 unterschiedliche Märkte übertragen lässt. Wo etwas verbessert werden muss, verbessern wir es. Diese Lernfähigkeit war immer auch eine Stärke des DNP.

Teilnahmegebühren, Partner und verpflichtende Impact Benefits: Wie stellen Sie sicher, dass wirtschaftliche Interessen keinen Einfluss auf die Auszeichnungen bekommen?
Wie bisher: durch eine klare Trennung von Finanzierung und Entscheidung. Partner und Sponsoren haben keinerlei Einfluss auf Recherche, Bewertung, Nominierungen oder Juryentscheidungen. Gebuchte Leistungen und Wettbewerbsergebnisse sind strikt voneinander getrennt. Alle Kosten und Leistungen werden vor der Teilnahme transparent ausgewiesen. Die Impact Benefits setzen erst bei den Finalisten an. Sie machen deren Leistungen professionell und europaweit sichtbar. So finanzieren wir Reichweite, nicht Entscheidungen.

Angenommen, ein mittelständisches Unternehmen aus Baden-Württemberg gewinnt 2026. Was hat es konkret davon?
Schon als Finalist wird es mit seinem Transformationsprofil sichtbar.  Als Sieger wird es National Champion Germany und qualifiziert sich für die europäische Ebene. Dort steht es neben den Besten aus 29 weiteren Ländern und erreicht neue Kunden, Fachkräfte, Partner und Märkte. Das ist viel mehr als reine Kommunikation. Es schafft Reputation, Vergleichbarkeit und neue Verbindungen.

Siegerstimmung: Die Finalisten des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2025 © Christian Köster
Apropos Kommunikation: EmpCo verunsichert viele Unternehmen. Können sie die Auszeichnung künftig überhaupt noch nutzen?
Ja – aber klarer und verantwortlicher als bisher. Die neuen europäischen Regeln erhöhen die Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen und Kennzeichnungen. Deshalb lassen wir derzeit unser gesamtes Wettbewerbs- und Kommunikationssystem unabhängig prüfen. Unternehmen müssen präzise sagen, was ausgezeichnet wurde, von wem, in welcher Kategorie und in welchem Jahr. Dafür werden wir verbindliche Hinweise und geprüfte Vorlagen bereitstellen. Unser Anspruch ist nicht, rechtliche Grauzonen auszureizen, sondern Sicherheit zu schaffen.

Warum treiben Sie dieses Projekt nach 18 Jahren Deutschem Nachhaltigkeitspreis persönlich noch einmal in dieser Größenordnung voran?
Weil ich gesehen habe, was Anerkennung auslösen kann. Sie gibt Menschen in Unternehmen Rückenwind, macht Lösungen sichtbar und bringt Partner zusammen. Gleichzeitig wird die europäische Debatte derzeit stark vom Rollback geprägt. Daraus darf auf keinen Fall der falsche Eindruck entstehen, die Transformation sei gescheitert. In den Unternehmen passiert sehr viel – oft leiser, pragmatischer und wirtschaftlicher, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Diese Leistung braucht jetzt eine europäische Bühne. Und Europa braucht die Zuversicht, die von erfolgreichen Beispielen ausgeht.

Welche Unternehmen sollten sich jetzt bewerben?
Unternehmen jeder Branche und Größe, die zeigen können, wie nachhaltige Transformation praktisch und wirtschaftlich gelingt. Mittelständler treten nicht gegen Großkonzerne an, sondern werden in einer eigenen Größenklasse bewertet. Niemand muss bereits am Ziel sein. Gesucht werden glaubwürdige Fortschritte, belastbare Lösungen und der Mut, sich mit den Besten zu messen.

Bewerbungen für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 nach ESA-Regeln sind bis zum 14. September 2026 möglich.

Kontakt: Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. | buero@nachhaltigkeitspreis.de | www.nachhaltigkeitspreis.de



     
        
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