Garten-PV - Der Mini-Solarpark fürs Eigenheim
Kai Platz

Zukunft wird gemacht – nicht verwaltet

Im Münchner Werksviertel-Mitte trafen sich über 300 Touristiker:innen, um Zukunftsmut, Relevanz und Barrierefreiheit im Tourismus neu zu denken

Beim neuen B2B-Tourismusfestival der BayTM in München wurde deutlich: Bayern bleibt nur attraktives Reiseland, wenn die Branche Verantwortung, Zukunftsmut und gelebte Gastlichkeit zusammenbringt. Auf Main Stage, in Deep Dives und beim MICE-Walk ging es um Relevanz statt bloßer Reichweite, um Barrierefreiheit als strategischen Faktor und um die Frage, wie wir heute Zukünfte aktiv gestalten, die wir uns wünschen. 

 Eröffnung des neuen Tourismusfestivals der BayTM. © Kai Platz
Mit über 300 Teilnehmenden aus Tourismus, Wirtschaft und Politik feierte das neue B2B-Tourismusfestival der Bayern Tourismus Marketing GmbH (BayTM) im Werksviertel-Mitte seine Premiere. Zwei Tage lang zeigte sich, wie ernst die Branche Zukunftsfragen nimmt – und wie viel Lust auf gemeinsames Denken, Experimentieren und Umsetzen vorhanden ist. 

Erfolg ist das Ergebnis ständiger Verbesserung
Bayern verzeichnete 2025 rund 103 Millionen Übernachtungen, doch BayTM-Geschäftsführerin Barbara Radomski machte klar: Attraktivität ist kein Selbstläufer. Sie rief dazu auf, Verantwortung gemeinsam zu denken, voneinander zu lernen und mit guten Beispielen voranzugehen, statt über Herausforderungen zu klagen. Das Festival bündelte dafür verschiedene BayTM-Netzwerke: Impulse auf der Main Stage, Deep Dives zu Fachthemen, Co?Creation im Ideenwerk und Praxis-Touren vor Ort. 

Birthe Menke ruft zur aktiven Gestaltung der wünschenswerten Zukunft auf. © Kai PlatzDie Zukünfte selbst in die Hand nehmen
Zukunftsforscherin Birthe Menke lud mit ihrem Beitrag „More than one Future" dazu ein, Zukunft als Plural zu denken. Ausgehend vom „Futures Cone" von Joseph Voros zeigte sie, wie Organisationen zwischen wahrscheinlichen, möglichen und wünschenswerten Zukünften unterscheiden und sich bewusst aus dem Business-as-usual-Trichter hinausbewegen können. Zukunftsmut bedeutet für sie, vermeintlich abwegige Szenarien zuzulassen, gemeinsam zu spekulieren und durch kleine Interventionen den eigenen Kurs Schritt für Schritt in Richtung wünschenswerter Zukunftsbilder zu lenken. 

Relevanz statt Reichweite
Mit ihrem Vortrag „Der Cultural Shift – wie Communities, Kultur und Relevanz Marketing verändern" brachte Doris Pfleger, Co-Founderin der Culture-Marketing-Agentur Max & Doris, eine deutliche Verschiebung auf den Punkt: Es geht nicht mehr primär um Reichweite, sondern um Relevanz. Marken und Destinationen gewinnen, wenn sie ein besonderes „Etwas" haben – einen authentischen kulturellen Anker, der Menschen wirklich berührt und in Communities verankert ist. Dann werden Kund:innen und Partner zu Multiplikator:innen; sie empfehlen weiter, erzählen Geschichten und werden zu Influencer:innen für das, was sie überzeugt hat. Sichtbarkeit entsteht so aus Beziehungen und gelebter Glaubwürdigkeit, nicht aus kurzfristigen Kampagnen. 

Unterschiede als Wettbewerbsvorteil
Mit dem Deep Dive zu Barrierefreiheit und dem demografischen Wandel rückte die BayTM einen oft unterschätzten Markt ins Zentrum. Rund 10,4 Millionen Menschen mit Behinderung, 19 Millionen Senior:innen und Millionen Familien zeigen, dass Barrierefreiheit weit mehr Menschen betrifft, als die Branche lange angenommen hat. Die Botschaft der Referent:innen: Barrierefreiheit entscheidet nicht nur über Teilhabe, sondern ganz konkret über Buchung und wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor für Destinationen. Viele Betriebe sind bereits weiter, als sie denken – entscheidend ist, Informationen, Zugänglichkeit und Service konsequent entlang der gesamten Reisekette sichtbar zu machen. 

Vorteil durch Daten
Beim MICE-Walk durch das Werksviertel zeigte sich zudem, dass Nachhaltigkeit im Geschäftstourismus immer konkreter eingefordert wird: Unternehmen fragen zunehmend nach Emissionsdaten und verankern Nachhaltigkeitsleistungen in Ausschreibungen, auch wenn sie noch nicht immer buchungsentscheidend sind. Das deutet darauf hin, dass belastbare Nachhaltigkeitsinformationen im MICE-Segment rasch vom Zusatzkriterium zum Standard werden können. 

Location mit Geschichte – und Zukunft
Das Werksviertel selbst steht sinnbildlich für diesen Wandel: Statt Abriss setzt Unternehmer Werner Eckart auf Revitalisierung, Kunst und Kultur und ein „Dorf in der Stadt"-Konzept mit Siedlern und Nomaden. Siedler sammeln bei Einkäufen „Knödel", die sie im Netzwerk einlösen können, und müssen mindestens eines von drei Kriterien erfüllen – sozial, ökologisch oder ökonomisch vorbildlich beziehungsweise erfolgreich. So entsteht ein Quartier, in dem wirtschaftliche Entwicklung, Kultur und gelebte Verantwortung zusammengehören. 

Positive Bilanz für Bayern und Tourismus
Das Tourismusfestival zeigt damit: Zukunft wird nicht verwaltet, sondern gemacht – von denen, die den Mut haben, über das Wahrscheinliche hinauszudenken, Relevanz über Reichweite zu stellen, Barrierefreiheit als Maßstab für echte Gastlichkeit zu sehen und Nachhaltigkeit im MICE-Geschäft mit Daten hinterlegen. 
 
Kai Platz ist Redakteur bei forum und betreut unter anderem das Kooperationsmanagement mit dem Themenschwerpunkt Tagen & Tourismus.

Weitere Artikel von Kai Platz:

Klimahouse 2026: Wenn Nachhaltigkeit zur DNA einer Messe wird
Die Messe Bozen zeigt, wie zukunftsfähiges Wirtschaften in der Messewirtschaft funktioniert
Mit über 400 Ausstellern und 27.000 Besuchern hat die Messe ihre Position als zentrale Plattform für verantwortungsbewusstes und energieeffizientes Bauen in Italien eindrucksvoll bestätigt. Vom 28. bis 31. Januar in Bozen bewies sie erneut: Nachhaltigkeit ist hier kein Marketing-Versprechen, sondern gelebte Unternehmenskultur.


Prowinter Bozen: Nachhaltigkeit als Weg
Die Messe Bozen zeigt, wie nachhaltige Transformation im Messebetrieb geht
Forum war zu Besuch auf der Prowinter, dem internationalen Treffpunkt des Sportfachhandel für Wintersport und Outdoor in Bozen, um einen Blick auf die Nachhaltigkeitsbemühungen der Messe zu werfen.


Erst machen, dann reden: Der Stanglwirt und sein revolutionäres BIO-Energie Kraftwerk
Familie Hauser investierte 11 Millionen Euro in ihr klimapositives Kraftwerk – was andere Unternehmen daraus lernen können
„Ihr werdet doch nicht eine Technologie einbauen, die 50 Jahre alt ist." Mit diesem Satz veränderte Klaus Embacher, Nachbar und Mitarbeiter des Tiroler Technologieunternehmens Syncraft, die Energiezukunft des Bio- und Wellnesshotels Stanglwirt.


Nachhaltigkeit in der Hotellerie zahlt sich aus
Das Erfolgsmodell Steineggerhof
Familie Resch bringt in Südtirol ökologische Verantwortung, wirtschaftlichen Erfolg und Genuss zusammen.


Messe-Events neu denken
Herausforderungen und Chancen einer umweltbewussten Eventgestaltung
Messe Bozen will die nachhaltigste Messe Italiens und damit ein Vorreiter in der Eventbranche werden. Ihr Direktor Thomas Mur, spricht im Interview über den tiefgreifenden Wandel der Eventbranche, neue Anforderungen an Locations und Partnerschaften – und wie Nachhaltigkeit zur Haltung wird.




     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Der Rummelplatz als Kulturgut
Christoph Quarchs Gedanken zur Volksfestzeit
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Zukunft wird gemacht – nicht verwaltet

EEG: Strommarkt sollte viele einbinden, nicht wenige begünstigen

"I want you to act as if our house is on fire. Because it is."

Urlaub machen, wo die Feuerwehr im Dauereinsatz ist?

Neue Hitzewelle: Intakte Natur schützt vor Hitze und Trockenheit

Mit diesen 5 Besonderheiten wird die Tagung zum Event

"Angriff auf die Erneuerbaren Energien"

Neue dynamische Datenbank zur Generierung externer Materialdaten

  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • NOW Partners Foundation
  • Engagement Global gGmbH
  • WWF Deutschland
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • TÜV SÜD Akademie
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • ZamWirken e.V.
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • 66 seconds for the future