Gesellschaft | Politik, 21.07.2026
Sondervermögenstracker: Jeder fünfte Euro aus dem KTF ist nicht klimawirksam
20% des KTF nicht klimaziel-kompatibel
Der BNW hat die Posten des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaschutz (SVIK) sowie des Klima- und Transformationsfonds (KTF) durchleuchtet und ihre Übereinstimmung mit dem Klimaziel 2045 klassifiziert. Im Vergleich zum Vorjahr steigen die Mittel im KTF, die vollständig oder zum Teil das Klimaziel bremsen.

20% des KTF nicht klimaziel-kompatibel
Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) soll gemäß Gesetzgeber „insbesondere Maßnahmen [fördern], die geeignet sind, die Transformation Deutschlands zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Volkswirtschaft voranzutreiben." Mit Blick auf das Haushaltsjahr 2027 sind dafür im Regierungsentwurf 40,3 Milliarden Euro an Ausgaben veranschlagt. Davon laufen gemäß dem BNW-Sondervermögenstracker 20,3% (+6,9 Prozentpunkte im Vgl. zu 2026) dem Klimaziel vollständig oder in Teilen entgegen. Bei den Posten handelt es sich beispielsweise um die Zuschüsse für emissionshandelsbedingte Strompreiserhöhungen (+1 Mrd. Euro im Vgl. zu 2026), den Industriestrompreis (+2,4 Mrd. Euro im Vgl. zu 2026), den gewachsenen Ausgleich der Gasspeicherumlage (+24 Mio. Euro im Vgl. zu 2026) sowie die Mittel für die Umsetzung der nationalen Kraftwerksstrategie (gleichbleibend zu 2026).
„Für 2027 plant das BMF die Zuschüsse an stromintensive Unternehmen zum Ausgleich von emissionshandelsbedingten Strompreiserhöhungen noch einmal um 25 % auf insgesamt 5 Milliarden Euro aufzustocken. Zusätzlich sind für den Industriestrompreis weitere 2,4 Milliarden Euro reserviert. Damit haben sich die Industriesubventionen beim Strom im KTF in den letzten drei Haushaltsjahren mehr als verdoppelt. Davon profitiert jedoch nur ein kleiner Kreis besonders stromintensiver Unternehmen. Sinnvoller wäre es, die Stromkosten für alle zu senken – vom Mittelstand bis zu privaten Haushalten. Das würde die Elektrifizierung der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft beschleunigen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Wettbewerbsfähigkeit leisten", so Konstantin Litke, Leiter Politik beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.
Mehr Mittel für natürlichen Klimaschutz und effiziente Gebäude
Trotz der deutlich gestiegenen Mittel für Industriezuschüsse und die von 2,5 auf 4,4 Milliarden angestiegenen Globale Minderausgabe ergeben sich durch Umschichtungen in den einzelnen Programmen auch Gewinne für den Umwelt- und Klimaschutz. So begrüßt der Verband, dass beispielsweise mehr Mittel für den Natürlichen Klimaschutz (+348 Mio. Euro im Vgl. zu 2026), zur Förderung der Energieeffizienz und Erneuerbaren im Gebäudebereich (+590 Mio. Euro im Vgl. zu 2026) sowie für die Umsetzung der nationalen Kreislaufstrategie (+35 Mio. Euro im Vgl. zu 2026) reserviert sind.
„Dass einzelne Posten mit positiver Klimaschutzwirkung aufgestockt werden, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor zu viel Geld des KTF in klimaschädliche Projekte fließt. Gegenüber dem Vorjahr ist der Wert sogar gestiegen. Ohne Anpassungen in den Haushaltsverhandlungen könnte jeder fünfte KTF-Euro in Ausgaben fließen, die das Klimaziel zum Teil bremsen", so Lukas Fox, stellvertretender Leiter Politik beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.
SVIK bremst weder das Klimaziel, noch zahlt es mehr darauf ein
Gemischt fällt die Bilanz für die geplanten Ausgaben des Bundesanteils im SVIK aus. Hier zeigt die Auswertung des Sondervermögenstrackers: Der Anteil an Posten, die das Klimaziel vollständig oder zum Teil bremsen, ist mit einem Zuwachs von 0,5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant. Nicht oder nur in Teilen mit dem Klimaziel kompatibel sind aus Sicht des Verbandes unter anderem die Zuwendungen aus dem SVIK zur Finanzierung der LNG-Terminals (-59 Mio. Euro im Vgl. zu 2026) sowie die Gelder an die PCK-Schwedt (unverändert zu 2026) und die Mittel zum Erhalt der Brücken und Tunnel im Bestandsnetz der Bundesautobahnen (-440 Mio. Euro im Vgl. zu 2026).
Im Vergleich zu 2026 finden sich im Regierungsentwurf für 2027 mehr neutrale Posten ohne dezidierte Klimaschutzwirkung. Sie machen 46,5% des SVIK-Bundesanteils aus und damit 8,3 Prozentpunkte mehr als noch 2026. Dies ist unter anderem auf die Vielzahl an Maßnahmen zur Digitalisierung der Verwaltung zurückzuführen. Für 2027 finden sich allein sieben verschiedene Posten, die Mittel für die Digitalisierung unterschiedlicher Bundesverwaltungen bereitstellen. Im Tracker neutral bewertete Posten mit weniger Mitteln sind z.B. das Investitionsprogramm Kindertagesbetreuung (-506 Mio. Euro im Vgl. zu 2026) oder die Sanierung kommunaler Sportstätten (-783 Mio. Euro im Vgl. zu 2026).
„Mit Blick auf das SVIK sendet der Haushaltsentwurf ein problematisches Signal: Obwohl der Bundesanteil des Sondervermögens 2027 nicht weniger klimaschädlich wird, verliert der Klimaschutz deutlich an Priorität. Der Anteil der Ausgaben, die ganz oder teilweise auf die Klimaziele einzahlen, sinkt von 51,9 % im Jahr 2026 auf 44,1 % im Jahr 2027. Gleichzeitig steigt der Anteil neutral bewerteter Ausgaben von 38,2 % auf 46,5 %. Statt die zusätzlichen Mittel konsequent für die ökologische Transformation einzusetzen, nutzt der Bund das Sondervermögen zunehmend zur Modernisierung der Verwaltung", so Litke weiter.
Mehr Klimatransparenz im SVIK
Ziel des Sondervermögenstrackers ist es, die Transparenz über die Klimawirkung öffentlicher Investitionen zu erhöhen und eine Debatte über die Ausrichtung und Wirksamkeit der Investitionen aus dem SVIK und KTF anzustoßen. Die abgebildeten Zahlen basieren auf den Haushaltsdaten der Bundesregierung und werden mit jedem neuen Bundeshaushalt aktualisiert. Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. kategorisiert und bewertet die Zahlen.
„500 Milliarden Euro dürfen kein Verschiebebahnhof für Milliarden sein. Sie müssen nachvollziehbar in unsere Zukunft investieren. Transparenz schafft Vertrauen – und zeigt, welche Ausgaben unser Klimaziel voranbringen und welche ihm entgegenstehen. Denn Schulden für die Zukunft sind nur dann gut investiert, wenn sie auch Zukunft schaffen", so Alma Spribille, WEtell-Geschäftsführerin und BNW-Vorständin.
Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW) bringt die Stimme der progressiven Unternehmen direkt ins politische Berlin. Seit der Gründung 1992 setzt sich der BNW e.V. als unabhängiger Unternehmensverband für Umwelt-, Klimaschutz und soziale Nachhaltigkeitsaspekte ein. Mit seinen 700 Mitgliedsunternehmen steht der Verband für mehr als 200.000 Arbeitsplätze; Großunternehmen sowie Mittelstand sind in dem branchenübergreifenden Netzwerk genauso vertreten wie Cleantech-Startups und Social-Entrepreneurs. Kontakt: Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V., Joscha Frost | presse@bnw-bundesverband.de | www.bnw-bundesverband.de/
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