Umwelt | Naturschutz, 21.07.2026
Die Natur stirbt leise
Auswirkungen des Krieges aus die Umwelt im persischen Golf
Während ganz Deutschland sich um den Wal Timmy Sorgen machte, brachten menschliche Einflüsse und nicht zuletzt Militär und Kriege Millionen von Tieren den Tod. Ein Blick ins aktuelle Kriegsgebiet um Hormuz.

Der Persische Golf umfasst von seinem nordwestlichen Ende bis zu der Meerenge von Hormuz eine Fläche von 240.000 km². Er ist ein ausgedehntes, durchschnittlich ca. 40 m tiefes Flachmeer, dessen Wasser sich nur langsam durch die Straße von Hormuz erneuert. Der biologische Reichtum des Gebiets ist enorm. Es gibt ausgedehnte Korallenriffe und Mangrovenwälder. Die Seegraswiesen der Küstenbereiche um Quatar, Bahrein und der Vereinigten Arabischen Emirate sind der Lebensraum von 6000-7000 Dugongs, eine der vier gegenwärtig existierenden Seekuh-Arten der Welt, die alle vom Aussterben bedroht sind. Mehrere hundert Fischarten, fünf Arten Meeresschildkröten sowie 14 Wal- und Delphinarten wurden im Persischen Golf nachgewiesen. Außergewöhnlich ist das Vorkommen von Buckelwalen. Ein sehr geringer Bestand dieser Art - weltweit die einzige bekannte ortsansässige Population dieses normalerweise lange Wanderungen unternehmenden Wals - lebt im nördlichen Indischen Ozean. Einzelne Exemplare dringen gelegentlich bis in die innersten Gewässer des Persischen Golfs vor.
Die Kosten des Reichtums
Schon vor dem Konflikt war das Ökosystem des Persischen Golfs durch menschliche Aktivität stark belastet. Gegenwärtig sind hier ca. 450 Meerwasserentsalzungsanlagen in Betrieb. Durch die eingeleiteten, konzentrierten Rückstände sowie die starke Verdunstung durch intensive Sonneneinstrahlung ist der Salzgehalt des Meeres in den letzten Jahrzehnten ständig gestiegen. Die meisten Korallenriffe sind stark geschädigt. Ungeklärte Abwässer sowie ins Meer gelangendes Erdöl und dessen Derivate sind ein ernstes Problem.
Der Lärm des starken Schiffsverkehrs im Gebiet beeinträchtigt die normale Aktivität der Meerestiere, besonders der Wale und Delphine. Durch die Sonaranlagen von Kriegsschiffen wird ihr Leben noch direkter angegriffen. Das beweisen zahlreiche Vorfälle. Im September 2002 wurden 14 Cuvier-Schnabelwale bei Nato-Seemanövern an die Strände der Kanarischen Inseln Fuerteventura und Lanzarote gespült. Ähnliche Vorfälle gab es Jahre davor in griechischen Gewässern sowie um Madeira und auch bei den Bahamas. Erst eine intensive Untersuchung an der Universität in Gran Canaria und dem zoologischen Institut London, mit einer entsprechenden Veröffentlichung 2003 in der Zeitschrift "Nature”, erbrachte den Nachweis für einen direkten Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von marinen Sonargeräten und dem Tod von Walen. In kanarischen Gewässern wurden die Manöver daraufhin eingestellt.
Eine tickende Zeitbombe
Der Krieg wirkt sich verheerend auf das Ökosystem im Persischen Golf aus. Die Berichtserstattung darüber ist gering - Reporter können in dem Krisengebiet kaum ihrer Tätigkeit nachgehen. In den Medien stehen die unsicher gewordene Öl- und Gasversorgung vieler Länder und nicht die Umweltprobleme im Vordergrund.
Aber auch schon die Durchfahrt von täglich 40 bis 70 Öltankern durch die Straße von Hormuz vor der Blockade der Meerenge bedeutete ein großes ökologisches Risiko. Das sind 15.000 bis 25.000 Tankschiffe im Jahr, von denen sich viele nicht in optimalem Zustand befinden. Das zeitweilige Schließen der Straße von Hormuz, mit der Akkumulation von wartenden Öltankern und anderen Schiffen, die z.T. angegriffen wurden, stellt eine ökologische Zeitbombe dar. Die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten oder sogar absichtlich verursachten, massiven Ölkatastrophe im Persischen Golf ist hoch. Außerdem ist die Verminung der Gewässer, falls sie aufrechterhalten wird, nicht nur für Schiffe, sondern auch für alle Meereslebewesen eine große Gefahr.
Mittel- und langfristig kann man nur die Konsequenz ziehen, die regenerativen Energien weiter auszubauen, um die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern immer mehr zu verringern und schließlich aufzugeben.
Frau Reiche – es reicht!
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