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Sven Geitmann
Technik | Energie, 20.07.2026

Regional die Energiewende mit Hilfe von Wasserstoff voranbringen

H2CE – Stärkung der H2-Regionen in Mitteleuropa

Bisher war Brandenburg nicht gerade führend in Deutschland beim Thema Wasserstoff. Aufgrund des Mangels an Industrieunternehmen sowie der teilweise recht dünnen Bevölkerungsdichte gab es bislang – abgesehen von der Lausitz – nur recht wenig Initiativen, die sich mit der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie befasst haben. Das könnte sich nun ändern, denn jetzt bekommt der Nordwesten Brandenburgs einen eigenen H2-Aktionsplan. 
 H2CE-Kick-off-Meeting in Brandenburg im April 2023, Besuch der H2-Tankstelle am Flughafen BER. © H2CE-Projekt
Drei Jahren lang beteiligte sich Nordwest-Brandenburg und auch aus Lübben an H2CE – einem europäischen Interreg-Förderprojekt, an dem insgesamt sieben EU-Länder mitwirkten. Das von der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg (GL) initiierte und als Leadpartner geleitete Projekt H2CE zielte darauf ab, mitteleuropäische Regionen bei der Integration von Wasserstoff in die regionale Energieplanung zu unterstützen.

Bei H2CE geht es um die „Unterstützung der Energiewende zu einem klimaneutralen Mitteleuropa". Insgesamt stehen dafür Gesamtmittel in Höhe von 2,39 Mio. Euro zur Verfügung bei einer Förderquote durch den Europäischen Fonds von 80 Prozent. Fast 200.000 Euro davon fließen in die Region nordwestlich von Berlin.
 
Die Stadt- und Überlandwerke Lübben / Spreewald entwickeln im Rahmen des Projekts ein Energiezellenmodell, welches sowohl auf andere Brandenburger Regionen als auch auf Regionen aus ganz Mitteleuropa übertragbar sein kann.
H2CE steht für Wasserstoff in Zentral-Europa (hydrogen in Central Europe). Das Projekt lief seit April 2023 und fand Ende März 2026 seinen Abschluss mit einer großen Konferenz in Berlin. Das gesamte Projektkonsortium bestand aus zwölf Partnern aus Deutschland, Polen, Österreich, Tschechien, Slowakei, Italien und Kroatien. Ein zentrales Ziel war, die transnationale Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure zu verbessern und die beteiligten Regionen H2-ready zu machen.

Regionen H2-ready machen
Bislang war es so, dass europaweit nur die Energieregionen mit Wasserstoff wirklich in Kontakt standen. Dort, wo bereits in der Vergangenheit Energie eine wichtige Rolle gespielt hat und viel Industrie angesiedelt war (z. B. Ruhrgebiet, Schwaben), bildeten sich über die Jahre H2-Initiativen und auch sogar erste H2-Valley, so dass die dortigen Akteure heute bereits gut aufgestellt sind. Der Transformationsprozess von der fossilen zur erneuerbaren Energie-Welt ist dort bereits in vollem Gange.

Nicht so in den Regionen mit weniger Bevölkerungsdichte und weniger Industrieansiedlung. Dort haben in der Regel weder die wirtschaftlichen Akteure noch die Verwaltungen sonderlich viel Ahnung von Wasserstoff – einfach deshalb, weil bisher noch keine Notwendigkeit bestand, sich damit zu beschäftigen. Dies soll sich nun ändern:

H2CE widmete sich der gemeinsamen Herausforderung der Regionen, eine intelligente Integration von Wasserstofflösungen und erneuerbaren Energien in die regionale Energiewende einzubringen. Durch verschiedene Projektaktivitäten wurden Entscheidungshilfen für regionale Planungsinstitutionen entwickelt. Außerdem wurden Lösungen für eine funktionierende transnationale Zusammenarbeit erarbeitet. Regionale Behörden und Verwaltungen sollen auf diese Weise in die Lage versetzt werden, möglichst förderliche Rahmenbedingungen für die Integration von Wasserstoff in die dortigen Planungsaktivitäten zu schaffen.

Kommunen und Städte sollen so in die Lage versetzt werden, die regionale Energiewende proaktiv zu steuern und zu unterstützen, die Zusammenarbeit mit Industrie und Projektträgern zu verbessern und somit zur Beschleunigung des Hochlaufs der regionalen Wasserstoffwirtschaft beizutragen. H2CE verbessert also die Voraussetzungen der teilnehmenden Regionen, die Bedeutung des Themas Wasserstoff in ihrem spezifischen Kontext zu beurteilen.
 
Vorausgegangen waren diesem Projekt bereits eine Studie des Deutschen Wasserstoff-Verbands (DWV) sowie eine H2-Potenzialstudie, die den Grundstein legten für diese Arbeiten. © REG

Das Ziel ist, die Regionen H2-ready zu machen, damit die Energiewende mit oder ohne Wasserstoff funktionieren kann. Eine Region kann also H2-ready sein oder werden, ohne, dass das Thema Wasserstoff bis dato für die jeweilige Region von Bedeutung war.

Für den Erwerb einer „H2-Fähigkeit" (H2-Readiness) gibt es unterschiedliche Projektaktivitäten:
Zunächst geht es um die Analyse der Bedeutung von Wasserstoff in energiewirtschaftlicher und planerischer Hinsicht. Dafür ist eine Vermittlung von Grundlage für die Erstellung einer Wasserstoffstrategie oder eines Aktionsplans erforderlich. Bei diesem Prozess wurden die Regionen mittels eigens entwickelter Leitfäden unterstützt – auch Nordwest-Brandenburg, für die jetzt genau solch ein H2-Aktionsplan erstellt wurde. Für andere Regionen wurde parallel dazu beispielsweise eine transnationale Wasserstoffstrategie aufgesetzt.

Andere Regionen befassen sich mit dem Entwickeln und der Testung von Unterstützungsmechanismen für die Integration von Wasserstoff in die regionalen und lokalen Energiesysteme. Hierbei ging es darum, wie Behörden und Institutionen, die sich mit der regionalen Energieplanung befassen, solche Unterstützungsprozesse initiieren und umsetzen können. Die Unterstützungsmechanismen reichen vom Erarbeiten und Testen von Energiezellenmodellen, partizipativen Ansätzen beim Aufbau von fachlichen Kompetenzen der Stakeholder bis hin zu Instrumenten, die Anreize schaffen sollen.

Dazu gehört ebenfalls unter anderem ein GIS-basiertes Tool, welches die H2-Aktivitäten in einer Region zusammenfasst und somit Entscheidungsträger und Stakeholder bei ihrer Arbeit unterstützt. Bei einem Geo-Informationssystem können verschiedene Lagen (Layer) unterschiedlicher Landkarten übereinander gelegt werden (z. B. Straßen, Schienen, Stromnetze, Umspannwerke, Windparks usw.). Auf diese Weise lässt sich gut sichtbar machen, an welchen Standorte beispielsweise Elektrolyseure für die H2-Erzeugung am sinnvollsten errichtet werden sollten.

Ein weiterer Projektschwerpunkt war die Netzwerkbildung. Hierbei ging es darum, wie sich unterschiedliche H2-Regionen in Mitteleuropa einfach und sinnvoll verknüpfen können. Zu diesem Zweck wurde eine interaktive Internet-Plattform geschaffen, die jede interessierte Region auch nach Abschluss des Projekts nutzen kann. Dieses neu geschaffene Netzwerk von H2-ready Regionen in Mitteleuropa steht seit März 2026 allen offen.

Mehrwert für die Hauptstadtregion
Angestoßen wurde das Gesamtprojekt von der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg, einem Zusammenschluss der Berliner und Brandenburger Verwaltung, die gegründet wurde, um die gesamte Hauptstadtregion bestmöglich bei gemeinsamen Herausforderungen zu positionieren. Beweggrund war, dass das immense Potenzial an erneuerbaren Energien im Flächenland Brandenburg für die gesamte Planungsregionen eine herausragende Bedeutung hat und sowohl Brandenburg als auch Berlin zu Gute kommen kann.

Fachlich unterstützt wurde die GL vom Reiner-Lemoine-Institut (RLI), die im Projekt zahlreiche Analyse, Machbarkeitsstudien und Aktionspläne sowie im Abschluss eine transnationale Strategie erstellt haben.

Die Hauptstadtregion profitierte dabei davon, dass sowohl Berlin als auch Brandenburg bereits über eigene H2-Strategien verfügten. Außerdem gab es in einigen Landkreisen regionale Netzwerke von H2-Akteuren, die bei der Projektarbeit aktiv mit eingebunden wurden (z. B. PROOH2V – H2-Netzwerk für Nordwest-Brandenburg). Deren Input floss ebenso in die beiden Machbarkeitsstudien sowie den Aktionsplan mit ein wie die Erfahrungen der Workshop und der Netzwerktreffen, die der regionale H2-Netzwerkmanager Jan Gühne organisierte.

Zentrale Ergebnisse sind das Projekt „multimodale Schiene" und „HyCapital", die im Zuge des H2-Aktionsplans umgesetzt werden sollen. Bei ersterem handelt es sich um ein groß angelegtes Vorhaben der DESAG, eines privaten Eisenbahnanbieters, der nicht nur neue Glasfaserkabel entlang seiner Gleise verlegen will, sondern perspektivisch auch dezentrale H2-Projekte ansiedeln möchte.
HyCapital ist ein ganzheitlicher Ansatz, den Aufbau einer H2-Tankstellen-Infrastruktur zusammen mit den Betreibern von Nutzfahrzeugen in der Region voranzutreiben und dabei auf grünen Wasserstoff aus Brandenburg zu setzen.

Dipl.-Ing. Sven Geitmann ist forum-Kurator und beschäftigt sich seit 1997 mit der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik. Zwanzig Jahre lang brachte er die Fachzeitschrift HZwei und zwölf Jahre das englischsprachige Pendant H2-international im von ihm selbst geleiteten Hydrogeit Verlag heraus. Seit April 2025 ist er als Wasserstoff-Experte und beratender Ingenieur tätig, für sechs Monate wirkte er selbst für die Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) an dem beschriebenen H2CE-Projekt mit.

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