Umwelt | Klima, 06.06.2026
Klimaverhandlungen in Bonn: Neuer Multilateralismus und konkrete Fortschritte gefragt
SB64 müssen ab Montag Weichen für Weltklimakonferenz im November stellen
Mit Blick auf die am Montag beginnenden UN-Klimaverhandlungen in Bonn (SB64) fordert die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch die internationale Staatengemeinschaft zu entschlossenem Handeln auf. Die Klimakonferenz biete eine wichtige Gelegenheit, die Chancen internationaler Klimakooperation sichtbar zu machen und den Weg für substanzielle Ergebnisse bei der Weltklimakonferenz COP31 in Antalya zu ebnen.
„Die Verhandlungen in Bonn müssen ein klares Signal für wirksamen Klimaschutz senden. Dabei geht es nicht nur um die Verhandlungen selbst. Die Staatengemeinschaft muss insgesamt zeigen, dass sie trotz globaler Krisen und Spannungen in der Lage ist, einerseits gemeinsame Lösungen für die Klimakrise weiterzuentwickeln. Andererseits geht es da, wo einzelne Staaten Fortschritte blockieren darum, in Gruppen von Vorreiterstaaten beherzt die Umsetzung von Klimaschutz voranzutreiben", betont Petter Lydén, Leiter des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.Lydén fordert, dass Bonn nicht nur ein technisches Treffen sein dürfe. "Die Regierungen müssen zeigen, dass sie ihre Klimaschutzzusagen in konkrete Maßnahmen umsetzen und Dynamik für die COP31 aufbauen. Die Staaten müssen in diesem Kontext darlegen, wie die Ziele der globalen Bestandsaufnahme umgesetzt werden sollen. Als Reaktion auf die Energiekrise gilt es zudem, die Dynamik für einen gerechten, geordneten und fairen Ausstieg aus fossilen Energien zu steigern und die Elektrifizierung als Antwort auf Herausforderungen der Energiesicherheit sowie als Mittel zur Umsetzung der vereinbarten Energieziele voranzutreiben.”
Lydén weiter: „Der Erfolg von Bonn sollte auch daran gemessen werden, ob Regierungen konkrete Umsetzung nachweisen können – nicht nur Ambitionen. Die Länder müssen ihre Vision für die COP31 klarer formulieren. Die Regierungen sollten gemeinsam mit der türkischen COP31-Präsidentschaft und der australischen Verhandlungspräsidentschaft ihre Ziele sowohl für die formellen Verhandlungen als auch für die nun immer wichtiger werdende Global Climate Action Agenda klar kommunizieren.”
Erwartete Ernährungskrise muss dringend in den Fokus rücken
"In Bonn müssen die Anpassung an die Klimakrise sowie der Umgang mit klimabedingten Verlusten und Schäden deutlich stärker in den politischen Fokus rücken. Die anhaltende Energiekrise und vor allem die durch die Düngemittelblockade und den beginnenden El Niño absehbare Ernährungskrise erfordern dringend konkretes Handeln. Gleichzeitig muss die notwendige technische Arbeit konsequent vorangetrieben werden. Dazu gehört, in Bonn den Weg zur Finalisierung der Indikatoren für das Globale Ziel für Klimaanpassung zu klären. Nur wenn Anpassung und der Umgang mit Verlusten und Schäden politisch und praktisch vorangebracht werden, kann die internationale Klimapolitik den Herausforderungen der kommenden Jahre gerecht werden”, betont Laura Schäfer, Co-Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.
Deutschland bei Klimafinanzierung gefordert
Die Pariser Vertragsparteien sind dazu verpflichtet, die globalen Finanzströme mit den Klimaschutz- und Anpassungszielen des Pariser Abkommens in Einklang zu bringen. In Bonn müssen nun konkrete Signale an alle Vertragsparteien gesendet werden, um sicherzustellen, dass diese Ziele auch umgesetzt werden. "Grundlage für konkrete Fortschritte dabei ist das Vertrauen in die Klimafinanzierungszusagen Deutschlands und anderer Industrienationen. Die aktuellen Kürzungen in den Entwicklungsbudgets vieler Länder inklusive Deutschlands sorgen im Globalen Süden für große Verunsicherung, insbesondere in Bezug auf Zahlungen für dringend benötigte Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Verlässliche öffentliche Klimafinanzierung ist deshalb elementar für konkrete Ergebnisse in den Gesprächen, die Umsetzung von Klimaschutz- und Anpassungsprojekten aber auch die Hebelung von privaten Finanzmitteln. Deutschland muss zeitnah ein neues und ambitioniertes Klimafinanzierungsziel verkünden”, fordert Ute Sudmann, Leiterin des Bereichs Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch.
Nicht zuletzt sollten die Regierungen die Weiterentwicklung des UN-Klimaprozesses selbst unterstützen. "Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und sich verschärfender Folgen der Klimakrise sowie der Lücke zwischen Notwendigem und Umgesetztem im Klimaschutz muss die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen weiterentwickelt werden. Nur dann kann sie für die nun anstehende beschleunigte Umsetzung als wirksame Plattform für internationale Zusammenarbeit und Klimadiplomatie dienen”, so Laura Schäfer.
Kontakt: Germanwatch e.V., Stefan Küper | kueper@germanwatch.org | www.germanwatch.org
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