Apu Gosalia
Umwelt | Klima, 08.06.2026
“Mehr ist nicht weniger“
Mehrebenen-Klimaschutz: global + lokal = glokal2
Der Bericht des Global Covenant of Mayors for Climate & Energy (GCoM) und der C40 Cities Climate Leadership Group vom 24. März 2026 untersucht die Umsetzung von Mehrebenen-Klimaschutz in der EU. Die Studie mit dem Titel „The European Multilevel Governance Story: Evidence on CHAMP-aligned Implementation in Practice" bündelt Beispiele aus den EU-Mitgliedstaaten und analysiert die Zusammenarbeit zwischen europäischen Institutionen und nationalen, regionalen sowie lokalen Ebenen.

Was ist Was?
Multilevel Governance (Mehrebenen-Klimaschutz)
- Mehrebenen-Klimaschutz: Koordinierte Zusammenarbeit auf globaler, europäischer, nationaler, regionaler und lokaler politischer Ebene, um Klimaziele durch konsistente Rahmenbedingungen und Vernetzung effektiv zu erreichen
- Globale-Ebene: Welthungerhilfe betont, dass zur Stärkung der Klimaresilienz Investitionen in Wasserwirtschaft, Infrastruktur und Landwirtschaft essenziell sind
- EU-Ebene: Green Deal Ziele, z.B. Treibhausgasreduktion um 55 % bis 2030, Klimaneutralität 2050
- Nationale Ebene: Klimaschutzgesetz mit Ziel der Klimaneutralität bis 2045 und Zwischenzielen von 65 % Treibhausgaseinsparung bis 2030 und 88 % bis 2040
- Lokale/Subnationale Ebene: Städte, Regionen und Kommunen spielen zentrale Rolle bei der Umsetzung von Maßnahmen, z.B. Ausbau von Energienetzen, Nahverkehr und Gebäudesanierung
Global Covenant of Mayors for Climate & Energy (GcoM)
- GcCOM: Weltweit größtes Bündnis von Städten und lokalen Regierungen, die sich für den Klimaschutz einsetzen und so die Möglichkeit haben, ihre lokalen Klimaschutzbemühungen international sichtbar zu machen und an den Zielen des Pariser Abkommens auszurichten.
- Ziel: Ehrgeizige, messbare und geplante Klimamaßnahmen auf lokaler Ebene unterstützen, um eine emissionsarme Gesellschaft zu schaffen
- Aktionen: Mitgliedsstädte entwickeln Klimaaktionspläne, um Ziele zur Emissionsreduzierung und Klimaanpassung zu erreichen
- Träger: Unterstützung durch Europäischen Kommission, u.a., wobei oft regionale Ableger aktiv sind
- Nutzen: Zugang zu Ressourcen, Best-Practice-Beispiele und Finanzierungsmöglichkeiten für Klimaprojekte
C40 Cities Climate Leadership Group (C40)
- C40: Weltweites Städtenetzwerk aus fast 100 führenden Metropolen mit Repräsentanz von knapp 1 Mrd. Menschen, die gemeinsam den Klimawandel bekämpfen
- Ziel: Halbierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe bis 2030, Beschleunigung der Energiewende und Stärkung der Klimaresilienz
- Gründung: 2005 von 18 Städten initiiert
- Städte: Vertreten sind Großstädte weltweit, wie London, New York, Tokio, etc. Auch zwei deutsche Städte sind vertreten, Berlin und Heidelberg
- Maßnahmen: Nachhaltige Stadtplanung, Elektrifizierung des Verkehrs, Ausbau erneuerbarer Energien und Förderung grüner Arbeitsplätze
Coalition for High Ambition Multilevel Partnerships for Climate Action (CHAMP)
- CHAMP: Auf der COP28 (Weltklimakonferenz 2023 in Dubai) ins Leben gerufene Initiative
- Ziel: Klimaziele des Pariser Abkommens durch besseren Austausch über alle Regierungsebenen hinweg zu beschleunigen.
- Maßnahmen: Anerkennung der zentralen Rolle von Städten und Regionen bei der Umsetzung nationaler Klimaschutzambitionen und Verpflichtung der nationalen Regierungen bei Klimastrategien (Planung, Finanzierung, Umsetzung) eng mit lokalen/regionalen Behörden zusammenzuarbeiten
- Beteiligte: Mittlerweile haben 78 Nationen die CHAMP unterzeichnet – darunter auch die EU – die zusammen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung, rund 70 % des globalen BIP und 40 % der weltweiten Treibausgasemissionen ausmachen
- Nutzen: CHAMP soll helfen, die Klimaschutzlücke zu schließen, indem das Minderungspotenzial von Städten und Regionen besser genutzt wird
Konsistenz ist der Schlüssel
Der Bericht dokumentiert, wie europäische Institutionen sowie nationale, regionale und lokale Regierungen in der gesamten EU zusammenarbeiten, um Klimaschutzmaßnahmen zu planen, zu finanzieren und vor Ort umzusetzen und hebt eine Auswahl erfolgreicher Initiativen mit unterschiedlichen Ansätzen für Mehrebenen-Partnerschaften in der EU und ihren Mitgliedstaaten hervor.
Die Beispiele zeigen, wie das europäische Modell der Mehrebenen-Governance dazu beiträgt, nationale und globale Klimaziele in konkrete Projekte, Investitionen und Emissionsminderungen zu übersetzen und wie Strukturen, Partnerschaften und Initiativen der EU entscheidend dazu beitragen, Klima- und Energieziele auf gerechte und inklusive Weise zu erreichen.
Die Auswertung zeigt weiter, dass koordinierte Governance-Strukturen eine zentrale Voraussetzung für die Umsetzung von Klima- und Energiepolitik sind und Städte bzw. Regionen dabei eine operative Rolle – insbesondere bei Planung, Finanzierung und Realisierung von Maßnahmen vor Ort – übernehmen. Entscheidende Faktoren hierbei sind der Zugang zu Finanzierung, der Wissenstransfer zwischen Ebenen sowie klar definierte Zuständigkeiten.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass auf Grundlage der EU-Erfahrung starke politische Rahmenbedingungen, gezielte Unterstützung für Städte und Regionen sowie strukturierte Zusammenarbeit auf allen Regierungsebenen erforderlich sind, um sicherzustellen, dass Städte einen aktiven Beitrag zur Umsetzung nationaler Klimaziele leisten können.
Die Stärkung von Städten und Regionen kann zudem auch dazu beitragen, die Umsetzung von Klima- und Energiepolitik auf lokaler Ebene zu erleichtern, dort Umsetzungslücken zu schließen und so wiederum den globalen Klimafortschritt zu beschleunigen.
Klimazusagen können durch eine engere Zusammenarbeit mit Städten und Regionen in konkrete Ergebnisse umgesetzt werden, wenn das Know-how der EU, Städte und Regionen in die Umsetzung von Klimaschutz eingebunden wird. Die europäische Praxis dient damit als Referenzmodell für andere Staaten, die ihre Governance-Strukturen im Klimaschutz weiterentwickeln wollen.
Deutschland in einer führenden Rolle
Am 25. März 2026 – ein Tag nach Veröffentlichung des Mehrebenen-Klimaschutzberichts von GCoM und C40 – hat das Bundeskabinett das Klimaschutzprogramm 2026 verabschiedet, um bis 2030 rund 25 Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Damit können die Klimaziele für 2030 und 2040 erreicht werden.
Das Programm ist ein Instrument der Mehrebenen-Governance, da übergeordnete Klimaziele in konkrete Maßnahmen übersetzt werden und neben Politikbereichen und Akteuren, vor allem die Ebenen EU, Bund, Länder und Kommunen koordiniert werden.
Deutschland wurde bei der COP30 letztes Jahr gemeinsam mit dem Ausrichterland Brasilien zum Co-Vorsitz der CHAMP-Koalition unter ihrer neuen Governance-Struktur ernannt. Das deutsche Engagement zur Stärkung lokaler Klimaschutzmaßnahmen spiegelt sich in seiner Nationalen Klimaschutzinitiative wider, die seit 2008 rund 2,2 Milliarden Euro in mehr als 60.000 Projekte investiert und zusätzliche Investitionen von nahezu 7 Milliarden Euro mobilisiert hat.
Auch der Petersberger Klimadialog, der am 21. und 22. April 2026 in Berlin stattfand, ist ein zentrales Forum für internationale Klimadiplomatie und ein Paradebeispiel für Mehrebenen-Governance im Klimaschutz. Der Dialog verbindet nationale Klimapläne (NDCs) mit globalen Zielen.
Mannheim = glokal2
Mannheim verfolgt einen ambitionierten Mehrebenen-Klimaschutzansatz, um bis 2030 klimaneutral zu werden. Dieser Ansatz verbindet internationale Vorgaben, nationale Ziele und lokale Maßnahmen, um den CO2-Ausstoß um rund 80 % zu senken.
Auf lokaler Ebene setzt Mannheim im Rahmen des Local Green Deal auf konkrete Vereinbarungen mit der Stadtgesellschaft, um Nachhaltigkeit direkt in den Stadtteilen zu fördern. Ein Schwerpunkt ist der Ausbau der Fernwärme. Geplant sind die Nutzung von Flusswärmepumpen am Rhein und tiefe Geothermie bis 2030. Zudem werden Maßnahmen wie der Ausbau von Photovoltaik (PV) aktiv gefördert.
Auf überregionaler Ebene beteiligt sich Mannheim an der EU-Mission „100 klimaneutrale und intelligente Städte bis 2030". Im Januar 2024 wurde Mannheim als erste deutsche Stadt mit dem EU-Mission Label für klimaneutrale und intelligente Städte ausgezeichnet. Das Label ist eine Anerkennung für die erfolgreiche Entwicklung eines KlimaStadtVertrags, der die Gesamtvision der Stadt Mannheim für Klimaneutralität beschreibt und deswegen Vertrag heißt, weil er Vereinbarungen auf der lokalen, regionalen und nationalen Ebene enthält. Grundlage und zentraler Bestandteil des KlimaStadtVertrags ist der Klimaschutz-Aktionsplan 2030 als Fahrplan zur Klimaneutralität in Mannheim, der mehr als 80 Maßnahmen und über 300 konkrete Aktivitäten in acht Handlungsfeldern umfasst, darunter Energie, Gebäude, Verkehr und Industrie.
Das Mehrebenen-Klimaschutz-Konzept ist ein essentieller Ansatz zur Erreichung der Klimaziele, darf aber kein Papiertiger werden – auf keiner Ebene. Auch hier sollte gelten:
Think Global – Act Local – STAY SuSTAYnable!
Apu Gosalia ist Mitglied des Kuratoriums von forum future economy. Als Experte für Sustainability & Strategy in diversen Wirtschaftssektoren tätig und lehrt als Honorardozent an diversen Universitäten, darunter die Frankfurt School of Finance & Management und die Mannheim Business School. Zudem ist er Konferenzredner und Autor, sowie Partner bei der branchenunabhängigen Nachhaltigkeitsberatungsgesellschaft FOKUS ZUKUNFT.
Weitere Artikel von Apu Gosalia:
Apu Gosalia, Der Meistermacher - „STAY SuSTAYnable"!
Unternehmensführung & CSR
Gosalia ist als Experte für Sustainability & Strategy in diversen Wirtschaftssektoren tätig und lehrt als Honorardozent an diversen Universitäten, darunter die Frankfurt School of Finance & Management und die Mannheim Business School. Zudem ist er Konferenzredner und Autor, sowie Partner bei der branchenunabhängigen Nachhaltigkeitsberatungsgesellschaft FOKUS ZUKUNFT.
Unternehmensführung & CSR
Gosalia ist als Experte für Sustainability & Strategy in diversen Wirtschaftssektoren tätig und lehrt als Honorardozent an diversen Universitäten, darunter die Frankfurt School of Finance & Management und die Mannheim Business School. Zudem ist er Konferenzredner und Autor, sowie Partner bei der branchenunabhängigen Nachhaltigkeitsberatungsgesellschaft FOKUS ZUKUNFT.
Seelische Nachhaltigkeit und mentale Gesundheit im (Klima-)Wandel
Herausforderungen des Alltags im Zeitalter des Klimawandels
Seelische Nachhaltigkeit bezieht sich darauf, das seelische Wohlbefinden und die mentale Gesundheit langfristig zu erhalten und zu fördern, sowohl auf individueller Ebene als auch in Unternehmen und der Gesellschaft. Angesichts zunehmender psychischer Belastungen, wie beispielsweise durch den Klimawandel, muss auch die psychische Versorgung dementsprechend angepasster und nachhaltiger gestaltet werden.
Herausforderungen des Alltags im Zeitalter des Klimawandels
Seelische Nachhaltigkeit bezieht sich darauf, das seelische Wohlbefinden und die mentale Gesundheit langfristig zu erhalten und zu fördern, sowohl auf individueller Ebene als auch in Unternehmen und der Gesellschaft. Angesichts zunehmender psychischer Belastungen, wie beispielsweise durch den Klimawandel, muss auch die psychische Versorgung dementsprechend angepasster und nachhaltiger gestaltet werden.
Nachhaltige Verantwortung für Deutschland
Umweltschutz im Koalitionsvertrag. Der aktuelle Kommentar von Apu Gosalia
Nach wochenlangen Verhandlungen unterzeichneten CDU, CSU und SPD am 5. Mai ihren Koalitionsvertrag 2025 für die 21. Legislaturperiode mit dem Titel: „Verantwortung für Deutschland“. Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben es darin zu einer Bedeutung geschafft, mit der nicht zu rechnen war. Im Wahlkampf hatten diese Themen keine nennenswerte Rolle gespielt, da dort eher Sicherheit und Migration im Vordergrund standen.
Umweltschutz im Koalitionsvertrag. Der aktuelle Kommentar von Apu Gosalia
Nach wochenlangen Verhandlungen unterzeichneten CDU, CSU und SPD am 5. Mai ihren Koalitionsvertrag 2025 für die 21. Legislaturperiode mit dem Titel: „Verantwortung für Deutschland“. Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben es darin zu einer Bedeutung geschafft, mit der nicht zu rechnen war. Im Wahlkampf hatten diese Themen keine nennenswerte Rolle gespielt, da dort eher Sicherheit und Migration im Vordergrund standen.
Was? Wasser?
Kommt bald der Wasser-Fußabdruck?
Manchmal gibt es zu viel davon – bei Starkregen, Hochwasser oder Flutkatastrophen. Manchmal gibt es zu wenig davon - bei der Trinkwasserversorgung, in sanitären Einrichtungen oder zur Kühlung. So oder so … Es ist höchste Zeit, das Element Wasser stärker in den Blick der Nachhaltigkeit zu nehmen.
Kommt bald der Wasser-Fußabdruck?
Manchmal gibt es zu viel davon – bei Starkregen, Hochwasser oder Flutkatastrophen. Manchmal gibt es zu wenig davon - bei der Trinkwasserversorgung, in sanitären Einrichtungen oder zur Kühlung. So oder so … Es ist höchste Zeit, das Element Wasser stärker in den Blick der Nachhaltigkeit zu nehmen.
Am 22. April ist Earth Day
Weltweiter Tag für die Umwelt
Jedes Jahr am 22. April wird der weltweite “Earth Day“ begangen und folgt damit auf die “Earth Hour“ im März, bei der die Lichter für 60 Minuten ausgeschaltet werden. Der 54. globale Earth Day macht in diesem Jahr auf das Thema "Planet vs. Plastic" aufmerksam.
Weltweiter Tag für die Umwelt
Jedes Jahr am 22. April wird der weltweite “Earth Day“ begangen und folgt damit auf die “Earth Hour“ im März, bei der die Lichter für 60 Minuten ausgeschaltet werden. Der 54. globale Earth Day macht in diesem Jahr auf das Thema "Planet vs. Plastic" aufmerksam.
Frau Reiche – es reicht!
forum 03/2026
- Resilienz
- Klimafinanzierung
- Wald
- Startups
Kaufen...
Abonnieren...
10
JUN
2026
JUN
2026
Climate Transformation Summit (#CTS2026)
Making Scope 3 Action Our Business - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
12053 Berlin
Making Scope 3 Action Our Business - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
12053 Berlin
16
JUN
2026
JUN
2026
20
JUN
2026
JUN
2026
Anzeige
Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.
Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.
Wissenschaft & Forschung
Artemis und OrionChristoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Jetzt auf forum:
Welttag der Ozeane 2026 (UN World Oceans Day) am 8. Juni
Pflichtkammern in der Verantwortung
Confiance en Europe – Zuversicht in Europa. Risiken meistern, Chancen nutzen
RESOURCICA 2026, 24. - 26. September in Dresden
WM-Zeit muss keine Junkfood-Zeit sein: Anpfiff für gesunde Snacks
Magnifica Humanitas - Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Europa redet über Recycling – aber weiß es, was danach wirklich passiert?





















