Technik | Energie, 05.05.2026
Warnruf zur aktuellen Energiepolitik: Vermeintliche Mythen und die wahren Fakten
Rezension zu Prof. Dr. Claudia Kemferts neuem Buch „Kurzschluss: Wie wir unsere Energiezukunft verspielen"
forum-Kuratorin Prof. Claudia Kemfert ist mit ihrem jüngsten Werk eine sehr treffende Beschreibung der Gefahren der aktuellen Energiepolitik gelungen. Seit Jahrzehnten ist sie versiert in der Energiepolitik zuhause und nimmt immer wieder fundiert zu Entwicklungen und politischen Entscheidungen Stellung. Erfreulicherweise scheut sie dabei nicht vor deutlichen Worten zurück.
Wie wir unsere Energiezukunft verspielen |
Mit dem Titel ihrer Publikation bringt die Expertin es auf den Punkt. Denn derzeit ist die zuständige Wirtschaftsministerin Katharina Reiche dabei, die dringend erforderliche und in Umsetzung befindliche Energiewende auszubremsen. Doch aufhalten lässt sie sich nicht, allenfalls etwas verzögern – jedoch mit Nachteilen für die allermeisten. Denn sie wird auch von Großteilen der Wirtschaft gefordert und in vielen Teilen auch schon umgesetzt. Aber wir müssen Kurs halten und dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, damit Energie- und Verkehrswenden auch wirklich gelingen. Nur so können auch dauerhaft wettbewerbsfähige Strompreise sichergestellt werden, weil eben die Erneuerbaren Energien die kostengünstigsten sind.
In dreizehn Kapiteln analysiert die Energieökonomin die verschiedenen Bereiche der Energiepolitik und der eingeleiteten Energiewende. Dabei entkräftet sie weit verbreitete Behauptungen mit wissenschaftlich fundierten Gegenargumenten. So führt sie die Leserschaft sehr gut durch die teils komplexe öffentliche Diskussion. Ihre prägnanten Kapitelüberschriften bringen die Kernbotschaften leicht verständlich rüber.
Angefangen bei der Verkehrspolitik zeigt die wichtigste deutsche Wissenschaftlerin für Energie- und Klimaökonomie, warum Elektroautos besser als ihr Ruf sind. Sie erinnert daran, dass deutsche Autos einmal die besten der Welt waren – was den Kontrast zur aktuellen Lage nur noch drastischer macht. Dabei räumt sie zugleich auch mit dem vermeintlichen Argument auf, man brauche auf dem Land ein Auto. Sie setzt dem die Verkehrswende mit mehr und besserem öffentlichen Verkehr entgegen, wofür es allerdings politischen Willen brauche.
Weiter geht es mit der Energiewende: Klimaschutz müsse und könne sozial und damit gerecht gestaltet werden. Damit wird die häufig kursierende These, sie sei teuer und vernichte Arbeitsplätze, überzeugend widerlegt.
Die Diskussion um den sogenannten „Heizungshammer" wird aufgearbeitet und sehr gut eingeordnet. Das Gesetz der Ampelkoalition zur Heizungsmodernisierung wurde von einigen Interessensvertreter:innen und Medien so bezeichnet, um es politisch und fachlich abzuwerten. Doch Claudia Kemfert zeigt auf, dass große Teile der Diskussion darum inszeniert waren, denn die Argumente dafür sind wissenschaftlich gut begründet. So kann man nur die Schlussfolgerung ziehen, dass wesentliche Teile der damaligen Debatte in die Nähe von Fake-News eingeordnet werden müssen.
Ob die Subventionen für Flüge nach Mallorca oder die ausbleibende Renaissance der Atomkraft trotz vermeintlicher Blackout-Gefahr, ob Speichermythen oder der Green Deal als Europas industriepolitische Chance – gekonnt und kompetent führt sie die Leser:innen durch die Klippen der vermeintlich richtigen Argumente und Diskussionsstränge und klärt auf.
Zu guter Letzt zeigt Kemfert auf, wie und warum echter Wandel möglich ist und dass es dafür noch lange nicht zu spät ist. Durch angemessene Bürger:innenbeteiligung sind nicht nur Energie- und Verkehrswende möglich, sondern so kann auch unsere Demokratie weiter lebendig bleiben und weiterentwickelt werden. Ermutigend ist ihre abschließende Botschaft, dass wir alle gemeinsam uns aufmachen und entsprechende Veränderungen umsetzen können. Es gilt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Die Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am renommierten Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) wurde zu Recht bereits mit zahlreichen Preisen und Ehrungen bedacht. So erhielt sie zum Beispiel vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) 2016 den „Adam-Smith-Preis für marktwirtschaftliche Umweltpolitik". Sie ist eine mehrfach ausgezeichnete Spitzenforscherin, gefragte Expertin für Politik und Medien und Bestsellerautorin. Mit „Kurzschluss" dürfte ihr ein weiterer Bestseller gelungen sein.
Kai Schlegelmilch ist Aufsichtsratsvorsitzender und Mitgründer des „Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V." (FÖS).
Kontakt: Kai Schlegelmilch, Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. | Kai.Schlegelmilch@foes.de | foes.de/de-de
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