Über das Hoffen in schwierigen Zeiten
Eine Rezension zu “Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen”
In einer Kultur des Konsums und Besitztums scheint die Hoffnung oft chronisch falschverstanden zu werden. Sie wird als letztes Gut geschmäht, das scheinbar nur denen gehört, die es wirklich bitter nötig haben. Das ist eine traurige Fehleinschätzung dieses wertvollen, kollektiven Gutes.
Corine Pelluchon, französische Philosophin und Autorin, mahnte bereits in ihrem 2023 erschienenem Buch „Die Durchquerung des Unmöglichen" die Hoffnung nicht mit naivem Optimismus gleichzusetzen; vielmehr sei sie eine ethische Haltung und aktive Praxis, die uns Handlungsmacht zurückgibt und als Widerstand gegen Resignation wirkt.
Journalist und Herausgeber Julian Gupta zeigt in „Was mir meinen, wenn wir Hoffnung sagen", wie dieser theoretische Ausgangspunkt konkret Gestalt annehmen kann. Er stellt sich und seinen Co-Autor*innen die scheinbar simple Frage: Was meinen wir mit Hoffnung? Die daraus resultierenden Aufsätze gewähren intime Einblicke in die Welt der Hoffenden und deren persönlichen Erfahrungen mit Angst und Zuversicht.
Die Vielfalt der Hoffnung
Die Lesenden erwarten Reiseberichte über dunkle und verzweifelte Orte und der hartnäckigen Suche nach dem Licht am Ende des Tunnels. Auf diesen Reisen begleiten dürfen sie, unter vielen weiteren, die Geschichtenerzählerin und Illustratorin Cornelia Funke, die Juristin Baro Vicenta Ra Gabbert, den Inklusionsaktivisten Raúl Krauthausen, sowie die Schulleiterin Margret Rasfeld.
Letztere beschreibt in ihrem Text "Was wir von jungen Menschen lernen können” die Sorgen und den hohen Leistungsdruck von Schüler*innen; aber auch die Wichtigkeit des Hoffens und den konkreten Handlungen, die aus ihr erwachsen können. So zum Beispiel, das Leuchten in den Augen junger Menschen, wenn sie im Rahmen des Programms FREI DAY selbst entscheiden dürfen, mit welchem Zukunftsthema sie sich im Unterricht beschäftigen wollen. (Weitere Zukunftsperspektiven zum Thema Bildung und Wissen finden sie im 7. Band der morgen-Reihe von Edition forum: Wissen und Bildung – wie wir morgen lehren und lernen wollen.)
Die Vielfalt der Perspektiven ist die größte Stärke des Buches und tröstet über die ein oder andere sich wiederholende Binsenweisheit zur Hoffnung hinweg. Der inhaltliche Wechsel vom Klimawandel, über die gesellschaftliche Inklusion, bis zu den neuronalen Hintergründen des Hoffens hält das Buch Seite für Seite lebendig.
Das Fazit
Aus dem Mosaik aller Texte bildet sich eine klare Kernaussage: Die Hoffnung fällt nicht einfach vom Himmel, sondern muss immer gefunden, geschaffen oder geteilt werden. Sie darf nicht zum blinden Optimismus verkommen, sondern muss pulsieren, Prozesse anstoßen und sich in Bewegung befinden, wie es Musiker Jojo Berger in seinem Text "Musik beginnt da, wo Worte nicht mehr reichen” betont. Nur dann kann Hoffnung Menschen aufrichten und ihnen bei widrigen Umständen als Wegbegleiter, Kompass und Stütze zur Seite stehen. „Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen" schafft zutiefst menschliche und berührende Einblicke. Es ist ein Reisebericht sondergleichen, der sich für alle lohnt, die ein paar Lichtblicke gebrauchen können.
Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, Raúl Krauthausen, Maren Urner, Josephine Apraku, Jojo Berger, Baro Vicenta Ra Gabbert, Kristina Lunz, Margret Rasfeld, Pheline Roggan, Gilda Sahebi, Marina Weisband, Julien Gupta (Hrsg.):
Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen
Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit
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