Umwelt | Klima, 04.11.2025
Ein Hoch dem globalen Mutirão!
Der Kommentar zur COP30 von Marinus Pfaffinger
Die COP30 in Belém, Brasilien steht ins Haus. Gerade scheinen die Vorzeichen jedoch nicht auf Durchbrüche im globalen Klimaschutz zu verweisen. US-Präsident Trump nennt den Klimawandel vor der UN-Generalversammlung den „größten Betrug", die EU stolpert ohne gemachte Hausaufgaben, ohne Klimaziel für 2035 in die Konferenz und China legte im September ein enttäuschendes Emissionsreduktionsziel von 7-10% bis 2035 vor.
Dabei befindet sich die diesjährige Konferenz nach drei Jahren in ölexportierenden Staaten immerhin wieder an einem Ort, an dem fossile Energien keine klare Vorrangstellung besitzen. Jedoch kann und muss auch Brasilien kritisiert werden. Die Politik setzt weiterhin auf Investitionen in fossile Energieträger wie Öl und Gas, für die Klimakonferenz selbst wurde eine vierspurige Autobahn quer durch den Regenwald gepflügt und mit dem Ziel eines Abholzungsstopps im Amazonas kommt man nur mäßig voran.Dennoch stellt das Land einen dringenden Wechsel von drei skandalbehafteten COP-Gastgebern in Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Aserbaidschan dar.
Ist Brasilien ein Vorbild?
Präsident der diesjährigen Konferenz ist André Corrêa do Lago, ein brasilianischer Politiker und Botschafter mit langer und vielfältiger politischer Karriere. Stationen auf seinem Lebensweg waren sowohl Botschaften in Europa, den USA und Argentinien, aber auch nationale Ämter in den Ministerien für äußere Angelegenheiten, Energie und Umwelt. Von Seiten der UN wird die Klimakonferenz als Implementation COP – eine COP der Implementierung – angekündigt.
Nachdem Lösungen in den meisten Bereichen nur noch auf eine aktive Umsetzung warten, scheint dieser Fokus angebracht. Es bleibt zu hoffen, dass sich die verbesserten Rahmenbedingungen und der neu gesetzte Fokus auch tatsächlich in Fortschritte für den Klimaschutz umwandeln.
Germanwatch zufolge benötigen die UN-Klimaverhandlungen zudem dringend weitere Reformen. Ihre Forderungen kritisieren unter anderem den übermächtigen Einfluss der Fossilindustrie.
Hier werden wir für Daniel Harrich seinen neuen investigativen Spielfilm „Verschollen" vorstellen… Seien Sie gespannt. Mehr dazu im kommenden forum Magazin. Einen Vorgeschmack bietet dieser Trailer in der ARD Mediathek.
In Zeiten von bröckelnder politischer Rückendeckung für den Klimawandel, setzt Brasilien als Gastgeberland auf eine weitere Stütze – das Engagement von Zivilgesellschaft, Organisationen und der Wirtschaft. Dazu wird der Fokus neben der Blue Zone auch auf die Green Zone gelegt.
Aus dem COP-Jargon übersetzt soll also, neben dem Bereich der COP, welcher für die internationalen Delegationen vorbehalten ist, auch dem öffentlich zugänglichen Bereich mehr Relevanz zugesprochen werden. In der Green Zone soll eine Plattform für zivilgesellschaftliche Akteure, Organisationen, indigene Gemeinschaften, Jugendgruppen und wirtschaftliche Innovationen geschaffen werden.
Hier werden wir für Sie das neue Projekt COPx vorstellen. Mehr dazu im kommenden forum Magazin.
Der diesjährige Slogan der Konferenz Global Mutirão unterstreicht diese Bemühungen. Mutirão stammt aus der indigenen Sprachfamilie der Tupí-Guaraní-Sprachen und steht für gemeinsame Anstrengung. MU-TI-RAO verdeutlicht die Stärke derjenigen, die sich für ein gemeinsames Ziel zusammenschließen. Diese Anerkennung der gemeinschaftlichen Natur des Klimaschutzes ist dringend nötig.
Nur gemeinsam und nur in Einigkeit kann das Projekt Klimaneutralität gelingen. Die Anerkennung für all diejenigen, die den Wandel im Kleinen vorantreiben – ob in Bundesländern, Städten, Kommunen, Vereinen oder als Individuen ganz egal – ist wichtig. Der Slogan hebt zudem die positiven, verbindenden Elemente der Klimaschutzbewegung hervor – genau das zählt in Zeiten, in denen Klimaschutz sich gegen Spaltung und Verzweiflung zur Wehr setzen muss.
Letzten Endes sind alle Fortschritte im Klimaschutz auf gemeinschaftliches Engagement zurückzuführen. Jeder Schritt in die richtige Richtung wurde von Menschen unternommen, die Mut und Willen aufgebracht haben und mit Ideenreichtum und Überzeugungskraft für dieses gemeinsame Ziel gekämpft haben. Ein Dank sollte daher allen gelten, die bereits große Schritte gegangen sind und die Hoffnung wird auf den Schultern derer getragen, die auch auf der COP30 wieder viele weitere Schritte in eine klimagerechtere Zukunft gehen werden.
Dazu zählen auch unsere Kollegen von www.NOW.partners, die vor Ort sind sowie unser Partner Bertrand Piccard mit seinem 1000 solutions Team.
Ein Hoch auf alle diese Menschen, auf unser globales Mutirão!
Inwiefern sich die Stärkung der Green Zone, das Konzept des Mutirão und die Maßstäbe der Implementation COP tatsächliche in Fortschritte verwandeln, wird sich vom 10. bis 21. November in Belém herausstellen.
Marinus Pfaffinger studiert vergleichende Literaturwissenschaften und Kultur- und Sozialanthropologie in Wien und arbeitet für den Verein SaveIt am SaveIt Klimapodcast.
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