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Technik | Energie, 17.02.2026

Energiewende vom Acker aus

Neues Forschungsprojekt AGRIC bringt Agri-Photovoltaik in Deutschland, Bulgarien, Litauen, Polen und Serbien voran

Ziel ist es, Landwirte und weitere Akteure zu unterstützen, die Technologie besser zu verstehen und anzuwenden.

© AGRIC / mit ChatGPT erstelltAgri-Photovoltaik (Agri-PV) gilt als ein zentraler Baustein der Energiewende, da sie landwirtschaftliche Flächen doppelt nutzbar macht – für Nahrungsmittelproduktion und Stromerzeugung. Dennoch gibt es beim Einsatz von Agri-PV viele Unsicherheiten, wie sich beispielsweise die Anlagen auf Erträge auswirken, ob sich die Investition lohnt und welche Genehmigungen nötig sind. Gleichzeitig fehlt es häufig Behörden, Energieagenturen und landwirtschaftlichen Beratungsstellen an verständlichem Informationsmaterial oder an konkreten Beispielen. Hier setzt das neue Forschungsprojekt AGRIC – Advancing Agri-PV Readiness and Cooperation an der Hochschule an: Es soll Fachkräfte in der Landwirtschaft sowie regionale Verwaltungen und weitere Akteure dabei unterstützen, Agri-PV besser zu verstehen und praktisch anzuwenden. Das Projekt wird vom Technologiezentrum Energie (TZE) der Hochschule Landshut koordiniert. Beteiligte Partner kommen aus Bulgarien, Polen, Litauen und Serbien. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben im Rahmen der Europäischen Klimaschutzinitiative (EUKI) mit insgesamt über 912.000 Euro.

Schulungen für Landwirte, Behörden und Unternehmen
„AGRIC forciert die Kombination von landwirtschaftlicher Produktion und der gleichzeitigen Produktion von erneuerbarer Energie nahezu ohne Flächenverlust – zum Nutzen von Umwelt und regionaler Wirtschaft", fasst Dr. Reinhart Schwaiberger, Geschäftsführer des TZE, zusammen. Hierfür benötigen die relevanten Interessengruppen allerdings spezielle Schulungen, Zugang zu Forschungsergebnissen und Informationen über die sozioökonomischen Vorteile, wie z. B. mehr Beschäftigungsmöglichkeiten in ländlichen Gebieten, geringere Stromkosten für die Gemeinden und verbesserte Bildungsmöglichkeiten.

Ein wesentlicher Aspekt ist dabei ein Train-the-Trainer-Ansatz.So entwickeln die Forschenden zunächst einen gemeinsamen Leitfaden, der alle wichtigen Grundlagen rund um Agri-PV zusammenfasst – technische, wirtschaftliche, rechtliche und ökologische Aspekte. Dieser Leitfaden bildet anschließend die Basis für Schulungen regionaler Trainerinnen und Trainer aus allen Partnerländern. Sie passen die Inhalte an die Bedingungen in ihren Regionen an und geben ihr Wissen in lokalen Trainings an Fachkräften in Landwirtschaft, Behörden und Unternehmen weiter. So entsteht Schritt für Schritt eine wachsende Gruppe von Expertinnen und Experten, die Agri-PV vor Ort erklären und begleiten kann. 

Demonstrationsbetriebe als Lernorte
Ergänzend dazu baut AGRIC auf praktische Erfahrungen. So wird in jedem Partnerland ein Demonstrationsbetrieb ausgewählt, auf dem Elemente von Agri-PV sichtbar und verständlich gemacht werden. Diese Orte dienen als Lernorte, bei denen Besucherinnen und Besucher die Systeme kennenlernen, Fragen stellen und Erfahrungen austauschen können. Außerdem werden kurze Erklärungsvideos produziert, die über einen eigenen YouTube-Kanal veröffentlicht werden. So profitieren auch Menschen, die nicht an Veranstaltungen teilnehmen können. 

Investitionsbereitschaft durch Förderleitfäden erhöhen
Ein weiterer Baustein ist die Förderung der Investitionsbereitschaft. Viele Landwirte und regionale Entscheidungsträger wissen nicht, welche Förderprogramme existieren oder wie sie die Wirtschaftlichkeit eines möglichen Projekts einschätzen können. Das Projektteam entwickelt deshalb einen regional angepassten Förderleitfaden sowie das interaktive Tool AGRIC-SIM, das eine erste Einschätzung zu Kosten, Nutzen, Standortfaktoren und möglichen Auswirkungen erlaubt. Auch politische Entscheidungsträger erhalten Empfehlungen, wie sich rechtliche Rahmenbedingungen und Verwaltungsprozesse verbessern lassen. 

Praktischer Ansatz für Landwirte und regionale Akteure 
Das Projekt reagiert damit auf sehr unterschiedliche Ausgangslagen in den fünf Regionen. „In Bayern etwa sind viele Landwirte grundsätzlich interessiert, haben aber Fragen zu Pacht, Genehmigungen oder möglichen Landschaftseffekten", so Schwaiberger. In Bulgarien, Polen, Litauen und Serbien wiederum bestehe oft ein großer Informationsbedarf, etwa zu technischen Grundlagen, zu Fördermöglichkeiten oder zur praktischen Umsetzung. „Es zeigt sich einfach, dass verständliche Informationen und sichtbare Beispiele entscheidend sind, um Vorbehalte abzubauen und erste Schritte zu erleichtern", so Schwaiberger. Das Projekt zielt daher darauf ab, Landwirte und regionale Akteure in den Mittelpunkt zu stellen – mit einem praktischen Ansatz, der Wissen, Beispiele und einfach nutzbare Werkzeuge verbindet. Schwaiberger betont: „Die Energiewende in der Landwirtschaft kann nur gelingen, wenn Betroffene frühzeitig beteiligt werden und Unterstützung erhalten." 

Europäische Verbindungen stärken
Auch die Partnerländer profitieren vom gegenseitigen Austausch. Bei cross-regionalen Workshops lernen Teams aus allen Regionen voneinander, diskutieren Rechtsfragen, vergleichen Fördermodelle und sammeln Ideen, die sie anschließend in ihren Heimatregionen weitertragen. Dadurch werden nicht nur Kompetenzen aufgebaut, sondern auch europäische Verbindungen gestärkt, die über das Projekt hinaus wirken sollen. 

Regionenübergreifendes Lernen
Das Projekt AGRIC läuft von Februar 2026 bis Juni 2028 und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen der Europäischen Klimaschutzinitiative (EUKI) gefördert. EUKI wurde 2017 vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) ins Leben gerufen und unterstützt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Minderung von Treibhausgasemissionen sowie zur Stärkung des Klimaschutzes in ganz Europa. Die skalierbaren Ergebnisse wie Schulungsmaterialien oder Finanzierungsleitfäden werden über die Projektlaufzeit hinaus offen zugänglich gemacht, damit auch weitere Regionen in Europa davon profitieren und die Energiewende im ländlichen Raum beschleunigt wird. „Insgesamt möchten wir mit diesem Projekt dazu beitragen, dass Agri-PV zu einer echten Option für viele landwirtschaftlich geprägte Regionen wird: als Chance für mehr Klimaschutz, stabile Einkommen und eine widerstandsfähigere Landwirtschaft", so Schwaiberger. 

Kontakt: Hochschule Landshut, Technologiezentrum Energie | pressestelle@haw-landshut.de | www.haw-landshut.de



     
        
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