66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Klimaaufruf der Wissenschaften

Und was heißt das jetzt für uns?

Über 200 Interessierte bei Informationsveranstaltung der Regensburger Scientists for Future zum Klimaaufruf der Wissenschaften

Über 200 Engagierte Bürger, Politiker und Wissenschaftler hatten in die Räume für Engagement gefunden und blieben bis zum Schluss, trotz Überziehung. © Scientists for Future RegensburgFür Ihren Informationsabend hatten die Regensburger Scientists for Future hochkarätige Gäste versammelt. Auf dem Podium standen:
  • Prof. Dr. Klaus Richter, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), in dieser Funktion Mitautor des präsentierten Aufrufs [2] und Professor für Physik an der Universität Regensburg,
  • Prof. Dr. Michel Sterner, OTH Regensburg, Professor für Energiespeicher, Wasserstoff und Energiesystemtechnik, Berater der Bundesregierung, Mitglied im nationalen Wasserstoffrat, Mitgründer der Scientists for Future,
  • Prof. Dr. Georg Barfuß, Stadt Regensburg, Leiter Referat für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen der Stadt Regensburg; Wirtschaftswissenschaftler mit Fokus auf Nachhaltigkeitsmagement.
  • Sophia Schäfer, PhD, Météo-France, Mathematikerin, Wetter- und Klimamodelliererin und Scientists-for-Future-Mitglied, sowie
  • Vortragender Dr. Norwin von Malm (ams OSRAM Regensburg), Träger des Deutschen Zukunftspreises 2024, Chemiker, Scientist for Future,
  • Moderatorin Dr. Christine Rüth – Physikerin, Forschungsreferentin, Wissenschaftskommunikatorin, Scientist for Future
Unter den Gästen fanden ebenfalls sich hochkarätige Besucher, darunter diverse Stadträte und Mitglieder der Parteien. Auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer M.A. war als Schirmherrin vor Ort. Im Inhalt und Umfang der Wortmeldungen zeichnete sich der Einfluss der anstehenden Kommunalwahl Anfang März ab.

So dauerte die Veranstaltung eine gute halbe Stunde länger als geplant, wobei kaum einer der Gäste vor Abschluss durch die Moderatorin den Raum verließ. Im Gegenteil, schon während der Agenda, die eine kurze Vorstellung der Scientists for Future, eine Zusammenfassung des Klima-Aufrufs der Wissenschaften durch Dr. Norwin von Malm und eine anschließende Podiumsdiskussion mit allen Teilnehmern umfasste, kam es immer wieder zu positiven wie auch kritischen Zwischenrufen und Nachfragen. Das Thema Klimawandel ist emotional und kontrovers, das war allen Anwesenden innerhalb weniger Minuten klar.

Der Klima-Aufruf wird erklärt von einem der Autoren
Die Veranstaltung drehte sich zunächst um die seit dem ersten Aufruf der DPG 1971 wiederholt erneuerten Klima-Appelle und die Dringlichkeit konsequenter Klimaschutzmaßnahmen. Prof. Dr. Richter, Co-Autor des aktuellen Aufrufs, erläuterte, dass dieser auch als Aktualisierung des IPCC-Berichts von 2021 zu verstehen sei. Die Daten zeigten eine Beschleunigung der Erderwärmung während gleichzeitig die Politik die Dringlichkeit zuletzt aus dem Blick verloren zu haben schien. Die promovierte Meteorologin Schäfer erklärte grundlegende Zusammenhänge zu Wetter vs. Klima und warnte, dass die Erderwärmung auch mit zunehmenden Extremwetterereignissen einhergeht.

Auf der Diskussion zur lokalen Ebene verteidigte Prof. Dr. Barfuß von der Stadt Regensburg deren Anstrengungen (Klimaresilienzstelle, CO?-Bilanz, Ausbau erneuerbarer Energien, E-Mobilität, Greentech-Cluster), während Prof. Dr. Sterner deutlich kritisierte, dass Stadt, Stadtwerke und Universität insgesamt viel zu wenig tun – insbesondere beim Ausstieg aus fossilen Energien und bei nachhaltigem Bauen. Positiv dagegen sei die Hochschule (OTH) hervorzuheben, er nennt den schnellen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen als wichtigste Maßnahme, warnt aber zugleich eindringlich vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft. Auch die hohen Strompreise (größtenteils durch Netzkosten verursacht), Hindernisse für Bürgerenergie und Photovoltaik, sowie der Denkmalschutz in Regensburg standen auf der Tagesordnung.

Wortwahl, Engagement und Wirkung
Nachdem Barfuß und Sterner mit mobilisierenden Worten („Ökodiktatur", „Gestapo in den USA") polarisierten, entstand eine engagierte Diskussion mit dem Publikum. Viele junge Menschen äußerten Frustration und Verzweiflung über das langsame Tempo und fordern entschlosseneres Handeln. Dem hielten Sterner und Barfuß entgegen, dass Klimaschutz nur mit gesellschaftlichen Mehrheiten politisch durchsetzbar sei.

Die Diskussion kulminierte in der Frage, wie Mehrheiten gewonnen werden können, wo doch 90 Prozent der Bevölkerung einer Meinung seien, nämlich dass mehr geschehen müsse. Antwort: Durch gute Konzepte, Begeisterung und Kommunikation. Ein wirtschaftlicher Streitpunkt war wie so oft auch, ob sich Klimaschutz trotz global unterschiedlicher Anstrengungen lohnt und leistbar sei. Anwesende Wirtschaftswissenschaftler betonten klar, dass Investitionen in Klimaschutz nachweislich wirtschaftlich rentabel seien.

Tut die öffentliche Hand genug?
An der Stelle diskutierten auch Wissenschaftler und Politiker bzw. Verwaltungsbeamte leidenschaftlich, ob Stadt, Universität oder Stadtwerk denn genug für den Klimaschutz täten oder nicht. Die jungen Menschen betonten die Existenzialität der Krise und brachten ihre Verzweiflung und Frustration über zu wenig Handeln zum Ausdruck.

Sterner und Barfuß verwiesen abermals darauf, dass man stets Mehrheiten finden müsse, sonst bekäme man gar keine Beschlüsse. „Geht in die Parteien, findet und baut Mehrheiten, denn wenn 80 Prozent etwas nicht wollen, können die anderen 20 das nicht erzwingen", so lautete der mehrfach geäußerte Ratschlag. Die in Toulouse bei Météo-France tätige Wissenschaftlerin Schäfer brachte es auf den Punkt: „Ein CO2-Molekül schert sich nicht darum, was 80 Prozent gerne wollen, es wird nicht warten, bevor es seine Wirkung entfaltet."

Insgesamt zeigte sich bei der Diskussion eine große Bereitschaft zur Mitwirkung, aber gleichzeitig mindestens eben so große Ängste und Enttäuschung. Das kann aber nicht alles sein, weiß auch Moderatorin Dr. Rüth: „Die Fridays for Future waren bei Bundeskanzlerin Merkel und EU-Präsidentin von der Leyen eingeladen, sprachen in Davos und bei der UNO. Sie wurden von den höchsten der Politik gehört, aber es hat nicht genug Wirkung gezeigt. Was sollen sie denn noch machen?" Immer wieder hallten Zwischenrufe wie „Ich bin total frustriert" durch den Raum.

Großes Mediales Echo
Insgesamt bot die Veranstaltung viele Einblicke in Bemühungen und Grenzen der gegen den Klimawandel arbeitenden Kräfte, aber auch den Sachstand der Wissenschaft, was auch die vielfache Berichterstattung in regionalen und Online-Medien widerspiegelt ([3] bis [7]).

Klar ist auch eine andere Politik ist nur möglich, wenn sich mehr Menschen in und für Parteien engagieren. Und damit wissenschaftliches und politisches Engagement auch an jüngere Generationen vermittelt werden können, gibt es Initiativen wie diese Veranstaltung oder auch den Klimakoffer der DPG, mit dem Wissenschaftler und Lehrer in Schulen Sachverhalte und notwendige Maßnahmen erklären können.

Weiterführende Informationen und Studien

Kontakt: Scientists for Future Regensburg | presse@scientists4future.org | de.scientists4future.org/regensburg/



     
        
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