66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

4.000 Tonnen Kartoffeln für Berlin

Über die kollektive Entwertung von Lebensmitteln

Ohne Frage: Lebensmittelverschwendung ist ein großes Übel und alle Aktionen, die den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln fördern, sind zu begrüßen. Ebenso schwer wiegt, dass auch der Zugang zu gesunden Lebensmitteln nicht für alle Menschen in Deutschland und in der Welt gesichert ist. So gesehen ist die Initiative der Berliner Morgenpost, des Internetportals Ecosia und der Osterland Agrar GmbH, 4.000 Tonnen Kartoffeln zu retten, zu begrüßen. 
Diese Spendenaktion findet allerdings nicht im luftleeren Raum statt,und wer nur seine individuellen Erfolge feiert, verkennt die weniger sichtbaren Wirkungen für die gesamte heimische Landwirtschaft. 

© Christos Giakkas, pixabay.comIn den vergangenen Jahren entwickelte sich der Kartoffelanbau stetig weiter, die gute Witterung in dieser Saison trug zusätzlich dazu bei, dass die Ernte sehr hoch ausfiel. Die heimische Produktion reicht also leicht aus, um den bundesweiten Bedarf an Kartoffeln zu decken, wahrscheinlich sogar weit darüber hinaus.  
Die besagten 4.000 Tonnen wurden vom Handel bereits bezahlt, so wurde die Spendenaktion möglich. Das sich Händler aus Verkäufen freikaufen, ist in diesem Jahr nicht unüblich. Denn es geht auch darum, den vollgestopften Markt zu entlasten, damit überhaupt noch Kartoffeln verkauft werden können. 

Wie wirkt diese Spende auf die Brandenburger Bauern, die ihre regionalen Kartoffeln auf kurzem Weg in der Hauptstadt verkaufen wollen und müssen? Die Kartoffeln in ihren Lägern stehen noch für die geplante Vermarktung zur Verfügung und sind dementsprechend noch nicht bezahlt. Sie können sie nicht spenden, obwohl sie auch bereits seit Jahren mit sozialen Einrichtungen kooperieren – nur in geringerem Umfang und ohne öffentlichkeitswirksame Medienbegleitung. 

Die Organisatoren der Spendenaktion haben im Vorfeld die regionalen Anbieter noch nicht einmal kontaktiert, vielleicht war ihnen deren Existenz noch nicht einmal bewusst. Sie haben sich stattdessen mit einer Agrarholding mit 5.300 ha in Sachsen zusammengetan. 

Was aber passiert, wenn man kostenlose Ware in einen übervollen Markt drückt? Das Produkt wird entwertet. Nicht allein vom Preis her entwertet, sondern viel wichtiger ist, dass auch das Wertgefühl sinkt: „Kost nix, ist nix wert". 

Wie fühlen sich die regionalen Kartoffellieferanten der Berliner? Richtig, sie wurden übergangen und stehen 4.000 Tonnen geschenkter Kartoffeln gegenüber, die hoffentlich tatsächlich auf dem Tisch Bedürftiger landen. 
 
Ergo: Systemische Defizite lassen sich nicht durch individuelle Aktionen lösen. Im besten Fall schärft diese Aktion die Wahrnehmung regionaler Strukturen, ihre Bedeutung für Ernährungssicherheit, für Resilienz und die Notwendigkeit sie zu achten und zu pflegen. Wir wünschen allen Brandenburger Kartoffeln viel Erfolg auf dem Berliner Markt! Support your local farmer! 
 
Elke Röder, Johann Gerdes, Manuel Pundt, Sebastian Klass  
Vorstand Märkischer Wirtschaftsverbund e.V. 

Kontakt: Märkischer Wirtschaftsverbund e.V., Verbund der ökologischen Ernährungswirtschaft in Berlin-Brandenburg | info@fair-regional.de | www.fair-regional.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026 ist erschienen

  • Geopolitische Spannungen, Aufrüstung und Unsicherheit prägen Märkte und Investitionsentscheidungen wie lange nicht. Die neue Ausgabe von forum future economy setzt bewusst einen Kontrapunkt: Sie gibt Stimmen Raum, die für Diplomatie, Deeskalation und zivile Lösungen eintreten – weil wirtschaftliche Stabilität ohne Frieden nicht denkbar ist.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
10
MÄR
2026
Rechtliche Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
11
MÄR
2026
Circular Valley Convention 2026
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
21
APR
2026
Sustainable Economy Summit
Rückenwind für die Wirtschaft der Zukunft
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Hinterzimmer in Davos
Christoph Quarchs Plädoyer für das persönliche Gespräch ohne Zuschauer als Königsdisziplin der Diplomatie
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Nachhaltig Ostern feiern

Gemeinsam Städte zukunftsfähig machen

No Healthy Soil, no Future

Freiheit des Saatguts ist Freiheit des Lebens

Wie sieht eine "Wahre Wirtschaft" aus?

Was würde ohne Frauen eigentlich stillstehen?

Mikroplastik-Alarm: Neue Studien zu PET-Recycling und alternative Lösungen

Nachhaltige Textilkreisläufe

  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Engagement Global gGmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • circulee GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • WWF Deutschland
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • TÜV SÜD Akademie
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig