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4.000 Tonnen Kartoffeln für Berlin

Über die kollektive Entwertung von Lebensmitteln

Ohne Frage: Lebensmittelverschwendung ist ein großes Übel und alle Aktionen, die den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln fördern, sind zu begrüßen. Ebenso schwer wiegt, dass auch der Zugang zu gesunden Lebensmitteln nicht für alle Menschen in Deutschland und in der Welt gesichert ist. So gesehen ist die Initiative der Berliner Morgenpost, des Internetportals Ecosia und der Osterland Agrar GmbH, 4.000 Tonnen Kartoffeln zu retten, zu begrüßen. 
Diese Spendenaktion findet allerdings nicht im luftleeren Raum statt,und wer nur seine individuellen Erfolge feiert, verkennt die weniger sichtbaren Wirkungen für die gesamte heimische Landwirtschaft. 

© Christos Giakkas, pixabay.comIn den vergangenen Jahren entwickelte sich der Kartoffelanbau stetig weiter, die gute Witterung in dieser Saison trug zusätzlich dazu bei, dass die Ernte sehr hoch ausfiel. Die heimische Produktion reicht also leicht aus, um den bundesweiten Bedarf an Kartoffeln zu decken, wahrscheinlich sogar weit darüber hinaus.  
Die besagten 4.000 Tonnen wurden vom Handel bereits bezahlt, so wurde die Spendenaktion möglich. Das sich Händler aus Verkäufen freikaufen, ist in diesem Jahr nicht unüblich. Denn es geht auch darum, den vollgestopften Markt zu entlasten, damit überhaupt noch Kartoffeln verkauft werden können. 

Wie wirkt diese Spende auf die Brandenburger Bauern, die ihre regionalen Kartoffeln auf kurzem Weg in der Hauptstadt verkaufen wollen und müssen? Die Kartoffeln in ihren Lägern stehen noch für die geplante Vermarktung zur Verfügung und sind dementsprechend noch nicht bezahlt. Sie können sie nicht spenden, obwohl sie auch bereits seit Jahren mit sozialen Einrichtungen kooperieren – nur in geringerem Umfang und ohne öffentlichkeitswirksame Medienbegleitung. 

Die Organisatoren der Spendenaktion haben im Vorfeld die regionalen Anbieter noch nicht einmal kontaktiert, vielleicht war ihnen deren Existenz noch nicht einmal bewusst. Sie haben sich stattdessen mit einer Agrarholding mit 5.300 ha in Sachsen zusammengetan. 

Was aber passiert, wenn man kostenlose Ware in einen übervollen Markt drückt? Das Produkt wird entwertet. Nicht allein vom Preis her entwertet, sondern viel wichtiger ist, dass auch das Wertgefühl sinkt: „Kost nix, ist nix wert". 

Wie fühlen sich die regionalen Kartoffellieferanten der Berliner? Richtig, sie wurden übergangen und stehen 4.000 Tonnen geschenkter Kartoffeln gegenüber, die hoffentlich tatsächlich auf dem Tisch Bedürftiger landen. 
 
Ergo: Systemische Defizite lassen sich nicht durch individuelle Aktionen lösen. Im besten Fall schärft diese Aktion die Wahrnehmung regionaler Strukturen, ihre Bedeutung für Ernährungssicherheit, für Resilienz und die Notwendigkeit sie zu achten und zu pflegen. Wir wünschen allen Brandenburger Kartoffeln viel Erfolg auf dem Berliner Markt! Support your local farmer! 
 
Elke Röder, Johann Gerdes, Manuel Pundt, Sebastian Klass  
Vorstand Märkischer Wirtschaftsverbund e.V. 

Kontakt: Märkischer Wirtschaftsverbund e.V., Verbund der ökologischen Ernährungswirtschaft in Berlin-Brandenburg | info@fair-regional.de | www.fair-regional.de



     
        
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