Nachhaltigkeit und Kultur
Ein Kurzbericht von der MONDIACULT Konferenz 2025
Sie fand vom 29. September bis 1. Oktober 2025 in Barcelona statt. Die Konferenz findet alle drei Jahre mit dem Ziel der Vereinigung von Nachhaltigkeit und Kultur statt. An ihrem Schnittpunkt sollen sich beide immer wieder neu erfinden.Diese jüngste MONDIACULT-Konferenz war tatsächlich historisch: hatte sie doch zum Ziel, Kultur als eigenständiges Entwicklungsziel der Vereinten Nationen weltweit zu etablieren.
Kultur soll erstens im Kern der globalen UNO-Post-2030 Nachhaltigkeits-Agenda bis 2050 stehen.
Zweitens soll Kultur auch die Rolle einer alternativen Diplomatie einnehmen, weil in der heutigen internationalen Situation die wichtigsten Gremien zwischen Demokratien und Autokratie gespalten sind und traditionelle Weltpolitik deshalb gelähmt ist.
Die diesjährige MONDIACULT Konferenz markierte drittens einen historischen Fortschritt bei der Anerkennung von Kultur als zentralem Politik- und Gesellschaftsfaktor. So unter anderem durch den Plan, Kultur als eigenständiges, 18. Nachhaltigkeitsziel (SDG) in der bislang 17 Ziele umfassenden SDG-Agenda der Vereinten Nationen festzuschreiben.
Viertens wurde bei der Konferenz der erste Tatsachen- und Zustandsbericht über Kulturpolitiken weltweit vorgelegt, was zu ihrer stärkeren Vernetzung und Kohärenz führen soll.
Fünftens wurden zwei Themen grundsatzorientiert diskutiert: die Rolle der Kultur für den Frieden in einer Ära der Konflikte und die künftigen Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) auf das bisherige Verständnis von Kultur.
Die Ausgabe 2025 zeichnete sich insbesondere durch die Behauptung des Multilateralismus in einer Ära der De-Globalisierung aus, wozu eine neue globale Agenda zur Stärkung der Rolle der Kultur in allen Bereichen der Gesellschaft gefordert wurde. Davon ausgegangen wurde, dass eine gemeinsame Menschheitskultur auf der Grundlage der Nachhaltigkeitsagenda heute Konturen annehmen kann, wenn eine bewußt auf Ausgleich und Zusammenarbeit ausgerichtete Politik sie unterstützt.
Kultur wird somit als ein sich langsam entwickelndes, grundlegendes Element der menschlichen Gesellschaft angesehen, das Kontinuität mit Innovationen und Kritik in Einklang bringt.
Das spiegelt die wachsende Anerkennung der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung von Kultur wider. Der Bericht hebt jedoch auch erhebliche Ungleichheiten hervor, da die Kulturförderung in Europa und Nordamerika pro Kopf dreizehnmal höher ist als im Rest der Welt, was die Notwendigkeit einer inklusiven, datengestützten Kulturpolitik unterstreicht, die die verschiedenen Weltpraktiken verbindet.
Schlüsselthemen: Technologie, Ungleichheit und Frieden
Die Konferenz konzentrierte sich auf drei wichtige Themen, die die Weltkultur heute prägen:
- Künstliche Intelligenz und Technologie: Die UNESCO entwickelt ethische Leitlinien für KI und neue Neurotechnologien, um sicherzustellen, dass diese technologischen Fortschritte den menschlichen Werten dienen und nicht die Kultur ersetzen. Der Aufstieg der KI stellt traditionelle Bildungs- und Kulturinstitutionen vor Herausforderungen, erfordert aber auch die Förderung menschlicher Kreativität und interdisziplinärer Ansätze.
- Abbau von Ungleichheit durch Kultur: Es gab auf der Konferenz Bestrebungen, Kultur als Menschenrecht anzuerkennen und als 18. SDG zu verankern, um Ungleichheiten zu beseitigen und weltweit die Generationen- und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern.
- Kultur als Instrument für den Frieden: Die Gründung der UNTRAD (UN Unit for Non-Traditional Diplomacy) stellt die Kulturdiplomatie in den Mittelpunkt, um die Grenzen der konventionellen Diplomatie inmitten geopolitischer und ideologischer Spannungen zu überwinden.
Die Fähigkeit, künftige Herausforderungen zu antizipieren und kulturelle Rechte mit technologischem Fortschritt in Einklang zu bringen, wird von den meisten Experten am Schnittpunkt zwischen Nachhaltigkeit und Kultur als entscheidend für die Aufrechterhaltung der menschlichen Identität und des sozialen Zusammenhalts angesehen, um gemeinsam sinnvollen und stetigen Fortschritt zu bewirken.
Kulturelle Rechte und die Integration verschiedener Kulturen, insbesondere in urbanen Zentren, werden im Mittelpunkt künftiger Debatten zur europäischen Kulturpolitik stehen. Die Erfahrungen des europäischen Kontinents im Umgang mit kultureller Vielfalt bieten wertvolle Erkenntnisse für die globale Kulturpolitik.
Europa kann sich durch die Aufrechterhaltung eines hohen kulturellen Selbstbewusstseins und die Förderung nicht-traditioneller Diplomatie kreativ in der sich wandelnden internationalen Kulturlandschaft positionieren, um Nachhaltigkeit weiterhin aktiv zur Kultur auszugestalten – und damit die Richtungnahme der Weltkultur bis 2050 beeinflussen.
Investitionen in Kultur dürften langfristig erhebliche Vorteile bringen und Kultur als zentrales Element der nachhaltigen Entwicklung und globalen Zusammenarbeit stärken.
Sicher ist insgesamt: die Anknüpfung nationaler und regionaler Nachhaltigkeitsinitiativen gerade auch in Deutschland an die Vereinten Nationen und ihre Aktivitäten im Kulturbereich wird wichtiger, um der Nachhaltigkeit die Zukunft zu sichern. Gerade vor Ort erfolgt Sicherung und Entwicklung künftig verstärkt durch globale Verbindung. Also mehr denn je: Global denken, lokal handeln – und lokal denken, global handeln!
Roland Benedikter, Dr. Dr. Dr., ist Politikwissenschaftler und Soziologe am Center for Advanced Studies von Eurac Research in Bozen und dort auch UNESCO-Lehrstuhlinhaber für Antizipation & Transformation. Er ist Mitglied des forum-Kuratoriums.
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