Umwelt | Klima, 13.11.2025
„Verschollen“ – Premiere eines Mega-Projektes - und forum mittendrin
Wie ein Dokumentarfilm über Fake-Klimaschutzprojekte in Brasilien in den Bundestag kommt
Für forum-Redakteur Daniel Mendes Jenner ist das wohl eines seiner größten und aufregendsten Projekte überhaupt - und für Klimaschutz und die Entlarvung von Greenwashing durch angebliche Klimaschutzprojekte durch Aufforstung in Brasilien könnte das DER Durchbruch sein. Der Zeitpunkt könnte zudem mit Beginn der COP30 nicht passender sein: Der Spiel- und Dokumentarfilm „Verschollen" hatte am 10.11. in Berlin Premiere. forum hat den Regisseur Daniel Harrich dazu interviewt.

Daniel, worum geht es in Deinem neuen ARD-Themenschwerpunkt?
Mit „Verschollen" decken wir auf, wie angebliche Klimaschutzprojekte in Brasilien in Wahrheit Landraub, Umweltzerstörung und Greenwashing finanzieren – und wie deutsche Konzerne davon profitieren.
Was ist während der Dreharbeiten passiert und was waren die wichtigsten und erschreckendsten Erkenntnisse?
Wir haben erlebt, wie Dorfgemeinschaften bedroht werden, weil sie ihr Land nicht aufgeben wollen. Wir haben gesehen, wie natürlich gewachsene Wälder und ihre einzigartigen Ökosysteme für Monokultur-Plantagen zerstört werden. Und wir haben aufgedeckt, dass die angeblichen „CO2-Wälder" in Wahrheit gefällt und zu Holzkohle verbrannt werden – um sogenannten „grünen Stahl" zu produzieren, der auch nach Deutschland exportiert wird.
Wie übersetzt ihr das im fiktiven Teil und was erfahren die Zuseher im Doku-Teil?Der investigative Spielfilm erzählt die Geschichte eines Vaters, gespielt von Axel Milberg, der in Brasilien nach seinem verschwundenen Sohn sucht. Die Dokumentation zeigt anschließend, dass alles, was wie Fiktion wirkt, tatsächlich Realität ist.
Was sind investigative Spielfilme und worin liegt ihre Stärke?
Sie basieren auf langjährigen investigativen Recherchen, halten sich an die Regeln des dokumentarischen Filmemachens und verbinden diese mit emotionalem Erzählen. So erreicht man Menschen, die sich sonst nie eine Doku anschauen würden – und schafft es auf Sendeplätze, die sich sonst nie mit so komplexen Themen befassen würden. Dadurch werden Zusammenhänge spürbar und erlebbar.
Die wirklich relevanten Themen scheitern oft dort, wo sie eigentlich hinmüssen: in die breite Öffentlichkeit – und in die Politik. Ich wollte Journalismus, der unter die Haut geht, aufrüttelt und zum Nachdenken anregt. Das ist unser Auftrag – der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer funktionierenden Demokratie.
Wie schafft man es trotz der erschreckenden Recherche-Ergebnisse, das öffentliche Vertrauen in gute Klimaschutzprojekte aufrechtzuerhalten?
Indem wir differenzieren. Es gibt viele echte, ehrliche Projekte – sie gilt es in der Flut der Greenwashing-Versprechen hervorzuheben. Transparenz ist der Schlüssel. Deshalb müssen wir auch dorthin schauen, wo es weh tut.
forum zeigt nie nur Probleme – wir bringen auch die Lösungen. Geht ihr auch darauf ein?Ja. Wir zeigen lokale Initiativen in Brasilien, die tatsächlich Wälder schützen – etwa durch nachhaltige Nutzung für den Anbau von Früchten, den Superfoods des Cerrado. Das ist eine echte Lösung: Aufforstung mit heimischen Arten, die lokale Bevölkerung einbindet und ökologische Systeme wiederherstellt – kein industrielles Plantagenmodell. Und wir begleiten Wissenschaftler:innen, die Wege aus der Greenwashing-Falle aufzeigen.
Wie schafft ihr es, trotz des geringen Budgets so intensiv zu recherchieren und doch so hochwertig zu produzieren?
Mit Leidenschaft, Teamgeist und kompromissloser Hingabe – sowie starken Partnern wie dem SWR, WDR, BR und SR. Wir investieren alles in Inhalte und drehen weltweit mit minimaler Crew, aber maximalem Engagement.
Was würdest Du machen, wenn Du so richtig viel Budget hättest? Welche Themen liegen Dir noch am Herzen?
Ich würde ein internationales Recherche-Netzwerk aufbauen – über Greenwashing hinaus: Lieferketten, Wasser, Energie, Ernährung. Und zeigen: Alles hängt zusammen. Auch die Lösungen.
Wie hast Du es geschafft, als erster und einziger mit Deinen Filmen in den Bundestag zu kommen?
Weil wir Beweise liefern, nicht nur Meinungen. Wenn ein Film parlamentarische Debatten auslöst, zeigt das, dass wir als Medien noch Wirkung haben.
Vielen Dank, Daniel, und ganz viel Erfolg weiterhin!
Daniel Harrich ist Regisseur und Erfinder des investigativen Spielfilms. Anfang 2024 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz. Seine Recherchen bringen die Politik ins Handeln und erreichen Millionen Menschen, wodurch seine Spielfilme zu den erfolgreichsten Produktionen der ARD zählen.
Daniel Mendes Jenner ist bei forum vor allem für Medienpartnerschaften zuständig. In dieser Rolle besucht er über 100 Veranstaltungen pro Jahr und stößt vor Ort gemeinsam mit unseren Partner:innen den Wandel an.
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