Umwelt | Naturschutz, 04.11.2025
Torfmoos statt Treibhaus
Mit Wiedervernässung den Klimaschutz beschleunigen
Deutschland hat rund 95 Prozent seiner Moorflächen trockengelegt – vor allem für die Landwirtschaft. Dabei sind Moore echte Klimaschützer: Wird der Wasserstand wieder erhöht, speichern sie den Kohlenstoff, fördern die Artenvielfalt und verbessern den Wasserhaushalt. Das Unternehmen «ZukunftMoor» zeigt, wie es geht: Es renaturiert Moorflächen und nutzt sie für den Anbau von Torfmoos – eine nachhaltige Alternative zu Torf in Pflanzenerden. In Niedersachsen ist so ein Pionierprojekt entstanden. Co-Gründer und Geschäftsführer Lucas Gerrits erklärt, warum das Modell zukunftsweisend ist.
Die Gemeinde Gnarrenburg befindet sich im Teufelsmoor in Niedersachsen, das über 36.000 Hektar umfasst. Das Gebiet wurde im 18. Jahrhundert für Landwirtschaft und Torfabbau trockengelegt. In der selbsternannten «Moormetropole» hat ZukunftMoor mit myclimate als Finanzierungspartner eine 13,4 Hektar große Moorfläche wiedervernässt und für Torfmoosanbau eingerichtet.Das Projekt gilt als Vorzeigeprojekt für «Paludikultur», der Landwirtschaft auf nassen Moorflächen. Mélanie Siegrist, Projektleiterin von naturbasierten Lösungen, hat in einem Interview mit Lucas Gerrits über den Projektansatz und zukünftigen Pläne gesprochen.
Mélanie Siegrist: Herr Gerrits, was macht das Projekt besonders?
Lucas Gerrits: Wir schaffen eine Win-win-win-Situation: Durch die Wiedervernässung vermeiden wir CO2-Emissionen, fördern die Biodiversität und verbessern den Wasserrückhalt. Gleichzeitig produzieren wir mit Torfmoos einen natürlichen Ersatz für Torf – ein wichtiger Beitrag für klimafreundliche Pflanzenerden. Unser Ansatz ist skalierbar und bietet Perspektiven für viele landwirtschaftlich genutzte Moorflächen.
Wie läuft die Wiedervernässung konkret ab?
Zuerst haben wir die Fläche analysiert und einen Antrag für die bauliche Umgestaltung gestellt. Seit Oktober 2024 wird die 13,4 Hektar große Fläche mit Baggern zu Poldern umgebaut und ein Wassermanagementsystem installiert. Alte Drainagerohre werden zerstört.
Dann säen wir das Torfmoos aus – auch mithilfe von Drohnen. Das Moos funktioniert wie ein Schwamm und kann das 30-fache seines Gewichts an Wasser speichern. Bereits wenige Wochen nach der Wiedervernässung erleben wir, wie sich Kiebitze, Libellen und Frösche in unserer Fläche wieder wohl fühlen.
Und besonders wichtig: Wir lassen grundbuchrechtlich verankern, dass die Fläche nicht mehr trockengelegt werden darf.
Wie reagiert die lokale Bevölkerung?
Wir erhalten viel positive Rückmeldung aus der Nachbarschaft. Dies verdanken wir auch dem politischen Rückhalt aus dem Landkreis und der Gemeinde sowie von wichtigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Wir stellen dafür unser Vorhaben auch bei vielen Gelegenheiten vor, sind mit unserem Büro vor Ort präsent und bieten als «gläserner Betrieb» regelmäßig Führungen an.
Dank myclimate als Finanzierungspartner konnten wir einen großen Teil der Investitionskosten abdecken. Für uns als junges Unternehmen ist eine solche Unterstützung sehr wichtig. Bereits wenige Wochen nach der Wiedervernässung erleben wir, wie sich Kiebitze, Libellen und Frösche in unserer Fläche wieder wohl fühlen und in einer so kurzen Zeit den heute weltweit größten Torfmoosbetrieb etablieren.
Wie können andere Unternehmen euch unterstützen?
Wir wollen weitere Flächen wiedervernässen und brauchen dafür starke Partnerschaften. Unternehmen können uns unterstützen, indem sie über myclimate einen Klimaschutzbeitrag leisten. Noch besser: vorbeikommen, anschauen, mitmachen! In Gnarrenburg sieht man direkt, was möglich ist!
Die Themen Moore und Paludikultur werden in forum 01/2026 „Unternehmerische Verantwortung" ausführlich behandelt.
Frau Reiche – es reicht!
forum 03/2026
- Resilienz
- Klimafinanzierung
- Wald
- Startups
Kaufen...
Abonnieren...
20
JUN
2026
JUN
2026
30
JUN
2026
JUN
2026
28
SEP
2026
SEP
2026
Zertifikatskurs „Sustainability Management“
Wir verbinden Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit!
95447 Bayreuth
Wir verbinden Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit!
95447 Bayreuth
Anzeige
Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.
Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.
Wissenschaft & Forschung
Artemis und OrionChristoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Jetzt auf forum:
VerpackDG: Über §26 mehr europäisches Recycling fördern
Jean Ziegler: Unermüdlicher Kämpfer für das Recht auf Nahrung
Alles beginnt jetzt. Auf der Straße. Im Kopf. Im Herzen.
Neuer Marktplatz für Kreislaufwirtschaft in Planung
Lebensmitteltaugliche Rezyklate aus dem Gelben Sack – Interzero leistet Pionierarbeit
DGNB entwickelt neues Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere






















