Torfmoos statt Treibhaus

Mit Wiedervernässung den Klimaschutz beschleunigen

Deutschland hat rund 95 Prozent seiner Moorflächen trockengelegt – vor allem für die Landwirtschaft. Dabei sind Moore echte Klimaschützer: Wird der Wasserstand wieder erhöht, speichern sie den Kohlenstoff, fördern die Artenvielfalt und verbessern den Wasserhaushalt. Das Unternehmen «ZukunftMoor» zeigt, wie es geht: Es renaturiert Moorflächen und nutzt sie für den Anbau von Torfmoos – eine nachhaltige Alternative zu Torf in Pflanzenerden. In Niedersachsen ist so ein Pionierprojekt entstanden. Co-Gründer und Geschäftsführer Lucas Gerrits erklärt, warum das Modell zukunftsweisend ist.

Lucas Gerrits, Co-Gründer und Geschäftsführer von ZukunftMoor ©Kristina SteinerDie Gemeinde Gnarrenburg befindet sich im Teufelsmoor in Niedersachsen, das über 36.000 Hektar umfasst. Das Gebiet wurde im 18. Jahrhundert für Landwirtschaft und Torfabbau trockengelegt. In der selbsternannten «Moormetropole» hat ZukunftMoor mit myclimate als Finanzierungspartner eine 13,4 Hektar große Moorfläche wiedervernässt und für Torfmoosanbau eingerichtet.
 
Das Projekt gilt als Vorzeigeprojekt für «Paludikultur», der Landwirtschaft auf nassen Moorflächen. Mélanie Siegrist, Projektleiterin von naturbasierten Lösungen, hat in einem Interview mit Lucas Gerrits über den Projektansatz und zukünftigen Pläne gesprochen.

Mélanie Siegrist: Herr Gerrits, was macht das Projekt besonders? 
Lucas Gerrits: Wir schaffen eine Win-win-win-Situation: Durch die Wiedervernässung vermeiden wir CO2-Emissionen, fördern die Biodiversität und verbessern den Wasserrückhalt. Gleichzeitig produzieren wir mit Torfmoos einen natürlichen Ersatz für Torf – ein wichtiger Beitrag für klimafreundliche Pflanzenerden. Unser Ansatz ist skalierbar und bietet Perspektiven für viele landwirtschaftlich genutzte Moorflächen.

Wie läuft die Wiedervernässung konkret ab? 
Zuerst haben wir die Fläche analysiert und einen Antrag für die bauliche Umgestaltung gestellt. Seit Oktober 2024 wird die 13,4 Hektar große Fläche mit Baggern zu Poldern umgebaut und ein Wassermanagementsystem installiert. Alte Drainagerohre werden zerstört.
 
Dann säen wir das Torfmoos aus – auch mithilfe von Drohnen. Das Moos funktioniert wie ein Schwamm und kann das 30-fache seines Gewichts an Wasser speichern. Bereits wenige Wochen nach der Wiedervernässung erleben wir, wie sich Kiebitze, Libellen und Frösche in unserer Fläche wieder wohl fühlen.
 
Und besonders wichtig: Wir lassen grundbuchrechtlich verankern, dass die Fläche nicht mehr trockengelegt werden darf.

Wie reagiert die lokale Bevölkerung? 
Wir erhalten viel positive Rückmeldung aus der Nachbarschaft. Dies verdanken wir auch dem politischen Rückhalt aus dem Landkreis und der Gemeinde sowie von wichtigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Wir stellen dafür unser Vorhaben auch bei vielen Gelegenheiten vor, sind mit unserem Büro vor Ort präsent und bieten als «gläserner Betrieb» regelmäßig Führungen an.  

Dank myclimate als Finanzierungspartner konnten wir einen großen Teil der Investitionskosten abdecken. Für uns als junges Unternehmen ist eine solche Unterstützung sehr wichtig. Bereits wenige Wochen nach der Wiedervernässung erleben wir, wie sich Kiebitze, Libellen und Frösche in unserer Fläche wieder wohl fühlen und in einer so kurzen Zeit den heute weltweit größten Torfmoosbetrieb etablieren.  

Wie können andere Unternehmen euch unterstützen? 
Wir wollen weitere Flächen wiedervernässen und brauchen dafür starke Partnerschaften. Unternehmen können uns unterstützen, indem sie über myclimate einen Klimaschutzbeitrag leisten. Noch besser: vorbeikommen, anschauen, mitmachen! In Gnarrenburg sieht man direkt, was möglich ist! 

Kontakt: Zukunft Moor, Lucas Gerrits | info@zukunftmoor.de | www.zukunftmoor.de

Die Themen Moore und Paludikultur werden in forum 01/2026 „Unternehmerische Verantwortung" ausführlich behandelt.


     
        
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